Nr. 07/2020 vom 13.02.2020

Am Stadtrand gestrandet

Eine fatale Mischung aus höheren Temperaturen, schneereicheren Wintern und Überweidung zwingt immer mehr mongolische NomadInnen, in die Hauptstadt Ulan-Bator zu flüchten. Der Bergbau hingegen expandiert.

Von Simone Tramonte (Text und Fotos)

Umweltflüchtlinge im eigenen Land

In den letzten siebzig Jahren hat die Durchschnittstemperatur in der Mongolei um 2,1 Grad zugenommen – nur in wenigen Regionen der Welt war der Anstieg so stark. Die Folgen der Erwärmung, die Umweltverschmutzung der Bergbauindustrie und die Übernutzung des Weidelands haben viele HirtInnen dazu gezwungen, ihre traditionelle nomadische Lebensweise aufzugeben und in die Hauptstadt Ulan-Bator zu ziehen. Damit verliert die Mongolei einige ihrer bemerkenswertesten kulturellen Traditionen. Die Bevölkerung der mongolischen Hauptstadt hat sich in zwanzig Jahren auf rund 1,4 Millionen verdoppelt. In der Stadt haben sich die HirtInnen in sogenannten Jurtendistrikten niedergelassen. Dort leben etwa 800 000 Menschen ohne Strom, Heizung, fliessendes Wasser und Abwasserleitungen.

Die ehemaligen NomadInnen von Ulan-Bator sind Umweltflüchtlinge im eigenen Land. Wie viele Menschen werden wie sie in den nächsten Jahrzehnten wegen immer prekärerer Umweltbedingungen ihre Regionen verlassen müssen? Schätzungen gehen weit auseinander. Laut der Uno könnten bis 2050 eine Milliarde Menschen betroffen sein.

Simone Tramonte ist Fotograf und lebt in Rom.

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