Nr. 19/2019 vom 09.05.2019

Angriff auf linkes Festival

Von David HunzikerMail an AutorIn

Es ist ja nicht selten so bei repressiven Apparaten: Sie behaupten, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, bewirken praktisch aber gerade das Gegenteil. So ein Fall scheint auch der Konflikt zwischen dem linksautonomen Fusion Festival im ostdeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und dem regionalen Polizeichef zu sein. Weil mit dem Sicherheitskonzept des Festivals etwas nicht stimmen soll, will er dieses nicht bewilligen – womit das Fusion Festival nicht wie geplant Ende Juni stattfinden könnte. Der von zahlreichen linken Gruppierungen getragene Verein Kulturkosmos, der hinter dem Festival steht, sieht hinter dem Vorstoss der Polizei einen Plan: auf dem Festivalgelände wolle sie einen Posten einrichten und Patrouillen durchführen.

Kann das wirklich deren Ernst sein? Was wahrscheinlich ist: Die Fusion-Gemeinschaft mit Polizeipräsenz zu provozieren, würde eher zu neuen Konflikten als zu mehr Sicherheit führen. Obwohl mittlerweile rund 70 000 Menschen das Festival besuchen, gibt es nämlich überhaupt keinen Anlass, am lockeren Sicherheitskonzept etwas zu ändern. Gewalttätige Zwischenfälle sind äusserst selten. Die Polizei bestätigte in den letzten Jahren jeweils selber, dass das Festival zu ihrer Zufriedenheit über die Bühne gegangen sei. Wieso also dieser plötzliche Eingriff? Möglich wäre, dass die Polizei tatsächlich präsent sein will, etwa um gegen den Drogenkonsum vorzugehen. Vermutlich würden die VeranstalterInnen Polizeipräsenz sowieso nicht tolerieren. Handelt es sich also um einen politischen Angriff auf das explizit politische Festival?

Die Fusion, die auf einem ehemaligen Militärflugplatz unzählige Konzerte, Theater und andere kulturelle Veranstaltungen bietet, beschreibt sich selber scherzhaft als «Ferienkommunismus». Tatsächlich läuft hier vieles anders als an anderen Festivals. Organisiert wird die Fusion von einer aktiven Community aus Tausenden AktivistInnen. Am Festival gibt es keine Werbung, kein Sponsoring, keine Medienpräsenz und kein Fleisch. Die Verhinderung des Festivals wäre verheerend. Abgesehen von seiner kulturellen Bedeutung ist es gerade auch als linker Ort in einem ländlichen Gebiet in Ostdeutschland enorm wichtig. Immerhin: Der Verein hat noch die Möglichkeit, den Einspruch der Polizei vor Gericht anzufechten.

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