Nr. 45/2019 vom 07.11.2019

ChauffeurInnen machen Druck

Von Adrian Riklin

Der Bundesrat scheint aus dem Subventionsbetrug bei der Postauto AG nichts gelernt zu haben. Statt die Gewinnvorgaben für Postauto zu streichen, lockerte er die Gewinnregeln – auch für private Firmen (vgl. WOZ Nr. 49/2018). Wohin das führen kann, zeigt sich im Kanton Jura, wo sich noch bis zum 28. November in- und ausländische Transportunternehmen für die Buslinien bewerben können.

Als Grenzkanton ist der Jura besonders prädestiniert, ausländische Transportfirmen anzuziehen, die mit Tieflöhnen auf den Markt drängen. Den BusfahrerInnen drohen somit tiefere Löhne – der Kanton verweist nämlich in seiner Ausschreibung auf einen vom Bundesamt für Verkehr festgelegten Mindestlohn, der 25 Prozent unter den bisherigen Löhnen liegt. Die Fahrzeuge sind dem Kanton offenbar schützenswerter als die Menschen, die sie steuern: Gemäss Ausschreibung können neue Linienbetreiber gezwungen werden, die bisherigen Busse zu übernehmen – nicht aber die Arbeitsbedingungen.

Die ChauffeurInnen wollen den Druck auf den Kanton vergrössern. Unterstützung erhalten sie nun von allen in der Gewerkschaft Syndicom organisierten Postangestellten. Zuvor schon hatten die ChauffeurInnen von der Regierung gefordert, Kriterien zum Schutz der Arbeitsbedingungen und Löhne in den Ausschreibungen verbindlich festzuhalten. Doch trotz einer Petition mit 4000 Unterschriften und einer vom Parlament überwiesenen Motion hat diese darauf verzichtet.

Korrigendum vom 11. November 2019: In der Printversion sowie in der alten Onlineversion erweckte die Spitzmarke («Lohndumping bei Postauto») den Eindruck, es sei bei der Postauto AG bereits zu einem Lohndumping gekommen. Ein solches droht allerdings erst durch die Ausschreibung des Kantons Jura. Wir bitten um Entschuldigung.

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