Nr. 23/2021 vom 10.06.2021

Sport zahlt sich aus!

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Wer bisher an der Gemeindeversammlung vergeblich für eine Sportanlage mit zumindest einem ordentlichen Fussballplatz weibelte, kann der knausrigen Exekutive jetzt mit einer Studie Beine machen: Zeigt sie sich grosszügig und klotzt eine ordentliche Sportstätte für die Lokalbevölkerung hin, steigen die Haushaltseinkommen mittelfristig um fast sechs Prozent – und das wiederum spült Steuergelder in die Gemeindekasse. Die Datenbasis jedenfalls ist grundsolide und umfasst zwölf Jahre: In über 12 000 Gemeinden in Deutschland sammelten Wirtschafts- und SportwissenschaftlerInnen die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für lokale Sporteinrichtungen und verglichen diese mit einem riesigen Datenbestand aus Privathaushalten, die jährlich zu soziologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Themen befragt werden.

Es sei sehr aufwendig gewesen, aus all diesen Daten tatsächlich einen kausalen Zusammenhang herzustellen, so der Studienleiter aus Tübingen. Am Schluss jedoch stand klar und deutlich fest, dass die Haushaltseinkommen tatsächlich aufgrund der grosszügigen kommunalen Förderung von Sportanlagen stiegen. Denn wer dort vermehrt Sport betreibe, fördere nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch sein «soziales Wohlbefinden», was wiederum den beruflichen Erfolg steigere.

Bloss galt das nur für Männer. Sie waren praktisch ausschliesslich für die höheren Haushaltseinkommen verantwortlich. «Wir gehen davon aus, dass die Männer stärker von den örtlichen Sportanlagen profitierten, weil Frauen dieser Altersklasse allgemein weniger Sport treiben und entsprechend auch öffentliche Sportstätten seltener nutzen», so der Studienleiter. Voll logisch: Wer weiblich und zwischen 20 und 52 Jahre alt ist, ist voll mit Haushalts- und Reproduktionspflichten ausgelastet. Nix Wellness und Mannschaftssport mit anschliessender Bierrunde.

Deshalb heraus zum 14. Juni – am besten mit einer Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Care-Arbeit in der Hand!

Und danach: Sportanlagen besetzen, Kampfsport, Frauenfussball und Rundlauf am Pingpongtisch.

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