20.10.2019

17.45: Frauenwahl in Graubünden

Von Andreas Fagetti (Text) und Florian Bachmann (Foto)

Plötzlich lautes Geschrei im ohnehin schon lauten Wahlzentrum in Chur, kurz vor 17 Uhr: Sandra Locher Benguerel erscheint in der Menge, ParteifreundInnen umarmen sie, die SP-Frau kann es kaum fassen. Sie ist gewählt – damit fährt die SP einen historischen Sieg im Bauskandal-Kanton ein. Dass Jon Pult das Rennen machen würde, war schon früh klar, er erreichte ein sehr gutes persönliches Resultat. 

Die SVP verliert einen Sitz, Krankenkassenlobbyist und Asylhardliner Heinz Brand ist abgewählt, Magdalena Martullo-Blocher hingegen bleibt in Bern. Noch eine Überraschung: Die Bergellerin Anna Giacometti, Spross der bekannten Künstlerdynastie, FDP-Frau und Gemeindepräsidentin des kleinen italienischsprachigen Südtals, schafft ebenfalls den Sprung in den Nationalrat. Drei der fünf Nationalratssitze sind damit in Frauenhand. Ebenfalls mit einem Spitzenresultat gewählt ist der Bisherige Martin Candinas (CVP).

Lange hatte es so ausgesehen, als läge die SVP rund drei Prozentpunkte und damit uneinholbar vor der SP und ihren Listenverbindungspartnern Verda und Grünliberale. Doch die Kantonshauptstadt war noch nicht ausgezählt. In der Stadt, in der sowohl Pult wie auch Locher Benguerel wohnt, holte die Linke aber dann nahezu sensationelle vierzig Prozent WählerInnenanteil und liess die SVP auf der Zielgeraden hinter sich. 

Das Resultat verändert die parteipolitische Zusammensetzung der Bündner Nationalratsdelegation: Die BDP, die ehemalige starke politische Kraft im Kanton, verschwindet in der Versenkung, die GLP geht leer aus. In bürgerlicher Hand bleibt hingegen der Ständerat. Aber auch das könnte sich ändern – dann nämlich, wenn Pult als nationaler Politiker, der er jetzt ist, dereinst erneut für die kleine Kammer kandidieren sollte. Gute Nachrichten also aus dem flächenmässig zweitgrössten Kanton der Schweiz.