Leser:innenbriefe :

Nr.  47 –

Digitalisierung vermeidbar?

WOZ-Beilage zur «Nachhaltigen Digitalisierung», beigelegt der WOZ Nr. 44/2021

Zuerst möchte ich mich bei euch für die Broschüre zur nachhaltigen Digitalisierung bedanken. Ich bin froh, gibt es Menschen, die dieses Thema ernst nehmen und diese wichtige Arbeit leisten. Was mich aber bei der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung immer wieder erstaunt, ist, dass in der Gesellschaft offenbar ein Konsens darüber zu bestehen scheint, dass die fortschreitende Digitalisierung unseres Lebens gut, nötig und vor allem unvermeidbar sei. Ich erlaube mir, dies infrage zu stellen.

Bringt die Digitalisierung so viel Positives mit sich, oder machen einfach alle mit, weil es alle andern auch tun? Gibt es nicht auch bei dieser Entwicklung eine Grenze, wo das vernünftige Wachstum erreicht ist? Wo die Weiterentwicklung (der «Fortschritt»?) weder effizient noch ökologisch noch ökonomisch ist und nicht der Gesundheit oder dem Wohlbefinden von Individuum oder Gemeinschaft dient?

Im Alltag erlebe ich schon heute ab und zu, dass einfachste Dinge nicht mehr funktionieren, weil sie digitalisiert sind und seit sie digitalisiert sind. Ist das Fortschritt, oder ist das nur absurd?

Ich wünsche mir nicht nur eine Debatte darüber, welche Digitalisierung nachhaltig ist, sondern auch eine darüber, in welchen Bereichen sie überhaupt nötig oder sinnvoll ist.

Rahel Walther, Winterthur

Mehr als 30 Jahre

«Hausmitteilungen: Widerständige Frequenzen mit LoRa», WOZ Nr. 46/2021

Ich selber gestaltete meine erste LoRa-Sendung am 13. November 1983. Im WOZ-Artikel steht, dass LoRa vor 30 Jahren zum ersten Mal sendete, und dies ohne Bewilligung … So war das nicht!

Ursina Unholz, per E-Mail

Richter im Losverfahren

«Losverfahren: Die Heilkraft des Zufalls», WOZ Nr. 46/2021

Wenn ich die Abstimmungspropaganda für die Justizinitiative überschaue, so stelle ich fest: kaum Nein-Propaganda der politischen Parteien. Dabei wird doch gerade ihnen vorgeworfen, sie würden vom aktuellen System profitieren, vor allem finanziell.

Aber viele Ja-Flyer und -anzeigen, sodass man sich fragen muss: Cui bono? Was versprechen sich die Initiant:innen von einer Richter(:innen?)-Ernennung im Losverfahren?

Unbestritten ist der Zufall eines Losentscheids unbestechlich, weder durch Lobby noch Geld zu beeinflussen. Die Manipulation beginnt früher: Wer kommt in den Lostopf? Da werden sich die Initiant:innen aus Unternehmertum und Finanzbranche sehr wohl einmischen. Man stellt eine Juristin / einen Anwalt im Betrieb an, baut sie/ihn auf, füttert sie/ihn gut, um sie/ihn dann wohlgemästet für den Lostopf vorzuschlagen. Der eine oder die andere wird dort drin Platz finden, denn die Lobby wird in der «Findungskommission» sein.

Der Zufall wird unbestechlich eine Person benennen: parteilos zwar, aber interessengebunden. Wenn Richter:innen durch ein Losverfahren bestimmt werden (gewählt kann man dem nicht sagen), öffnet das Lobbyist:innen Tür und Tor. Die Kür gilt über das Pensionsalter hinaus. Willkommen im Salon der alten, weissen Männer. Eine Wahl durch das Parlament ist transparenter.

Hans-Peter Fürst, Zürich