16.12.2004

Wer sprühte das Gift?

Von Judith Huber

Das Flugzeug kreiste mehrmals über Dörfer in der Provinz Nangarhar im Osten Afghanistans. Eine Substanz, die laut den Dorfbewohnern aussah «wie Schnee», ging über Felder, Gärten und Häuser nieder. Als Folge gingen die Pflanzen in den besprühten Opiumfeldern und in den Gemüsegärten ein. Menschen und Tiere wurden krank. Das berichten mehrere britische und US-amerikanische Medien. Die Bauern beklagten sich daraufhinbei den Behörden, ihre Felder seien mit Gift besprüht worden.

Aber hatte nicht Präsident Hamid Karsai unlängst versichert, die Besprühung von Mohnfeldern aus der Luft komme nicht infrage? Die afghanische Regierung leitete eine Untersuchung ein und nahm Bodenproben. Es habe einen Chemieeinsatz gegeben, bestätigte Karsais Sprecher Dschawed Ludin. Aber die Regierung habe niemandem die Erlaubnis dazu gegeben. Ende November zitierte Karsai die Botschafter der USA und Britanniens – der beiden am stärksten in die Drogenbekämpfung involvierten Länder – und verlangte Auskunft über den Gifteinsatz. Die Vertreter der beiden Länder verneinten, etwas damit zu tun zu haben.

Doch die Vermutung liegt nahe, dass die USA hinter der Sprühaktion stecken oder mindestens davon wussten. Die USA drängen darauf, ähnlich wie in Kolumbien das Koka in Afghanistan den Mohn von Flugzeugen aus zu besprühen. Sie haben im November angekündigt, für 2005 zusätzliche 780 Millionen Dollar zur Drogenbekämpfung in Afghanistan zur Verfügung zu stellen und eine neue Strategie auszuarbeiten. Die Antidrogenbehörde der USA will ihre Präsenz in Afghanistan weiter ausbauen und zusätzliche Spezialagenten und Geheimdienstler stationieren.

Laut dem jüngsten Uno-Bericht hat sich die Anbaufläche von Schlafmohn in Afghanistan im Jahr 2004 um zwei Drittel vergrössert. Afghanistan hat damit so viel Drogen produziert wie noch nie zuvor. Weltweit stammen heute geschätzte 87 Prozent des Opiums aus Afghanistan. Vom afghanischen Opiumanbau und Drogenhandel profitieren vor allem die – auch politisch – mächtigen Kriegsfürsten des Landes.

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