Nr. 09/2020 vom 27.02.2020

Paraben, du elender Giftmischer!

Von Franziska MeisterMail an Autor:in

Nachdem wir letztes Mal an dieser Stelle den Geltungsdrang gewisser WissenschaftlerInnen geisselten, soll nun eine Lanze gebrochen werden für all die engagierten ForscherInnen, die mit detektivischem Spürsinn und kooperativem Experimentiergeist die Ursachen gesellschaftlich relevanter Probleme aufdecken. Übergewicht zum Beispiel. So beobachteten WissenschaftlerInnen am deutschen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Rahmen ihrer Mutter-Kind-Langzeitstudie «Lina», dass insbesondere Mädchen dick wurden, deren Mütter während Schwangerschaft und Stillzeit erhöhte Konzentrationen gewisser Parabene im Urin aufwiesen. Parabene werden von der Kosmetik- wie auch der Lebensmittelindustrie als Konservierungsmittel verwendet.

Nachdem die Lina-Fragebögen systematisch gescannt waren, rückten parabenhaltige Körperlotionen in den Verdacht. Bloss: Wie bewirkten die potenziellen Übeltäter all die überschüssigen Fetteinlagerungen? Gemeinsam mit Forschenden verschiedener Unis nahm das Lina-Team als Erstes Fettzellen unter die Lupe. Doch die Zellkulturen im Labor reagierten nicht auf erhöhte Zugaben von Paraben. Mussten also mal wieder die Labortiere herhalten. Schwangere Mäuse erhielten über die Haut Paraben verabreicht. Prompt entwickelte ihr Nachwuchs regelrechten Heisshunger und frass sich fett. Aber woher kam diese Fresssucht?

Genetische Untersuchungen führten die Forschenden auf die Spur eines Gens, das im Gehirn das Hungergefühl reguliert und bei den jungen Mäusen praktisch ausgeschaltet war – eine epigenetische Veränderung, für die eindeutig das Paraben verantwortlich war. Täter überführt. Blöd nur, dass er (respektive die Kosmetikindustrie) so potente AnwältInnen hat. Sie dürften dafür sorgen, dass Parabene nicht so rasch verschwinden.

Da bleibt den Forschenden nur die Warnung an alle Schwangeren und Stillenden: «unbedingt auf parabenfreie Produkte zurückgreifen»!

Parabene seien «sichere und verträgliche Konservierungsstoffe», schreibt die Kosmetikmarke Nivea auf ihrer Website. «Sind Parabene gefährlich? Die Antwort ist ein klares Nein

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