Nr. 32/2020 vom 06.08.2020

Bei der Sicherheit gespart

Von Susan Boos

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben diese Woche ihren ersten Atomreaktor in Betrieb genommen: im AKW Barakah, das direkt am Persischen Golf liegt. Drei weitere Einheiten befinden sich dort im Bau, nochmals vier sind geplant. Damit wäre es das grösste AKW der Welt, mit einer Leistung von 11 000 Megawatt, was elf AKW Gösgen entspräche.

Das AKW Barakah wird vom Unternehmen Kepco gebaut, das dem südkoreanischen Staat gehört. Dessen Regierung hat vor drei Jahren den Atomausstieg beschlossen, lässt jedoch weiterhin Reaktoren exportieren.

In Medienberichten wurde moniert, der Barakah-Reaktor weise diverse Sicherheitsmängel auf. Die NZZ etwa schrieb, die Anlage verfüge über kein Containment. Ganz korrekt ist das so zwar nicht: Das Containment ist die Schutzhülle um den Reaktor, die verhindern soll, dass im Störfall radioaktives Material austreten kann – und auch dafür sorgt, dass der Reaktor von aussen geschützt ist. Die Reaktorblöcke von Barakah haben ein Containment, allerdings nur ein einfaches. Selbst die Altanlagen der Schweiz wurden bereits beim Bau in den sechziger Jahren aus Sicherheitsgründen mit einem doppelten Containment ausgestattet.

Die Anlage in Barakah verfügt zudem nur über zwei geschützte Notstromgeneratoren, obwohl die Sicherheitssysteme für die Notkühlung vierfach vorhanden sind. Sinnvollerweise hätte man deshalb vier geschützte Notstromgeneratoren installiert. Im Katastrophenfall können die Notstromgeneratoren existenziell sein, um die Kühlung des Reaktorkerns aufrechtzuerhalten. Was passiert, wenn sie nicht funktionieren, hat man 2011 in Fukushima gesehen. Die Notstromgeneratoren waren falsch positioniert und standen nach dem Tsunami im Wasser. Die drei Reaktoren konnten nicht mehr gekühlt werden und schmolzen durch.

Kepco bietet dasselbe Reaktormodell, das sie in Barakah baut, auch auf dem EU-Markt an – jedoch mit einem doppelten Containment und vier geschützten Notstromgeneratoren, wie aus den Kepco-eigenen Dokumenten hervorgeht. Die Emirate haben also offenbar entschieden, bei der Sicherheit zu sparen. Unabhängig von der technischen Kritik: In einem politisch so instabilen Umfeld, wie es die Vereinigten Arabischen Emirate umgibt, wäre es wohl klüger gewesen, auf Sonnenenergie zu setzen, anstatt eine Flotte von Atomreaktoren hinzustellen.

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