Nr. 28/2019 vom 11.07.2019

Der Mond ist mein Freund

Schon als Kind wurde Ruedi Widmer vom Mondfieber gepackt. Eine Liebeserklärung zum 50. Jahrestag der Apollo-11-Mission.

Von Ruedi Widmer (Text und Illustrationen)

Als kleines Kind sagte ich ihm aus unerfindlichen Gründen «Chanisse» (chrosig schweizerdeutsch auszusprechen, nicht wie den französischen Frauennamen), aber nur, wenn seine Sichel kurz vor oder nach Neumond sehr dünn und spitzig war. Dann ist der Mond ja eine andere Persönlichkeit als als Vollmond. In Kinderbüchern und Disney-Filmen kann dann da einer draufhocken und gigampfen.

Auch mein Sohn entdeckte, als er noch im Buggy sass, aus den unmöglichsten Blickwinkeln irgendwo den Mond und rief: «Mun, Mun!» Auch bei Tag. Der Erdtrabant scheint eine wichtige Rolle für die Menschen zu spielen. Er ist das Gesicht in der Einsamkeit des Erdendaseins. Sternklare Nächte mögen zwar schön sein, aber sie sind auch unheimlich. Es wird einem gewahr, wie gigantisch das Universum ist und wie weit alles. Wenn aber der Mond am Nachthimmel steht, ist das, wie wenn Mama oder Papa am Bettchen des Menschen sitzt oder das Nachtlicht leuchtet.

Das Runde des Mondes ist das Vertrauenswürdige. Das Kind blickt in ein Gesicht. Ich stelle als Glatzenträger seit langem fest, dass mich oft kleine Kinder anstrahlen, und das dürfte weniger mit meiner spitzen Nase als mit meinem runden Schädel zu tun haben.

Der runde Mond und auch die Planeten haben etwas Kurliges, Fröhliches an sich. Die Kugel und der Kreis sind vermutlich die uns Menschen naheliegendsten geometrischen Formen und tragen entschieden mehr Sympathie in sich als Dreiecke, Pentagramme oder Oktaeder.

Der Mond im Mondo-Buch

Das Mondfieber packte mich Ende der siebziger Jahre, dann aber auch aus einem anderen Grund. In meinem Elternhaus standen im Büchergestell auf der Sichthöhe des Kindergärtlers eine Reihe Mondo-Bücher (Achtung: Mondo, nicht Mond). Diese Buchreihe kannte wohl jedes Kind meiner Generation. Man kaufte das Buch ohne Bilder und klebte dann die mitgelieferten Fotos dazu ein. Auf seine druck- und preisspezifische Bedeutung in der Nachkriegszeit möchte ich hier nicht eingehen, aber auf zwei Bände. Der eine hiess «Weltraumfahrt» und der zweite «Begegnung mit den Planeten». Darin waren Raketen, Satelliten, Astronauten, Experimente, ballistische Flugbahnen abgebildet, die ich immer und immer wieder anschaute. Eigentlich verstand ich nur, was eine Rakete ist, die anderen waren noch etwas unverständliche Bilder, die sich mir aber einprägten, vor allem das mit dem Schimpansen, der 1961 von der Nasa auf 253 Kilometer Höhe geschossen wurde. Im einen Buch hatte es auch Bilder der damals geplanten Zukunft, und da es etwa aus dem Jahr 1966 stammte, also aus der Zeit der Mercury- und Gemini-Programme, war die Saturn-V-Rakete des Apollo-Programms erst in einer gemalten Illustration abgebildet, wie sie auf dem Raupenpanzer aus dem gigantischen Vehicle Assembly Building von Cape Canaveral herausfährt. Dieses Bild und einige weitere mit Raumstationen, die nach der Mondlandung geplant waren – eines gar mit einer Mondstation –, sind in meinem Unterbewusstsein tief eingeprägt.

Als Kind merkte ich zwar schon, dass das etwas Spezielles war, verblieb aber auch in der unbewussten Meinung, man habe schon früher auf den Mond gekonnt, einfach weniger schnell als mit einer Rakete, und es sei eigentlich völlig normal, dass man auf den Mond gehe, so wie man nach Amerika fliegen kann. Das mag auch mit dem Space Shuttle zu tun haben, dessen ersten Start ich 1981 als Achtjähriger am Fernseher verfolgte und mit dem in den achtziger und neunziger Jahren eine weltraumfahrerische Alltäglichkeit mit lediglich kurzen Vermeldungen in der Zeitung Einzug hielt. Der ganze geschichtliche Hintergrund und die Bedeutung der Weltraumfahrt im Kalten Krieg zwischen Ost und West in den sechziger Jahren erschlossen sich mir erst später. Die Geschichte der Apollo-Flüge bleibt für mich bis heute deshalb auch so faszinierend, weil sie sich nicht wiederholen lässt. Und weil sämtliche bemannte Weltraumfahrt seit Apollo 17 im Jahr 1972 nur mehr ein Schritt vor die Tür ist. Die Reisen zum Mond gingen gut tausendmal tiefer ins All als die späteren und heutigen Astronautenflüge zu den Raumstationen Mir oder ISS, die im Erdorbit kreisen. Der Startlärm der Saturn-V-Triebwerke war das lauteste nichtnukleare Geräusch, das die Menschen je erzeugt haben. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erreichten die Apollo-Kapseln unvorstellbare Geschwindigkeiten von rund 39 000 Kilometern pro Stunde.

Dank Youtube kann ich heute meine relativ wenigen kindlichen Bilder nun hundertfach erweitern, halt nicht, ohne deren Zauber etwas zu schmälern. Es gibt Filme sämtlicher Saturn-V-Starts, aller möglichen Fernsehübertragungen, zeitgenössische Dokumentarfilme über den Bau der Saturn V, der Apollo-Startrampen 39 A und B sowie des Vehicle Assembly Building in Cape Canaveral.

Ich gebe zu: Die Mondlandung ist für mich wie für andere die Weihnachtsgeschichte. Man mag einwenden, es seien in ihr viel zu wenige Protagonisten und Charaktere zugegen, und die Geschichte wäre doch so viel grossartiger, wenn der Mond eine Welt mit Gewässern, Pflanzen und gar Mondwesen wäre. Kann sein. Was mich aber fesselt, ist gerade das Minimalistische: der sehr tote Ort Mond, auf dem sich seit Jahrmillionen bis auf ab und zu einen Meteoriteneinschlag nichts verändert hat, und die Männermenschen, die mit ihm konfrontiert werden, pilotisch und soldatisch, aber nicht psychologisch und philosophisch ausgebildet.

Die Einsamkeit hinter dem Mond

Man muss sich nur einmal versuchen vorzustellen, wie sich das anfühlt. Es gibt ein Foto, das Neil Armstrongs Missionskollege Buzz Aldrin beim Aufenthalt von Apollo 11 auf dem Mond mit seiner Hasselblad geschossen hat. Er hat sich, so gut es halt geht, im Astronautenanzug nach hinten gelehnt und hat, vorbei an der Mondfähre LEM, deren oberen Teil man am unteren Bildrand noch sieht, zur hoch am Mondhimmel stehenden Erde fotografiert. Kennt man die Bilder des über dem grünlichen Mondhorizont aufgehenden Erdballs, die Apollo 8 bei ihrer ersten Mondumkreisung an Weihnachten 1968 zur Erde brachte, zur Genüge, ist dieses Foto eher unbekannt. Sind die Apollo-8-Fotos im Ausschnitt eng und die Erde gross, steht auf dem Aldrin-Foto die blaue Kugel winzig im tiefen, schwarzen All. Die Erdscheibe ist zwar vom Mond aus sechzehn Mal grösser als die Mondscheibe von der Erde aus, aber immer noch erschreckend klein. Dieses Bild vermittelt die enorme Entfernung von der Heimat viel besser als die bekannteren Erde-Mond-Fotos. Wenn man da steht und noch überhaupt nicht weiss, ob man je wieder zurückkommt, dann ist man mit sehr existenziellen Fragen beschäftigt. Diese haben sich bei den Astronauten später auch gezeigt. An keinem ging dieses Erlebnis psychisch spurlos vorüber.

Man kennt heute die für Präsident Richard Nixon vorbereitete Rede, falls die Apollo-11-Mannschaft nicht mehr vom Mond zurückgekommen wäre. Es gab auch den Plan einer Abdankungszeremonie, die mit den per Funk zugeschalteten, an Hunger dahinsterbenden Astronauten durchgeführt worden wäre. Helden wären sie auch dann gewesen, sie wären für die USA gestorben.

Es gibt viele Beschreibungen von Monderfahrungen, die nur die zwölf Menschen machen konnten, die ihn zwischen 1969 und 1972 betraten. Der Mond ist grundsätzlich schwarz-grau wie Asche, nicht einladend, ja unheimlich, wie die Astronauten übereinstimmend fanden, auch Michael Collins, der als Pilot der Kommandokapsel bei Apollo 11 alleine den Mond umrundete und im Funkschatten hinter dem Mond quasi der einsamste Mensch der Menschheitsgeschichte war. Da ist nichts Weisses wie von der Erde aus. Ein ganzer Mondtag dauert 29 Tage und 12 Stunden, und weil der Mond sich gerade nur so weit dreht, dass er mit immer derselben Seite zur Erde steht, steht während des Mondtags die Erde von der Vorderseite des Mondes gesehen immer mehr oder weniger im Zentrum des Firmaments. Sie wird im Verlauf des Mondtags die Stadien von der Neuerde zur Vollerde und zurück machen – ohne sich gross am Himmel zu bewegen. Nach vierzehn Tagen wechselt der Mondtag in die Mondnacht. Diese kommt, wie wenn man das Licht auslöscht – keine Atmosphäre, keine Dämmerung und ein Temperatursturz von 100 Grad Celsius auf minus 150 Grad Celsius innerhalb einer Stunde. Die Schatten auf dem Mond sind schwarz wie das All. Bei Vollerde ist die Nacht auf dem Mond aber viele Male heller als eine Vollmondnacht bei uns. Dieses «aschgraue Licht», das die blaue Erde auf den Mond reflektiert, das kennen wir auch vom dunklen Teil des Mondes, wenn wir den Sichelmond betrachten. Und geht die Erde am Mondhorizont auf, sieht sie sofort scharf und klar aus, weil keine Atmosphäre das Licht bricht. Sehr schön zeigen diesen beinahe übernatürlichen Effekt die Filme der japanischen Sonde Kaguya von 2007 auf Youtube.

Die Apollo-Astronauten berichteten auch von der seltsamen Erfahrung, zu spüren, dass der Mond kleiner ist als die Erde. Stehe man auf ihm, sei der Horizont näher und weniger weit.

Science-Fiction-Geschichten mit Raumschiffen, selbst «Star Wars», lassen mich eher gleichgültig – abgesehen von «2001. A Space Odyssey» von Stanley Kubrick. Kubrick hatte im Grunde die damals existierenden Pläne der Nasa umgesetzt, zum Beispiel die rotierende Weltraumstation, und dann den irren Teil im psychischen Bereich angesiedelt. Das Tolle an den Apollo-Flügen ist ja, dass sie wirklich stattgefunden haben und uns damit sowohl faszinierten als auch gleichzeitig die Sinnlosigkeit der bemannten oder befrauten Weltraumfahrt ins tiefere All vorführten. Denn der Mond ist verhältnismässig einfach zu erreichen, er ist quasi die vorgelagerte Insel der Erde. Der Flug zum Mars wäre dann im Vergleich ein Flug zu einem anderen Kontinent, dauerte zwischen fünfzehn und sechzehn Monaten; und der Mars ist nicht freundlicher als der Mond. Und retour muss es auch noch reichen. Menschenbesetzte Flüge ausserhalb unseres Sonnensystems sind höchstwahrscheinlich eine sowohl technisch als auch wirtschaftlich unmögliche Sache.

Es ist vielen Menschen nicht im Ansatz bewusst, wie gross nur schon das unmittelbar nahe All ist; selbst AstronomInnen können sich diese Ausdehnung, die sie berechnen können, räumlich nicht vorstellen. Die von uns am weitesten entfernten menschlichen Objekte, die unbemannten US-Sonden Pioneer und Voyager, die in den siebziger Jahren zur Erkundung der Planeten unseres Sonnensystems abgeschossen wurden, haben das Sonnensystem erst vor einigen Jahren verlassen. Voyager 1, 1977 gestartet, flog zuerst zum Jupiter, dann zum Saturn und verliess das Sonnensystem etwa im August 2012. Sie ist zurzeit 145,75 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt, das sind circa 21,8 Milliarden Kilometer. Die Sonde bewegt sich mit 61 000 Kilometern pro Stunde und steht, von der Erde aus betrachtet, im Sternbild Schlangenträger. Nach wie vor besteht ein Funkkontakt zu diesem Objekt. Erst in rund 56 000 (!) Jahren wird Voyager den Einfluss der Schwerkraft der Sonne komplett überwunden haben (3,2 Lichtjahre) und sich wirklich im interstellaren Raum befinden. Astronomisch gesehen ist diese Reise von Voyager rein überhaupt nichts, so wie die Erde und unser Sonnensystem so unbedeutend wie eine einzelne Ameise sind, und unsere Heimatgalaxie, die Milchstrasse mit ihren Milliarden von weiteren Sonnen, ein Ameisenhaufen. Es gibt Milliarden von weiteren solchen Ameisenhaufen im beobachtbaren Universum.

Wem gehört der Himmel?

Die Begeisterung für solche amerikanischen Taten sollte nicht vergessen machen, wie die Mondlandung und die ganze Nasa mit wesentlicher Hilfe des von den USA abgeworbenen deutschen «Raketenvaters» Wernher von Braun und weiteren Wissenschaftlern, die unter Hitler die auf London abgefeuerten A1- und A4-Raketen entwickelt hatten, entstand. Ohne diese Grundsatzarbeit der Leute vom Naziraketenzentrum Peenemünde an der Ostsee wären die Raketen der USA bis hin zur Saturn V nie entstanden. Und Raketen können Raumkapseln, aber auch Atomsprengköpfe tragen, wobei das Zweite für die US-Regierung stets Priorität hatte. Das Apollo-Programm erntete zwar weltweite Bewunderung, war ein Projekt der Jugend (die mehreren Tausend MitarbeiterInnen kamen in grosser Zahl direkt aus dem Studium), inspirierte die Popkultur, war aber auch ein ideales Mittel, um das angeschlagene Bild der USA zu schönen. So wurde auch mal kurzfristig das Programm beschleunigt, um die Kriegsgräuelbilder aus Vietnam propagandistisch positiv kontern zu können.

Dann sind die geschichtsträchtigen Weltraumaktivitäten der Sowjetunion zu erwähnen, der erste Satellit (Sputnik, 1957) und der erste Allflug eines Menschen (Juri Gagarin, 1961). Das russisch-amerikanische Wettrennen zum Mond entstand aus reinen Propagandagründen, und die Wissenschaft oder «der grosse Schritt für die Menschheit» waren nicht der Haupttreiber, wie man später zu sagen pflegte.

Die russische Sonde Lunik 2 schlug 1959 als erster künstlicher Flugkörper auf dem Mond auf. 1970 erkundete der asselartig aussehende Mondrover Lunochod 1 als erstes ferngesteuertes Fahrzeug einen anderen Himmelskörper. Auch bei der Sowjetraumfahrt bietet Youtube Anschauungsunterricht mit lange nicht zugänglichen Archivaufnahmen, etwa vom misslungenen Teststart der gigantischen russischen Mondrakete N1 nur eine Woche vor der Apollo-11-Landung. Das russische Programm für eine bemannte Mondlandung wurde 1972 ergebnislos begraben.

Trotzdem scheint in der Astronautenwelt vieles zu funktionieren, was auf politischer Ebene undenkbar ist. Schon mitten im Kalten Krieg haben Russen und die Nasa gemeinsame Rendez-vous-Aktionen im Erdorbit gemacht (Apollo-Sojus). Seit dem Ende der Space Shuttles 2011 fliegen auch US-AmerikanerInnen mit russischen Sojus-Raketen zur ISS. Deren Besatzungen stammen aus fünfzehn Ländern. Es gibt immer mehr Astronautinnen. Doch der Fahrplan der Nasa sowie der privaten SpaceX (Elon Musk) und Blue Origin (Jeff Bezos) in den Trump-Jahren lässt wieder auf konfrontativere Aktionen schliessen. Der neue Konkurrent ist jetzt China, das 2019 mit Chang’e 4 erstmals eine Sonde auf der Rückseite des Mondes gelandet hat. Der Rohstoffkrieg im All wird wohl erst beginnen. Und die 12 000 Internetsatelliten, die SpaceX in den nächsten Jahren in den Erdorbit schiesst, stören den Blick auf die Sterne; selbst wenn sie nach der endgültigen Platzierung nicht mehr in einer Reihe aufleuchten wie die sechzig ersten, die im Mai am Nachthimmel zu sehen waren. Trump kündigte auch einen neuen «Krieg der Sterne» an. Da kommen wieder grundsätzliche Fragen auf: Wem gehört der Himmel, wem der Mond? Die geplanten künftigen Mondlandungen werden wohl nicht mehr «für die Menschheit» sein. Die Raumfahrt ist etwas für die Vermögenden. Deshalb ist es auch so verlockend, fast schon melancholisch, auf die verhältnismässig harmonische Raumfahrtvergangenheit der Abenteurer der Apollo-Missionen vor fünfzig Jahren zu blicken.

Die wohl tiefgreifendste Erkenntnis von Apollo aber wurde ohnehin auf den Rückflügen vom Mond gewonnen: Die Astronautenfotos der blauen Murmel Erde vor dem Tiefschwarz des Alls zeigten die Verletzlichkeit der Menschheit und waren die Initialzündung für die Umweltbewegungen.

Schauen Sie den Mond am Himmel an. Immer wieder.

Ruedi Widmers Mondtipps

Luna-Satire

In dieser russischen Satire von 1993 auf die untergegangene Sowjetunion wird der angehende Kosmonaut Omon zu einer geheimen lebensgefährlichen Sondermission abberufen, um endlich gegenüber den USA wieder einen Propagandaerfolg zu erzielen. Er soll auf den Mond fliegen und den Lunochod über die Mondoberfläche steuern, um die «Lenin-Rille» zu entdecken. Omon entgegnet, der Lunochod sei doch ein fernsteuerbarer Roboter, der von der Erde aus gesteuert werde. Doch dann folgt die Erkenntnis: Es gibt überhaupt keine sowjetische Raumfahrttechnik. Das Ganze ist ein Potemkinsches Dorf, eine groteske Kulissenschieberei.

Wiktor Pelewin: «Omon hinter dem Mond». Reclam Bibliothek. Leipzig 1994. 152 Seiten. Vergriffen.

Für das Home Space Program

Lego hat schon 2017 einen sehr gelungenen Bausatz der 110 Meter hohen Saturn-V-Rakete der Apollo-Missionen herausgebracht. Erstmals nach fast 35 Jahren habe ich mir selber einen Lego-Baukasten gekauft. Das Modell besteht exakt aus 1969 Teilen, ist einen Meter hoch, hat den Massstab von 1 : 110 und kostet 149 Franken. Die drei Astronauten sind als Minifigürchen im richtigen Massstab enthalten.

Mit dem Modell lässt sich der Ablauf der Mondmission genau nachverfolgen. Das Apollo-Raumschiff auf ihrer Spitze, darunter unter der Verschalung verborgen das LEM, die Mondlandefähre, dann die Stufen 3 und 2 und zuunterst die grösste Stufe 1 mit ihren gewaltigen Triebwerken, alles wie in echt auseinandernehmbar.

Lego: «Saturn V» (Bausatz, 2017, Bauzeit: 5 bis 6 Stunden). 149 Franken.

Atemberaubend

Der US-Schriftsteller Norman Mailer begleitete in den sechziger Jahren für die Zeitschrift «Life» die Apollo-Mission und hatte Zugang zu allen wichtigen Personen und Ereignissen. Anlässlich des 40. Jahrestags 2009 wurden seine Texte zusammen mit grossformatigen Fotos und Plänen aus dem Nasa-Archiv neu herausgebracht. Sicher das beste, tiefschürfendste und spannendste Buch über die Mondlandung.

Norman Mailer: «MoonFire. Die legendäre Reise der Apollo 11». Aus dem Englischen von Anke Burger und Dirk van Gunsteren. Taschen Verlag. Köln 2019 (Neuauflage). 616 Seiten. 20 Franken.

Menschliche Computer

Dieser Film erzählt die Geschichte der drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe), die in den sechziger Jahren am Langley Research Center als «menschliche Computer» Berechnungen für die Nasa-Programme Mercury und Apollo erstellten und dabei als schwarze Frauen gegen fast unüberwindbare männlich-weisse Vorurteile ankämpfen mussten. Selbst als Dorothy zur Managerin aufsteigt, erhält sie nicht mehr Lohn.

«Hidden Figures». Regie: Theodore Melfi. USA 2016. Erhältlich als DVD.

Alte Helden

Der Brite Andrew Smith, 1969 ein Bub im Mondlandefieber, geht in seinem Buch «Moonwalker» der Frage nach, was mit und in den Männern passiert ist, die damals die einmaligen Reisen in die Tiefen des Alls unternahmen. Er beschreibt zudem ausführlich die Stimmung, die dieses gigantische Unternehmen hervorbrachte. Seine inzwischen weisshaarigen Gesprächspartner suchte er in allen Winkeln der USA auf, teilweise auf skurrilen Weltraumjahrmärkten. Fast alle wurden von den Eindrücken ihrer Reise und ihrer plötzlichen Prominenz psychisch herausgefordert. Neil Armstrong zog sich ins Private zurück, Buzz Aldrin (Apollo 11) war, bevor er wieder für die Nasa arbeitete, jahrelang alkohol- und tablettensüchtig, Alan Bean (Apollo 12) wurde Maler und verarbeitete das Erlebnis in immer gleichen Bildern, Edgar Mitchell (Apollo 14) gründete eine Alien-Sekte, James Irvin (Apollo 15) wurde christlicher Prediger.

Andrew Smith: «Moonwalker. Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte». Aus dem Englischen von Kurt Beginnen. S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2009. 496 Seiten. Vergriffen.

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