Nr. 27/2020 vom 02.07.2020

Schweben mit Thundercat

Von Valerio Meuli

Ein Bass, der sich richtig aufdrängt, ins Zentrum prescht. Im einminütigen Song «How Sway» zeigt der Bassist und Sänger Thundercat vor allem eins: Er kann spielen, und das auf höchstem Niveau. Doch «It Is What It Is» besteht nicht nur aus solchen musikalischen Prahlereien. Das Album lässt einen durch verschiedene Gefühlszustände schweben – und gibt einem nie wirklich eine Antwort auf die Frage, ob dieses Schweben je ein Ende haben wird. Es ist ein Album des Ungewissen. Passend singt Thundercat im ersten Song: «Hi, hello / is anybody there? … It feels so cold and so alone».

Ein düsterer Beginn, doch dabei bleibt es nicht, wenig später heisst es: «Go and start the show». Wie einige Songs auf dem Album beginnt auch «Innerstellar Love» mit einer nebligen Einleitung, mit sphärischen Synthies. Nach einer Weile verziehen sich die Nebelschwaden und ein typischer Thundercat-Basslauf ist zu hören – breiter und weicher Sound, und dennoch unglaublich schnell gespielt. Dazu setzen blecherne Drums und Thundercats Gesang ein. So entsteht ein Klangteppich, bei dem der Bass nicht nur rhythmisch, sondern auch melodisch eine dominante Rolle einnimmt und der Gesang beinahe zur Begleitung wird.

Nicht nur diese melodiöse Verwendung des Basses macht das Album spannend, es ist auch die Art, wie die Songs aufgebaut sind. «Unrequited Love» etwa beginnt mit einem jazzigen Basssolo, das wie aus dem Nichts erklingt, ziemlich schnell wieder absetzt und einem langsamen, deftigen Beat weicht, der auf einen Schlag endet – nur um wieder einer Mischung aus Synthies und Bassversatzstücken Platz zu machen. Thundercats Virtuosität spiegelt sich nicht nur in seinem Spiel, sondern auch in seiner Fähigkeit als Arrangeur und Produzent. «It Is What It Is» ist eine endlose Geschichte, jeder Song reagiert auf den vorherigen. Und dennoch ist das Album nicht verkopft, was auch an den unterschiedlichen Gästen liegt, vom Saxofonisten Kamasi Washington über den Funkmusiker Steve Arrington bis zum Rapper Lil B.

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