Film: Künstler verkauft Seele

Nr. 42 –

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Filmstill aus «Yes»: Mann mit Sonnenbrille und Ente auf den Schultern
«Yes». Regie und Drehbuch: Nadav Lapid. Israel/Frankreich/ Deutschland/Zypern 2025. Jetzt im Kino.

Am Anfang steht das Gemälde «Die Stützen der Gesellschaft» von George Grosz, einem der bedeutendsten satirischen Künstler der Weimarer Republik. Das Bild aus dem Jahr 1926 vermittelt, wovon knapp hundert Jahre später nun auch «Yes» handelt: Der israelische Regisseur und Drehbuchautor Nadav Lapid («Synonymes») zeigt in seinem grell-bunten filmischen Höllenritt eine Gesellschaft, die Kunst verachtet und in der Macht, Vulgarität und Geld dominieren.

Im Zentrum steht der erfolglose Jazzpianist Y (Ariel Bronz), der mit seiner Frau, der Tänzerin Yasmin (Efrat Dor), und dem gemeinsamen Baby in Tel Aviv lebt. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, schleppt sich das Paar von Party zu Party und hält dort mit billigen Show- und Musikeinlagen jene dekadente Oberschicht bei Laune, die jener bei George Grosz ähnelt. Als Y auf einer dieser Partys einen alten Bekannten trifft, der mittlerweile PR-Leiter des Generalstabs der Armee ist, erhält er von diesem den Auftrag, die Musik zu einer neuen israelischen Nationalhymne zu komponieren.

Es ist die Zeit nach dem 7. Oktober 2023, das Volk soll auf Krieg und Kampfgeist eingeschworen werden, eine Hymne für die Generation des Sieges soll es werden. So formuliert es der PR-Mensch, und der bereits existierende Text der Hymne ist zu schrecklich, um hier zitiert zu werden. Im Film singt dann ein Kinderchor diese Hymne, es ist ein Element so erschreckend real wie die Szenen, in denen immer wieder Rauch am Horizont zu sehen und Raketeneinschläge im wenige Kilometer entfernten Gaza zu hören sind.

Nadav Lapid hat sich die fürchterliche Hymne nicht ausgedacht, wie er kürzlich in Zürich erzählte. Sie entstammt der rechtsextremen Szene in Israel, und für den Film hätten Kinder sie in Anwesenheit ihrer Eltern gesungen, und diese hätten sich nicht daran gestört, dass er ihre Kinder filmte. Im Gegenteil, die einzigen Klagen seien von Eltern gekommen, die es schade fanden, dass die Kamera nicht nahe genug bei ihrem Kind gewesen sei. Nein, subtil ist «Yes» nicht – aber das passt vielleicht zum aktuellen Geschehen.