Nr. 04/2019 vom 24.01.2019

Nachhaltig und radikal neu anfangen

Von Marcy Goldberg

«True Stories of Ethical Business» verspricht der neue Dokumentarfilm von Nino Jacusso («Escape to Paradise») im Untertitel, und tatsächlich geht es hier um zweierlei: «Fair Traders» setzt sich einerseits mit der Vorstellung einer nachhaltigeren und fairen Wirtschaft auseinander, anderseits erzählt er drei Lebensgeschichten, die eigentlich auch Bekehrungsgeschichten sind.

Die drei Hauptfiguren des Films gehören verschiedenen Generationen an. Sie erlebten aber alle einen ähnlichen Knick im Werdegang, als sie das dringende Bedürfnis verspürten, ihr Leben umzukrempeln und etwas Positives in der Welt zu bewirken. Der Schweizer Textilunternehmer Patrick Hohmann wechselte in den 1980er Jahren in den Anbau von Biobaumwolle in Indien und Tansania und gründete später eine Stiftung für Entwicklungshilfe in diesen Ländern.

Die Marketingfachfrau Sina Trinkwalder stieg vor acht Jahren ohne Branchenkenntnisse in die ökologische Textilproduktion ein und schuf dabei in Augsburg Arbeitsplätze für vermeintlich beschäftigungsunfähige Mitarbeiterinnen. Die frühere Kindergärtnerin Claudia Zimmermann übernahm zusammen mit ihrem Mann den Bauernhof von dessen Eltern im solothurnischen Küttigkofen, stellte auf biologische Landwirtschaft um und eröffnete einen Bioladen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Allen drei ist es gelungen, ihre Projekte erfolgreich umzusetzen. Doch der Film deutet auch auf einige damit verbundene Schwierigkeiten. Etwa die endlosen Überstunden auf dem Bauernhof, so erfreulich die Arbeit auch sein mag. Oder die Ehe, die just dann in die Brüche geht, als das Geschäft mit den Recyclingtaschen richtig abhebt. Vielleicht am komplexesten stellt sich die Zusammenarbeit mit den Bauern und Kleinhändlern in Indien und Tansania dar, wobei nicht immer ganz klar ist, wo die Grenze zwischen Entwicklungshilfe und Paternalismus verläuft.

Überall lauert hinter diesen Erfolgsgeschichten eine grössere Frage: Wie weit helfen solche Einzelprojekte, wenn auf Systemebene so viel schiefläuft? Das grösste Verdienst von «Fair Traders» ist aber, dass der Film solche komplexen Themen anhand dieser einzelnen Geschichten greifbar macht. Denn je mehr die soziale Ungleichheit wächst und der Umweltkollaps droht, umso dringlicher ist es, einen radikal neuen Kurs einzuschlagen.

In: Solothurn, Landhaus, So, 27. Januar 2019, 15 Uhr, und Reithalle, Mi, 30. Januar 2019, 12 Uhr. Ab 14. Februar 2019 im Kino.

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