Leser:innenbriefe :

Nr.  28 –

Erbärmlich

«Radio magnifique», WOZ Nr. 26/2022

Liebe Annette Hug, wie schreiben Sie mir mit Ihrer Kolumne über die Literatursendung auf DRS 2 aus dem Herzen! Diese Sendung ist einfach nur erbärmlich. Es grüsst und dankt

Inez Züst-Gericke, 8006 Zürich

Erstaunlich

«Care-Arbeit: Erst ein kleiner Anfang», WOZ Nr. 26/2022

Mit grossem Interesse habe ich den Artikel zur Care-Arbeit von Angehörigen gelesen. Irgendwie traurig, dass die Schweiz in solchen Fragen verglichen mit anderen Ländern derart hinterherhinkt. Ich selber pflege meine Partnerin und denke auch, dass dringend ein Gesetz auf die Beine gestellt werden sollte bezüglich der Entlöhnung für pflegende Angehörige.

Was mich jedoch etwas erstaunt, ist, dass im Text mit keinem Wort die Einrichtung der Assistenzbeiträge erwähnt wird, die von der AHV/IV bei Erfüllung der entsprechenden Anforderungen ausgerichtet werden. Wir zum Beispiel nehmen diese Beiträge in Anspruch, und ich finde das eine sehr gute Einrichtung für Hilfsbedürftige, die eine Hilflosenentschädigung beziehen (worauf diese ja ein Recht haben, wenn sie auf Hilfe angewiesen sind). Da bei diesen Assistenzbeiträgen die Verwandten und auch Eheleute als Helfende bislang explizit ausgeschlossen sind, bräuchte es eigentlich «nur» eine Ausweitung dieser Einrichtung auf sorgende und pflegende Angehörige. Bei den Assistenzbeiträgen werden ja vorgängig der monatliche Beitrag respektive die abgedeckten Stunden festgelegt.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass da jetzt wieder Neues aufgegleist wird, obwohl etwas Bewährtes schon gut funktioniert. Ich denke, dass es sehr viele Leute – inklusive Politiker:innen – gibt, die von diesen Assistenzbeiträgen zur Pflege und Betreuung von hilfsbedürftigen Angehörigen noch nie gehört haben. Angesichts des grossen Rückstands in diesem Bereich (und insbesondere auch angesichts der damit verbundenen Armutsfalle) ist es erstaunlich, wie die Politik diesen Bedarf nicht sieht.

Max Brüllhardt, per E-Mail

Haarsträubend

«Der Linke schlägt den Scharlatan», WOZ Nr. 25/2022

Ich war beim Lesen dieses Textes ziemlich enttäuscht. So viele Zeilen zu diesen beiden Männern Gustavo Petro und Rodolfo Hernández, ohne in einem einzigen Satz zu erwähnen, dass die Umweltaktivistin Francia Márquez als erste Schwarze Vizepräsidentin in Kolumbien gewählt wurde.

Das ist aus meiner Sicht ein grosses historisches Ereignis, worüber berichtet werden muss, wenn über die Wahlen in Kolumbien berichtet wird. Als ich in anderen Zeitungen davon gelesen habe, hat das in mir Mut und Freude ausgelöst, gefolgt von Hoffnung. Bei all diesen Grausamkeiten, die in der Welt gerade ablaufen.

Es irritiert mich, dass die WOZ über einen Wahlkampf zweier Männer auf der Titelseite berichtet, ohne die Wahl der ersten afrokolumbianischen Vizepräsidentin zu erwähnen. Ehrlich gesagt finde ich das haarsträubend. Sie hätte einen ganzen Artikel verdient! Dieses Ereignis schreibt doch Geschichte! Ich habe gehofft, dass es vielleicht in der nächsten Ausgabe noch eine Berichterstattung dazu geben würde, habe abgewartet – leider gar nichts. Mir scheinen der Fokus und die Relevanz der Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl in Kolumbien definitiv verfehlt. – Auf weitere differenzierte Berichterstattung!

Anna Bouwmeester, per E-Mail