Nr. 24/2018 vom 14.06.2018

Und wie geht es dir?

Von Timo Posselt

Meditation wirkt nicht. Zumindest nicht beim Lover von Courtney Barnett: «Meditation makes you only more strung out. I wish you had a guru who told you to let it go, let it go.» Dazu nölt das Riff in «Charity», als wären die Sommerferien 52 Wochen lang. «Tell Me How You Really Feel», das neue Album der dreissigjährigen Australierin, ist ein Wurf. Ihre innere Mitte hat sie darauf nicht gefunden, und wir sind froh drum. Stattdessen: Beziehungstrouble. Kennen wir und wippen mit. «Hopefulessness» heisst der Opener, und der Pflock ist eingeschlagen. Die Gitarre mäandert, das Schlagzeug tupft, und Courtney Barnett singt so unangestrengt, als hätte sie niemandem was zu beweisen.

Hat sie auch nicht, mit solchen Songtiteln: «Crippling Self Doubt and a General Lack of Self Confidence». Das Intro beginnt mit drei hingekleckerten Akkorden, die Gitarren stampfen auf trockenen Sohlen weiter, und im Refrain hallt aus der Ferne auffordernd der Albumtitel: «Tell me how you really feel.» Sie antwortet stellvertretend für uns alle: «I don’t know. I don’t know anything.» So dringlich klingt Planlosigkeit bei niemand anderem und so trocken die Beziehungsprobleme nur bei ihr. «I could eat a bowl of alphabet soup, and spit out better words than you», singt sie zurückgelehnt in «Nameless, Faceless». Und erinnert damit einmal mehr an die Figur des Slackers, der antriebslos, aber redselig die Betriebsamkeit unterwandert.

Barnetts Debüt von 2015 hiess «Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit». Wieder so ein Titel. Auf dem zweiten Album, «Lotta Sea Lice», tat sie sich mit Zupfgitarrenguru Kurt Vile zusammen, und jeder Montagmorgen wurde erträglich. Courtney Barnetts Innerlichkeit ist kein Narzissmus. Denn es geht nicht um sie. Genau wie im Albumtitel. Er ist ein Gesprächsangebot, und wir müssen es ernst nehmen. Also, wie fühlst du dich wirklich? Erzähl, und Courtney spielt den Song dazu.

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