Nr. 09/2019 vom 28.02.2019

Schlechte Partien

Von Karin Hoffsten

Die Forschung hat sich eines neuen Phänomens angenommen, der Homogamie, die nicht das meint, was sich Schwule und Lesben schon lange wünschen, sondern gemäss Duden die «Gleichartigkeit der Gatten bei der Partnerwahl (z. B. in Bezug auf Alter, Klasse, Konfession)».

Seit Frauen hinsichtlich Ausbildung mit den Männern gleichziehen oder sie gar überholen, hat Homogamie in den Industriestaaten stark zugenommen: Immer mehr Frauen wollen in Bezug auf Bildung und Einkommen einen möglichst ähnlichen Mann heiraten und umgekehrt – und das befördert laut NZZ «den tiefer werdenden Graben zwischen Arm und Reich».

Denn wie einst Professor Higgins die Blumenfrau Eliza Doolittle bildete und freite, sorgten jahrzehntelang Millionen Ärzte für sozialen Ausgleich, indem sie eine Pflegefachfrau, vulgo Krankenschwester, zur Gattin nahmen. Umgekehrt war so was nur ohne ehelichen Bund möglich, wie Lady Chatterley und ihr Wildhüter zeigen, diente aber nicht der sozialen Angleichung.

Seit Frauen besser ausgebildet sind und ihr Geld selber verdienen, haben Männer eine grössere Auswahl, und Frauen fangen mit der ehelichen Aufwertung gar nicht erst an: Die Ärztin bleibt im Zweifelsfall lieber ledig, als um Pfleger, Autoverkäufer oder Maurer zu buhlen.

Es wundert mich, dass noch keiner unserer rückwärtsgewandten Mitbürger gefordert hat, Frauen um des sozialen Friedens willen wieder vom Studium auszuschliessen. 

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