Nr. 33/2015 vom 13.08.2015

Graubünden und Solothurn

Von Stephan Müller

GR (5 Sitze): 
GLP-Abwahl wahrscheinlich

Kanton Graubünden. Grafiken: WOZ; Quelle: Bundesamt für Statistik

Im Kanton Graubünden braucht es ein Sechstel (16,7 Prozent) der Stimmen, um einen sicheren Sitz im Nationalrat zu erhalten. 2011 verlor die FDP mit nur 11,9 Prozent ihren Sitz. Dieser ging als zweiter Sitz an das linke Bündnis SP/GLP/Grüne, da dieses mit 26,1 Prozent mehr als das Doppelte der FDP erreicht und das Bündnis SVP/EDU (25 Prozent) knapp geschlagen hatte. Dieser zweite Sitz ging an die GLP, weil sie mit 8,3 Prozent mehr als die Hälfte der Stimmen der SP erzielt hatte. BDP und CVP, die ihre Sitze 2011 problemlos sicherten, schliessen sich 2015 neu mit der FDP zu einem grossen Bündnis zusammen. Ein solches (49 Prozent) hätte der FDP schon 2011 den Sitz gerettet. Es ist darum sehr wahrscheinlich, dass die FDP den Sitz der GLP zurückerobert.

Mathematisch kommt ein zweiter Sitz für die SVP erst infrage, wenn sie mehr als 4,1 Prozent der Stimmen dazugewinnt (die EDU kandiert nicht mehr). Reicht dafür die Kandidatur von Magdalena Martullo-Blocher? Das SP/GLP-Duo müsste neben den Stimmen der Grünen, die nicht mehr antreten, mehr als 2,5 Prozent dazugewinnen, damit eine Verteidigung des zweiten Sitzes überhaupt denkbar wird. Praktisch wird es noch mehr Stimmen brauchen. Das ist nur möglich, wenn GLP-Nationalrat Josias Gasser ein sensationelles Resultat erreichen sollte – sonst ist er abgewählt.

SO (6 Sitze):
 Eine Abwahl ist garantiert

Kanton Solothurn. Grafiken: WOZ; Quelle: Bundesamt für Statistik

Der Kanton Solothurn kann dieses Jahr nur sechs statt sieben NationalrätInnen stellen, eineR der Bisherigen wird somit abgewählt. Für einen sicheren Sitz braucht es ein Siebtel (14,3 Prozent) der Stimmen. Diese Hürde erreichen SVP, FDP, SP und CVP problemlos. Der SVP und der FDP (2011 die beiden grössten Parteien) sind in diesem Jahr jedoch die Partner EDU (tritt allein an) und BDP (neu mit CVP) abgesprungen. Für die zwei Restmandate sind darum die Listenbündnisse CVP/GLP/BDP/EVP (2011: 28,8 Prozent) und SP/Grüne (2011: 25,8 Prozent) leicht zu favorisieren, womit CVP und SP ihre je zwei Mandate verteidigen könnten. Die SVP folgt ihnen mit 24,3 Prozent vor vier Jahren aber auf den Fersen, sie kämpft mit beiden Bisherigen gegen den Sitzverlust. Die FDP liegt mit 18,4 Prozent etwas weiter zurück. Die Gefahr von Stimmenverlusten der Linken, insbesondere der Grünen, ist aufgrund des allgemeinen Trends real. Auch die verbündeten Mitteparteien dürfen nur wenige Stimmen verlieren. Es wird knapp.

Ideales Szenario für Linke und Mitte: Die FDP nimmt der SVP Stimmen weg, sodass beide etwa gleichauf, aber hinter den beiden Bündnissen liegen.

Alle bereits erschienenen Prognosen finden Sie unter www.woz.ch/wahlgymnastik.

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