Nr. 07/2020 vom 13.02.2020

Ringier ist jetzt auch eine Versicherung

Die Mobiliar beteiligt sich am Medienkonzern Ringier. Inwieweit die Versicherung auch auf die Berichterstattung Einfluss nimmt, wird bald zu lesen und zu sehen sein.

Von Nick Lüthi

In den letzten zwei Jahren machte der «Beobachter» zwei Fälle publik, bei denen die Mobiliar schlecht wegkommt. Beide Male geht es um überzogene Überwachungsaktivitäten der Versicherungsgesellschaft. Der eine Text trägt den Titel «Das sind Stasi-Methoden», der andere «Die falsche Frau überwacht». Beides sind keine Ruhmesblätter für die Mobiliar, die sich in ihrer witzigen Werbung («Liebe Mobiliar …») gerne kundennah gibt. Dass der «Beobachter» auch in Zukunft die Aktivitäten der Versicherung kritisch im Auge behält und über allfällige Verfehlungen berichtet, liegt im Selbstverständnis der Redaktion. Die Kritik an der Mobiliar wird aber in Zukunft den eigenen Verlag treffen. Denn das zweitgrösste Versicherungsunternehmen der Schweiz beteiligt sich mit 25 Prozent am Verlagshaus Ringier, das auch den «Beobachter» herausgibt.

Beide Seiten versichern, dass es beim Deal nicht um die journalistische Berichterstattung ging. Dass die neue Eigentümerstruktur die Unabhängigkeit der Ringier-Titel nicht beeinträchtige, sei «so selbstverständlich, dass es in unseren Verhandlungen nicht mal ein Thema war», sagte Ringier-CEO Marc Walder dem Branchenportal «Persönlich». Ob das stimmt, wird sich ziemlich einfach an der künftigen Berichterstattung der Ringier-Medien zur Mobiliar überprüfen lassen.

Erst verlobt, jetzt verheiratet

Dass die beiden Unternehmen zueinander fanden, ist kein Zufall. Vor vier Jahren übernahm die Mobiliar bereits fünfzig Prozent der Scout24-Gruppe. Die Ringier-Tochter betreibt Onlinemarktplätze für Autos, Immobilien und Finanzprodukte. Das war quasi die Verlobung. Zur Hochzeit über die Branchengrenzen hinweg kam es nun, weil Ringier Geld braucht und die Mobiliar digitales Know-how für das Versicherungsgeschäft sucht. Für die Beteiligung soll die Mobiliar gemäss der «SonntagsZeitung» zwischen 350 und 450 Millionen Franken zahlen – Geld, das Ringier für weitere Akquisitionen im Digitalbereich braucht. Denn die Transformation vom klassischen Medienhaus zum Digitalkonzern ist kapitalintensiv. Mehr als zwei Milliarden Franken hat sich Ringier seine Verwandlung bisher kosten lassen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, da das Geschäft mit digitalen Plattformen stets dem Risiko ausgesetzt ist, dass irgendwo ein findiger Konkurrent auftaucht, der Ringier den Rang abläuft.

Mit einer solchen Disruption muss immer rechnen, wer sich in der Plattformökonomie bewegt. Stabilität, wie sie einst das Geschäft mit Zeitungen und Zeitschriften bot, gibt es heute nicht mehr. Nur wenn sich der Nutzwert der Plattform erhöht, wandert Kundschaft nicht zur Konkurrenz ab. Als Versicherungsgesellschaft bringt die Mobiliar einen Zusatznutzen, der ideal zu den Onlinemarktplätzen von Ringier passt. Wer ein Fahrzeug oder ein Haus kauft, will oder muss seinen neuen Besitz versichern lassen. Das lässt sich nun «aus einer Hand» anbieten, wovon beide Firmen profitieren.

Auch wenn sich der Schwerpunkt von Ringier deutlich vom Verlagsgeschäft entfernt hat, heisst das nicht, dass die Medien vernachlässigt oder gar abgewickelt würden. Mit Blick TV steht ein Grossprojekt in den Startlöchern, in das Ringier viel Geld investiert. Ein genauer Betrag ist nicht bekannt, aber es darf von einer zweistelligen Millionensumme ausgegangen werden. Noch in diesem Frühjahr soll das Onlinefernsehen auf Sendung gehen. Von morgens um sechs bis abends um elf gibt es jeweils zur vollen Stunde ein viertelstündiges Newsprogramm. Geschaut werden soll Blick TV auf dem Smartphone. Für das Projekt, dem Ringier-Chef Walder drei Jahre Zeit gibt, um schwarze Zahlen zu schreiben, wurden 48 neue Stellen geschaffen, an der Spitze steht der ehemalige SRF-«Arena»-Moderator Jonas Projer.

«Liebe Mobiliar …» auf Blick TV?

Dass die Mobiliar als neuer Teilhaber von Ringier auf Blick TV mit Werbung präsent sein wird, liegt nahe. Es stimmt eben doch nicht ganz, dass sich die Versicherung nicht für das Mediengeschäft interessiert, denn auch mit Fernsehsponsoring kennt sich die Mobiliar gut aus. Seit 2016 unterstützt die Versicherung die Liveübertragung von Spitzenspielen der vier Hallensportarten Basketball, Handball, Unihockey und Volleyball auf den Kanälen der SRG. Der entsprechende Vertrag läuft noch bis 2023. Eigentlich müsste auch Blick TV Sportübertragungen zeigen, um die siebzehn Stunden pro Tag mit Programm zu füllen. Wer weiss, ob die Mobiliar darauf hinwirken wird, dass künftig nicht nur die SRG, sondern auch der «eigene» Sender die Spiele der Hallensportarten zeigen kann.

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