Nr. 02/2018 vom 11.01.2018

Ein Spätzünder lernt pfeifen

Von Stephan Pörtner

Wingerdrohn konnte es nicht fassen, schon deutlich in der zweiten Lebenshälfte stehend, das als anatomisch nicht zu vollbringend erachtete Pfeifen durch die Finger doch erlernt zu haben. Aus Begeisterung darüber übte er die neu erworbene Fähigkeit nahezu pausenlos, was einigen Lärm verursachte. Auch fiel die Anerkennung und Bewunderung, die er sich seit Bubentagen erträumt hatte, weit geringer aus als erhofft, genau genommen blieb sie vollkommen aus und schlug oft gar in Zurechtweisungen und Ablehnung um. Das trübte seine Freude nicht, denn im Gegensatz zu seinem bisherigen Leben war er endlich in der Lage, auf die Meinung der anderen zu pfeifen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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