Ein Leben im Widerstand : «Die Menschen haben keine Angst»

Nr.  47 –

Henri Simon – einst Mitglied der Gruppe Socialisme ou Barbarie – ist eine prägende Figur der radikalen Linken in Frankreich. Die WOZ hat ihn kurz vor seinem 100. Geburtstag besucht. Ein Gespräch über die Selbstorganisation der Arbeiter:innen und hoffnungsvolle Kämpfe der Gegenwart.

Henri Simon in seiner Wohnung in Paris
«Es ist unmöglich geworden zu betrügen. Marx konnte das nicht vorhersehen. Entsprechend sind auch die Mittel des Widerstands heute andere»: Henri Simon in seiner Wohnung in Paris.

Henri Simon ist hochgewachsen, wie ein Baum steht er in seinem Appartement im 11. Arrondissement. Die Wohnung im Pariser Osten ist eigentlich viel zu klein, um ein Leben wie seins zu beherbergen. Ein Schlaf- und ein Arbeitszimmer, bis an die Decke vollgestopft mit Büchern, Zeitschriften und Flugblättern aus vielen vergangenen Dekaden, fein säuberlich nach Stichwörtern und Themen sortiert. In einem Regal glänzen die metallischen Cover einer Zeitschriftenreihe der Situationistischen Internationalen, einer Gruppe Intellektueller aus den sechziger Jahren. An einem grossen Tisch in der Mitte des Raumes, ebenfalls voller Blätter und Notizen, empfängt Simon, der dieser Tage seinen 100. Geburtstag feiert, an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen im September zum ausführlichen Gespräch.


WOZ: Henri Simon, bald werden Sie hundert. Gehen wir zuerst einmal an den Anfang Ihres langen Lebens: Sie sind in Rozay-en-Brie in der Nähe von Paris aufgewachsen. Was hat Sie politisiert?

Henri Simon: Wegen einer Tuberkuloseerkrankung musste ich in meiner Jugend mehr als sechs Monate in einem Sanatorium in den Alpen verbringen. Das war Anfang der vierziger Jahre, mitten im Krieg – und eigentlich hatte ich grosses Glück: Damals schickte das Vichy-Regime junge Leute zum «Pflichtarbeitsdienst» nach Deutschland. Drei Mal musste ich für Untersuchungen vor deutschen Militärärzten erscheinen. Sie misstrauten dem Zertifikat, das meinen Gesundheitszustand bescheinigte. Doch schliesslich konnte ich der Zwangsarbeit entfliehen. Gleichzeitig war ich schon mehr oder weniger geheilt, die Zeit im Sanatorium war also mehr Urlaub als irgendetwas anderes. Ich nutzte sie, um im Wald herumzustreifen und an den Hängen Blumen zu pflücken. Im Sanatorium traf ich auch einen Mann, der in einer grossen Bäckerei gearbeitet und dort Streiks organisiert hatte. Er hatte also einen politischen Hintergrund, und wir haben viel diskutiert. Er hat mir eine ganze Menge erklärt.

«Den Sinn für Gerechtigkeit habe ich von meiner Mutter geerbt.»

War Politik auch bei Ihnen zu Hause ein Thema?

Meine Mutter hat mich stark beeinflusst. Mitte der dreissiger Jahre musste sie sich wegen einer Depression frühpensionieren lassen, sie war einfach zu müde, die Arbeit als Lehrerin und das Grossziehen von fünf Kindern, das war zu viel für sie. Ihre Nachfolgerin an der Schule war eine hochgebildete Person, eine Kommunistin – und für meine Mutter kam die Freundschaft zu ihr einer Emanzipation gleich. Für mich wiederum war das der Anfang von allem – ich hatte wieder Glück! Die Freundschaft ermöglichte mir, einen Geschmack für Literatur zu entwickeln, bot mir aber auch eine Einführung in die Politik.

Marx hat einmal gesagt, Kritik sei keine Leidenschaft des Kopfes, sondern der Kopf der Leidenschaft. Was hat Sie angetrieben?

Angefangen zu kämpfen habe ich, weil ich etwas gegen die Ungerechtigkeit auf der Welt unternehmen wollte, die ich nicht tolerieren konnte. Das ist es. In gewisser Weise ist das die moralische Basis von allem. Auch hier folgte ich einfach dem Beispiel meiner Mutter – den Sinn für Gerechtigkeit habe ich von ihr geerbt, ich selbst habe nichts dazu beigetragen. Sie hat konstant gekämpft, sei es, indem sie den Kindern polnischer Fabrikarbeiter:innen gratis Unterricht gab oder als sie für die spanische Revolution Kleidersammlungen organisierte. Immer wenn sie handeln konnte, hat sie gehandelt. Sie hat nicht irgendwelche Befehle befolgt, war kein Mitglied von irgendwas, hörte einfach auf ihr Gefühl. Bei mir ist es dasselbe.


1943 kämpft Henri Simon in der Résistance-Einheit seiner Heimatstadt gegen die Nazis, wird lokaler Vertreter des Komitees für die Nationale Befreiung, das die Widerstandsgruppen koordiniert. Später studiert er Jura, hat Kontakt zur Kommunistischen Partei und geht zur Confédération générale du travail (CGT), dem französischen Gewerkschaftsbund. In einer grossen Versicherungsfirma wird er dessen Sekretär.

«Für eine kurze Zeit hatte die CGT das Motto ‹Klasse gegen Klasse›», erzählt Simon. Doch dann habe es mehrere Richtungswechsel gegeben – und als der Vorschlag gekommen sei, innerhalb der Versicherung mit anderen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten, habe er nicht mehr mitmachen wollen. 1953 wird Simon wegen «Abweichung von der Linie» aus der Gewerkschaft ausgeschlossen und gründet ein autonomes Betriebskomitee. «Es war der Beginn einer neuen Art der Organisierung gegen die Politik der Gewerkschaften am Arbeitsplatz», sagt er. Diese Tätigkeit setzt er bis zu seiner Entlassung aus dem Unternehmen 1971 fort.

Anfang der fünfziger Jahre wird Simon Teil der rätekommunistisch orientierten Gruppe Socialisme ou Barbarie (SouB), für deren gleichnamige Zeitschrift er fortan regelmässig Texte schreibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort Dissident:innen verschiedener marxistischer Strömungen zusammengekommen. Die Gruppe, die sowohl aus militanten Arbeiter:innen wie auch aus Intellektuellen wie dem griechisch-französischen Philosophen Cornelius Castoriadis bestand, bekämpfte den Stalinismus und entwickelte den Marxismus weiter. Aus ihrer Sicht waren die sozialistischen Länder in Wahrheit staatskapitalistische Systeme mit der Bürokratie als neuer herrschender Klasse.

Unbestritten ist der Einfluss von SouB auf die Neuformierung der französischen Linken: Diverse französische Intellektuelle brüsteten sich mit ihrer Mitgliedschaft – oder wenigstens der Zugehörigkeit zum gleichen politischen Umfeld. Die Kritik von SouB wiederum war grundlegend für jene der Situationistischen Internationalen. Auch eines von deren Gründungsmitgliedern, der Künstler und marxistische Theoretiker Guy Debord, war kurze Zeit Teil von SouB. Abtrünnige der Kommunistischen Partei in Italien lasen die Texte und entwickelten den Ansatz in eigenen Untersuchungen weiter. Dort beeinflusste SouB auch den neomarxistischen Operaismus. Anerkannt ist zudem ihre Vorreiterrolle für die 68er-Bewegung, in Zuge derer sich viele Ideen der Gruppe bestätigten. Henri Simon verliess SouB nach politischen Unstimmigkeiten im Jahr 1958, später gründete er die rätekommunistische Gruppe Informations et correspondances ouvrières (ICO) mit, auch diese mit eigenem Magazin.


Weil wir offensichtlich viel jünger sind als Sie: Wie erlebten Sie den Mai 1968 in Paris?

Gut. Etwas passierte. 1968 bot neue Möglichkeiten, die Diskussionen waren offen, in der ganzen Stadt trafen sich die Leute, am Arbeitsplatz, auf der Strasse, Fabriken wurden besetzt, man konnte alles mit allen bereden, sich spontan treffen. Doch gerade wenn etwas spontan passierte, übernahmen die Gewerkschaften rasch die Kontrolle – ihre Vertreter:innen waren dann sofort zur Stelle. In gewisser Weise war 1968 auch der Anfang vom Ende der ICO. In dieser Zeit stiessen sehr viele neue Mitglieder hinzu – alles Student:innen, die sich überhaupt nicht mehr für die Realität der Arbeiter:innen interessierten.

Wurde der ICO in gewisser Weise der eigene Erfolg zum Verhängnis?

Die Treffen fanden in einem Hörsaal der naturwissenschaftlichen Fakultät der Sorbonne-Universität statt, manchmal kamen mehr als hundert Leute. Der Erfolg war gleichzeitig unser Todesstoss. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal an die italienische Grenze fuhr, um mit einer Gruppe Mailänder Arbeiter:innen über die Situation in Italien zu sprechen. Als ich dann an das nächste Treffen ging, um davon zu berichten, war es mir unmöglich, weil dort stundenlang ideologische Probleme der postmodernenen Philosopie diskutiert wurden – das war für mich schliesslich der Grund, die Gruppe zu verlassen. 1975 hatten wir dann ein Treffen in Bologna mit ICO-Dissident:innen, Leuten aus Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland, wo wir das Netzwerk Échanges et Mouvement gründeten.

«Wir sehen jetzt Bewegungen, die sich spontan verbreiten. Das ist absolut neu!»

Was hatten Sie denn mit Échanges et Mouvement im Sinn?

Wir wollten den Klassenkampf unterstützen – und von den auf der ganzen Welt stattfindenden Kämpfen berichten. Wir riefen also ein Bulletin ins Leben, das zu Beginn eine rätekommunistische Linie verfolgte und das bis heute erscheint. Um eine bestimmte Linie geht es uns aber nicht. Wir publizieren Texte, mit denen man einverstanden sein kann oder auch nicht. Hauptsache, man untermauert die eigene Position mit Argumenten. Alles muss zur Diskussion stehen. Die Hauptsache ist, so akkurat wie möglich zu informieren.


Die Kämpfe zu dokumentieren, war für die Gruppen, deren Teil Henri Simon war, stets ein zentrales Anliegen. SouB etwa analysierte zusammen mit Arbeiter:innen in den Betrieben den Produktionsprozess. Es ging ihnen darum, den Arbeitsalltag im modernen Kapitalismus zu durchleuchten, im alltäglichen Widerstand dagegen sahen sie Versuche der Emanzipation.

Zeitgleich untersuchte eine Gruppe in den USA die Autowerke von Detroit. Wie SouB betonte diese die Autonomie der Arbeiter:innen gegenüber den Gewerkschaften. Und auch die Mitglieder der ICO berichteten in ihrem Magazin über die Situation in den Fabriken, schrieben Reportagen und bauten ein Netz von Korrespondent:innen auf.

In eine ähnliche Richtung dachten auch andere internationale Verbündete. Der niederländische Theoretiker Cajo Brendel etwa, den mit Henri Simon eine langjährige Freundschaft verband und der später Teil von Échanges et Mouvement war, analysierte den Arbeiter:innenaufstand in Ostdeutschland im Jahr 1953, dem SouB eine ganze Ausgabe widmete und den die sowjetische Besatzungsmacht brutal niederschlug. Brendel sah die Revolte als spontanen Moment: Ohne politische Führung verbreitete sich der Protest wie ein Lauffeuer. Ähnliche Unruhen erfassten auch Frankreich.

Nach dem Niedergang der ICO Anfang der siebziger Jahre zog Henri Simon, der damals schon pensioniert war, nach Grossbritannien. Als aufmerksamer Beobachter sozialer Bewegungen schrieb er später ein Buch über den grossen britischen Bergarbeiterstreik Mitte der achtziger Jahre, dessen Scheitern die Arbeiter:innenbewegung nachhaltig schwächte.


Die Dokumentation der Kämpfe war für Sie immer wichtig. Warum wollten Sie diese beschreiben?

Mit unserem autonomen Betriebskomitee haben wir in mehreren Schichten eine Broschüre am Eingangstor verteilt. In den Texten ging es nicht um theoretische Überlegungen, sondern um Fakten und um das, was gerade passierte, geschrieben in einer verständlichen Sprache. Manchmal haben mich Arbeiter:innen nach dem Mittagessen zum Kaffee eingeladen – in solchen Momenten wusste ich, dass sie mir etwas erzählen wollten. Einmal gab es eine Episode, in der dem Manager von der Unternehmensleitung aufgetragen worden war, in einem Konflikt mit den Angestellten zu verhandeln. Als der Chef in der Mittagspause war, ging ich an seine Unterlagen, um herauszufinden, was die Leitung gegen die Angestellten unternahm. Ich zitierte in unserer Broschüre dann einige Passagen daraus.

Kommunikation als subversiver Akt?

Ja, aber auf eine bestimmte Art. Die offiziellen Gewerkschaftsdelegierten verteidigen die Rechte der Arbeiter:innen bloss dann, wenn es einen Rechtsbruch gibt. Ich wiederum wollte jene verteidigen, die im juristischen Sinn als nicht verteidigbar galten. Diese Menschen haben mich immer mehr interessiert.

Sie haben Jahrzehnte von Arbeitskämpfen verfolgt. Gibt es die Arbeiter:innenklasse heute überhaupt noch?

Ein Arbeiter ist jemand, der seine Arbeitskraft verkauft und dafür einen Lohn erhält. Das ist ein marxistischer Begriff, und ich habe damit überhaupt kein Problem. Das ist nach wie vor die Basis des Systems. Marx hat seine Theorie aber vor über hundert Jahren mit Blick auf die damalige ökonomische Situation und das System der Ausbeutung aufgestellt – und die Funktionsweise dieses Systems hat sich inzwischen verändert. Die Kontrolle ist viel strikter als früher. Vor einem Jahrhundert übte bloss der Vorarbeiter Kontrolle aus, heute wirst du in jedem Moment deines Lebens kontrolliert, auf der Strasse, am Arbeitsplatz und zu Hause mit Kameras gefilmt. Es gibt viele Mittel, Druck auszuüben, es ist unmöglich geworden zu betrügen. Marx konnte das nicht vorhersehen. Entsprechend sind auch die Mittel des Widerstands heute andere.

Kann man diesem umfassenden Kontrollsystem überhaupt entfliehen?

In Frankreich nehmen beispielsweise nur noch etwa 25 Prozent der Berechtigten an Wahlen teil – jene, die nicht wählen, verleihen damit ihrer Unzufriedenheit mit dem System Ausdruck. Denn kein System kann lange ohne die Zustimmung einer Mehrheit funktionieren. Man könnte generell sagen, dass heutzutage individuelle Einstellungen wichtiger sind als früher, wo man einfach einer Gewerkschaft beigetreten ist. So lässt sich das Verhalten des Einzelnen auch als Akt des Widerstands begreifen. Wissen Sie, was ich meine? Es ist keine konzertierte Aktion – aber das Resultat ist dennoch kollektiv. Ein Beispiel ist die «Big Quit»-Bewegung: Leute wechseln von einem Job zum anderen, gehen dorthin, wo sie sich besser fühlen. Es gibt in vielen Sektoren einen Mangel an Arbeitskräften, nicht nur in Frankreich.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit daraus etwas Kollektives entstehen kann?

Auch wenn immer weniger kollektiv passiert, kaum jemand noch Mitglied einer Organisation ist, wird aus bestimmten Handlungen einer Gruppe von Individuen unter gewissen Umständen eine kollektive Bewegung. Was wir heute beobachten können, ist eine Art individuelle Verweigerung, ein Rückzug von jeglicher Beteiligung am System. Diese Herangehensweise ist allerdings nicht wirklich neu, neben den kollektiven Kämpfen der Arbeiter:innen hat es immer auch individuelle Aktionen gegeben. In der Versicherungsfirma etwa, in der ich gearbeitet habe, unterbrachen Leute oft die Arbeit, um eine Zigarette zu rauchen, obwohl das offiziell nicht gestattet war. In diesem Moment arbeiteten sie nicht. Die meisten Soziologinnen und Gewerkschafter nehmen solche Aktionen zu wenig ernst, weil sie schwer zu messen sind. Auch wenn es oft nicht gesehen wird, weil keine Organisation dahintersteht: Aus meiner Sicht ist das Klassenkampf.


Als wir Simons Wohnung am zweiten Tag unseres Gesprächs betreten, herrscht emsige Betriebsamkeit. Gerade ist das neue Bulletin von Échanges et Mouvement fertig geworden, auf dem grossen Tisch in der Stube warten die losen Blätter darauf, zusammengetackert zu werden, bevor Simon diese in Umschläge packt, mit Briefmarken versieht und an die Abonnent:innen verschickt. Die Themen der neusten Ausgabe: die französische Rentenreform und der Rohstoffhandel, Aufstände in diversen Ländern und die Präsenz des französischen Rüstungskonzerns Thales in der Ukraine. Immer wieder wird das Gespräch unterbrochen, minutenlang ist bloss konzentriertes Tackern zu hören.

Während der Coronapandemie lebte Henri Simon relativ zurückgezogen in seiner Pariser Wohnung. Untätig war er in dieser Zeit allerdings nicht. Er ging mit seiner Familie an Demos und fertigte für seine Enkel und Enkelinnen individuelle Kinderbücher an. Gerade arbeitet er an einem Text über die Folgen von Covid für den Weltmarkt.


Dass die Kontrollmechanismen vielerorts ähnlich sind, ermöglicht auch eine Kommunikation untereinander – wenn etwa Arbeiter:innen in Chile Memes posten, die dann bei den Protesten in Hongkong auftauchen. Denken Sie, es kann eine weltweite Zusammenführung der Kämpfe geben?

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat sich in der gesamten westlichen Welt ausgebreitet. Ähnlich war es bei der #MeToo-Bewegung und dem Klimastreik. Allerdings waren das soziale Bewegungen mit Blick auf ein bestimmtes soziales Ereignis – und dieses Ereignis war kein Klassenkampf. Ob eine Bewegung der Arbeiter:innen möglich wäre? Es könnte zumindest passieren. Vor fünfzig Jahren agierten die Kommunistische oder die Trotzkistische Partei international, aber das ist längst vorbei. Doch jetzt sehen wir Bewegungen, die sich spontan verbreiten – ohne dass irgendeine Organisation dahinterstehen würde. Das ist absolut neu! Man weiss nicht, wie es sich entwickelt, aber es ist da. Und das System kann nichts dagegen unternehmen, die Verbreitung nicht aufhalten. Das bietet durchaus Grund zu Optimismus.

Unser Eindruck war zuletzt der, dass viele Angst haben, zu handeln.

Auf keinen Fall! Ist man in einer schwierigen Situation, muss man sich verteidigen – da hat man keine Angst, sondern handelt, sonst müsste man ja immer Angst haben. Die aktuellen Streiks in Grossbritannien oder jene in den USA in den letzten zwei Jahren sind doch der beste Beweis: Die Menschen fürchten sich nicht. Und sie wenden ein System, das dazu erbaut wurde, jeden Streik zu brechen, gegen das System selbst. Sie wissen, dass sie immer und überall kontrolliert werden, doch es ist ihnen egal. Denn sie wissen auch, dass die Balance der Kämpfe zu ihren Gunsten ist.