Nr. 41/2017 vom 12.10.2017

Flucht vor dem Siegerlächeln

Von Stephan Pörtner

Wie genau es ihn nach Zell am See verschlagen hatte, konnte Hindldink nur noch mit Mühe rekonstruieren. Ursprünglich war er nach Kitzbühel unterwegs gewesen, wo er als Lückenbüsser zu einem unbedeutenden Filmfestival eingeladen worden war. Beim Mittagessen sah er sich von derart zahlreichen und blendenden Siegerlächeln umzingelt, dass er mittels Leihfahrrad flüchtete. Ausgerechnet in Zell am See, einem an Interlaken gemahnenden Ort, der aufgrund seiner Lage und abgeschabten Mondänität zu einem Hotspot für BewohnerInnen unbeliebter Weltgegenden geworden war, die die Duldung ihrer sonst verpönten Sitten durch schiere Kaufkraft erzwangen, verliessen ihn die Kräfte, und er fiel der Trachtenhotellerie zum Opfer.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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