Ausstellungen : Ist das Medium die Message?
Mit das Beste an der Videokunst ist, dass sie selten überheblich wirkt. Auch dann nicht, wenn sie ältere Formate wie Skulpturen, Filme oder Gemälde auf den Arm nimmt. Alles Monumentale und Überwältigende scheint ihr fremd. Sie bleibt verspielt, ironisch und zugänglich, was auch daran liegen mag, dass ihre Darbietungsform meist ein altmodischer Fernsehwürfel und ihre Technik in der Regel einfach ist. Lässt sich alles gerade schön im Aargauer Kunsthaus und im Kunstmuseum Solothurn überprüfen, die in einer Doppelausstellung zahlreiche Videoarbeiten, vorwiegend einheimischer Provenienz, aus ihren Sammlungen zeigen. Und obwohl auch in Aarau herausragende Arbeiten zu sehen sind – «Fire Piece» etwa, Nam June Paiks Klassiker aus dem Jahr 1992, oder die raumgreifende, mitreissende Installation «Babette» von Muda Mathis, Fränzi Madörin und Sus Zwick –, wirkt die Schau in Solothurn pointierter und mutiger in die Museumsumgebung eingefügt.
Etwa in die altmodische Gemäldegalerie im ersten Stock, wo zwischen Landschaften von Hodler das «Bodensee und Säntis»-Video von Roman Signer und Bernhard Tagwerker flackert, Rémy Zaugg auf dem Furkapass mit weisser Farbe auf übergrosser weisser Leinwand den Freiluftmaler parodiert und Judith Albert Aquarelle des Schweizer Landschaftsmalers Caspar Wolf übereinanderlegt, bis nichts mehr zu erkennen ist. Dazu passt auch Anna Winteler, die im Aargauer Kunsthaus die nackte Frau aus Manets berühmtem Bild «Le Déjeuner sur l’herbe» befreit und am Rheinufer entlangtanzen lässt. Video als freche Zündschnur an der Tradition – oder als Zwischenreich unheimlicher und sich auflösender Bilder, wie in Yves Netzhammers «Adressen unmöglicher Orte».
In Solothurn gibt es im Keller zudem zwei informative kleine Parcours durch die Material- und Technikgeschichte, mitsamt dem Hinweis, dass die Herstellung von Videos früher wenig handlich und flexibel war. Für das Furkastück von Rémy Zaugg etwa musste noch 1988 eigens ein Stromgenerator auf der Passhöhe installiert werden.