LeserInnenbriefe

Nr. 2 –

Nicht so einfach

«Die Schweiz der Zukunft: Gründet die Kantone neu!», WOZ Nr. 1/2021

Vielen Dank für den interessanten Artikel zu den Neugründungen der Kantone. Allerdings waren die Diskussionen dazu in den letzten Jahren nicht in der ganzen Schweiz nur rein akademischer Natur. Im Jahr 2002 wurde in den Kantonen Waadt und Genf ganz konkret über eine Fusion der beiden Kantone abgestimmt. Nicht überraschend war dann das Resultat aber sehr deutlich, mit 80 Prozent Nein in Genf und 77 Prozent Nein in der Waadt.

Neben den zu erwartenden regionalpolitischen und -kulturellen Gründen wurde dabei als Gegenargument auch die Befürchtung geäussert, dass die Romandie auf Bundesebene zwei Stimmen im Ständerat und so an Gewicht verlieren könnte. Was aufzeigt, dass sich eine Fusion zwischen Kantonen, auch wenn gemeinsamer Wille vorhanden wäre, sogar in begrenztem Rahmen nicht so einfach bewerkstelligen lässt.

Sacha Stadelmann, Lausanne

Corona, Corona, Corona

Diverse Artikel und LeserInnenbriefe zur Pandemie

Wir wollten euch nur mal wieder sagen, dass wir eure Zeitung sehr mögen. Dies auch, um euch auf eurer Linie der kritischen Berichterstattung über die Coronakrise zu bestärken. Gerade angesichts der zahlreichen Leserbriefe von «Coronaskeptikern» und «Impfskeptikern» wollen wir euch hier auch ein positives Zeichen senden. Also, weiter so und herzlichen Dank für eure hervorragende Arbeit!

Isabelle Schmied, Lukas Gloor, per E-Mail

Die WOZ leistet hervorragenden Recherchejournalismus, in der Regel sehr ausgewogen. Informativ die Berichte über die Dritte Welt; über die Schweiz (Bundesrat bei Covid-19 im Sold der Finanzwirtschaft und der grossen internationalen Firmen et cetera) könnte noch etwas pointierter berichtet werden.

Wieso hat die Schweiz als Land mit dem besten Gesundheitsdienst fast dreimal so viel Covid-19-Infizierte und -Todesfälle wie das benachbarte Deutschland? Hier hat der Bundesrat mit seinen zögerlichen Massnahmen seine Verantwortung für die Volksgesundheit nicht wahrgenommen. Im Spital habe ich mich im November leider mit Covid-19 angesteckt, zum Glück mit einem milden Verlauf. Jetzt bin ich immer noch ziemlich müde und habe wenig Energie, um anspruchsvolle Zeitungen wie die WOZ zu lesen.

Gerhild Hagen, Zürich

Mobile Menschen – mobile Viren. Je vernetzter die Metropolen unserer Welt sind, desto ungemütlicher wird es bei uns zu Hause. Krankheitserreger gelangen in Windeseile von Lagos über Peking nach Frankfurt am Main et cetera. Ich möchte daran erinnern, dass vor einem Jahr eine «mobile Alphütte» neben dem Grossmünster in Zürich gestanden ist. Die Hüttenromantik ist ausgeträumt.

Lorenz Wüest, Pfäfers

Zuerst einmal ein grosses Danke für eure Arbeit, ich freue mich jeden Donnerstag auf euer Werk! Hier eine Anregung zu einem allfälligen Artikel, und zwar betrifft es die Spätfolgen von Impfungen: Für mich ist es ziemlich klar, dass die Covid-19-Impfung für Risikopersonen eine sehr gute Option ist, da die kurzfristigen Nebenwirkungen nicht schlimm zu sein scheinen und die Vorteile der Impfung wohl allfällige Nachteile klar überwiegen.

Bei jungen, gesunden Personen stellt sich für mich die Frage nach allfälligen Langzeitschäden, da Impfstudien normalerweise über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Könntet ihr einmal etwas zu diesem Thema schreiben? Und beispielsweise die folgenden Fragen beantworten: Wie lange werden die Teilnehmenden von Impfstudien normalerweise beobachtet, bevor eine Impfung zugelassen wird? Wie häufig sind in der Vergangenheit Spätfolgen einer Impfung aufgetreten (zum Beispiel mehr als ein Jahr nach der Impfung)? Wie viel Prozent der Geimpften waren davon betroffen? Wie war es beispielsweise mit den Narkolepsiefällen nach der Schweinegrippe, wie spät nach der Impfung traten diese auf und bei wie vielen Personen? Es geht für mich darum, abzuschätzen, wie hoch ein solches Risiko von allfälligen Spätfolgen ist. Ich vermute, dass es ziemlich klein sein wird.

Lea Tanner, per E-Mail

Rückgrat beweisen

«NGOs unter Druck: Wer vom Reichtum nicht reden will …», WOZ Nr. 52/2020

Danke für die breite Einbettung der Kontroverse um die NGOs und die Entwicklungszusammenarbeit. Das Abwürgen der Finanzbasis des ungeliebten Gegners ist ein typisches Mittel der Finanzkräftigen und ihrer Vertreterinnen im politischen Gefüge, wie dies etwa der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser oder die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter exemplarisch vorführen. Dass der freisinnige Bundesrat Ignazio Cassis sofort dazu Hand bietet, zeigt nur die Interessenbindungen und versteht sich inzwischen leider schon fast von selbst …

In der Entwicklungszusammenarbeit engagieren sich einerseits die zivilgesellschaftlichen Organisationen und andererseits auch staatliche Institutionen, allen voran die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit auf Bundesebene. Sie tun dies mit verschiedenen Schwerpunkten, Methoden und Mitteln, aber mit den gleichen Oberzielen. Bisher bestand Übereinstimmung im Wesentlichen bei den grundlegenden Werten wie Armutsbekämpfung, Bildung, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und so weiter. So war und ist es möglich, dass der Staat steuerliche Mittel in direkter Zusammenarbeit mit den privaten Organisationen einsetzt.

Staatliche Beiträge sind nun mal öffentliche Gelder, und zu diesen hat die Politik etwas zu sagen. Sie muss sich dabei aber an die demokratischen und staatsrechtlichen Grundsätze halten. Zu achten ist auch darauf, dass die klassischen Arbeitsteilungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft nicht verwischt werden. Wenn nun von gewissen PolitikerInnen und sogar vom zuständigen Bundesrat ein über Jahrzehnte entwickeltes und auch international akzeptiertes Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit einfach so abgeklemmt werden soll, dann haben diese Kreise den Charakter von Zivilgesellschaft nicht verstanden oder sie massen sich an, diese Realität interventionistisch zu verändern.

Nicht zu vergessen: Die Entwicklungsorganisationen arbeiten auch im Sinne eines Volksauftrags, denn sie erhalten Spenden, finanzielle Beiträge, Ideen, Engagement und oft auch freiwillige Arbeitsleistungen aus der Bevölkerung. Die schweizerischen NGOs können zuversichtlich sein, dass sie in ihrem gesamten breiten Engagement von der Zivilgesellschaft verstanden und gestützt werden, und das dürfte – wie eben der kräftige Einsatz für die Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) zeigt – in Zukunft noch vermehrt der Fall sein, etwa bei wirtschaftspolitischen Themen, bei Fragen des Klimaschutzes und der Umweltpolitik.

Aus der breiten Bevölkerung kommt die wirkliche Kraft der NGOs, wie das Beispiel der Kovi-Abstimmung wieder eindrücklich demonstriert hat. Darum lohnt es sich, Rückgrat zu beweisen und nicht einzuknicken – die Zivilgesellschaft wird es den NGOs hoch anrechnen!

Göpf Berweger, Biel