Nr. 24/2014 vom 12.06.2014

Die Guten im Kosmos

Ruedi Widmer zur Eidgenössischen Kommission für Weltraumfragen

Von Ruedi Widmer

Beim Bund gibt es 93 Kommissionen. Die Antirassismuskommission ist wohl die bekannteste. Aber es gibt zum Beispiel auch die ziemlich unbekannte Eidgenössische Kommission für Weltraumfragen (EKWF). Schweizer im Weltraum (nicht zu verwechseln mit «Schweine im Weltall»), da denkt man an Claude Nicollier, und vielleicht noch an die Medienastronautin Barbara Burtscher, die ihre Weltraumkarriere wegen Bluffs absagen musste.

Die EKWF berät den Bundesrat bei Entscheiden zu Forschungsprojekten oder der Zusammenarbeit der Schweizer Industrie mit Esa und Nasa.

Aber Weltraumfragen gehen weiter. Mein Sohn trägt viele Weltraumfragen mit sich herum. Er sagt übrigens immer «Wältraum» und nicht «Wältruum». Gut möglich, dass da am Himmel für ihn ein Welt-Traum stattfindet, ähnlich wie für den so grossartigen wie unbekannten Musiker Christian Pfluger mit seiner schon über dreissigjährigen Elektronik-Einmannband Die Welttraumforscher. Nachwuchsens Weltraumfragen sind beispielsweise «Ist Gott tot, weil er im Himmel ist?» oder «Warum scheint der Mond auch am Tag?». Er hat aber auch Weltraumantworten: «Zuerst waren Affen, dann gab es einen riesigen Knall, und es wurden Menschen daraus» oder «Die häufigste Farbe auf der Welt ist blau, weil der Himmel das Grösste auf der Welt ist».

So rührend Fragen eines Fünfjährigen sind, so irritierend ist, dass die durchschnittlichen EidgenossInnen nicht viel mehr über den Weltraum wissen. Kaum jemand kann etwas über den Mond sagen, ausser Geschichten über unruhigen Vollmondschlaf. Und die Sterne sind auch im 21. Jahrhundert für viele immer noch esoterisch und nicht physikalisch. Die Grösse des Alls wird massiv unterschätzt, ganz im Gegensatz zur eigenen Wichtigkeit.

Die EKWF könnte für den Nationalrat ein Reisli in eine Erdumlaufbahn organisieren, damit die Männer und Frauen mal auf die Erde herunterblicken können. Sie sähen diese kleine, einsame, blaue Kugel vor dem Tiefschwarz der Unendlichkeit, wie die Apollo-Astronauten damals, und zur Verwunderung der rechten Ratsseite sähe man die Ländergrenzen nicht. Es gibt vom Weltraum aus gesehen auch keine Layers, mit denen sich die Ländergrenzen einblenden liessen wie auf der Erdkugel von Google Earth.

Schliesslich noch einige unbestätigte Informationen: Die EKWF pflegt auch Beziehungen zu den anderen acht Planeten unseres Sonnensystems. Als Pluto von den führenden AstronomInnen aus der Planetenfamilie ausgeschlossen wurde und nun offiziell «Kleinplanet 134 340  (Pluto)» heisst (er ist kein vollwertiger Planet, ähnlich wie der ehemalige halbe Bundesrat Samuel Schmid), da wollte er auf die Erde kommen und uns alle wie Ameisen überrollen (Pluto ist nur ein Drittel so gross wie der Mond, aber immerhin). Nur die geschickte Politik der Guten Dienste der EKWF konnte Pluto beruhigen und die kosmische Katastrophe verhindern.

Die EKWF versucht schon seit Jahren, einen Sonnenbesuch in der Schweiz zu organisieren. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Sonne müssen gepflegt werden, schliesslich befindet sich die Sonnenstube in unserem Kanton Tessin, und es wäre bei uns selber ja auch komisch, wenn wir nie in unserer eigenen Stube sässen.

Ich wünsche mir mehr «Schweizer Weltraumpolitik» (so steht es auf der Website der EKWF), das ist horizonterweiternd und tut allen gut.

Ruedi Widmer hat sich den Blick fürs grosse Ganze bewahrt, weil er sich seit seiner Kindheit mit Weltraumfragen beschäftigt.

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