Schweizer Versicherungen : Dreckiger Boom
Dieser Tage halten die beiden grössten Schweizer Versicherungskonzerne Swiss Re und Zurich ihre jährlichen Generalversammlungen ab. Dabei dürfen die Aktionär:innen nicht nur einer Dividendenerhöhung von sieben beziehungsweise neun Prozent zustimmen. Sie erhalten vom Management auch die Zusicherung, wie unglaublich nachhaltig ihr Unternehmen doch unterwegs sei – zum Wohle der Menschheit.
Allerdings wird diese Behauptung immer absurder. Beide Versicherungen haben vergangenes Jahr auf Druck von konservativen Staatsanwälten und Politikerinnen aus den USA bekannt gegeben, ihre Reduktionsziele betreffend klimaschädliche Treibhausgasemissionen nicht weiter durch die renommierte Science Based Targets Initiative validieren zu lassen. Ausserdem versichern beide Konzerne, wie auch die kleinere Helvetia, mehrere bereits operierende und derzeit im Bau befindliche Flüssiggasterminals in den USA. Sie beteiligen sich damit innerhalb von Versicherungkonsortien an einem besonders boomenden, allerdings auch besonders klimaschädigenden Geschäft.
Mit tatkräftiger Unterstützung von US-Präsident Donald Trump, der zahlreiche Regulierungen aufgehoben hat, wird Frackinggas am Golf von Mexiko an immer mehr Exportterminals verflüssigt und in die ganze Welt verschifft. Hunderte Flüssiggastanker und -importterminals sowie Gaskraftwerke sind derzeit weltweit im Bau oder geplant. Die Exportterminals sind dabei der eigentliche Schlüssel: Ohne sie könnten die USA kein Gas exportieren.
Umweltorganisationen wie Campax haben denn auch am Mittwoch vor dem Zürcher Hallenstadion anlässlich der Zurich-Aktionärsversammlung protestiert. Am Freitagmorgen um 8.30 Uhr werden sie in Dübendorf demonstrieren, wo sich die Swiss-Re-Aktionär:innen treffen. Campax betont, dass die Exportterminals nicht nur besonders klimaschädlich seien, sondern auch die Gesundheit der Anwohner:innen und der Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigten. Die Aktionär:innen der Versicherungen sollen das wissen, wenn sie der Dividendenerhöhung zu ihren Gunsten zustimmen.