Lateinamerika unter Trump

Le Monde diplomatique –

Mit einer völkerrechtswidrigen Militäraktion haben die USA den Präsidenten Venezuelas entführt. Es ist nicht die erste derartige Operation. US-Interventionen in Lateinamerika haben eine lange Geschichte. In Anlehnung an die Monroe-Doktrin von 1823 brüstet sich Donald Trump heute mit seiner neuen „Donroe-Doktrin“.

mehrere Personen schauen auf den Hafen von La Guaira nach dem US-Angriff auf Venezuela, 3. Januar 2026
Der Hafen von La Guaira nach dem US-Angriff auf Venezuela, 3. Januar 2026 Foto: MATIAS DELACROIX picture alliance/ap

Augusto Pinochet regierte Chile von 1973 bis 1990. In dieser Zeit sind mindestens 3000 Menschen verschwunden oder sie wurden ermordet. Auf Befehl des Diktators wurden über 40 000 Menschen gefoltert; manche leiden immer noch unter den Folgen.

Seit dem Ende der Diktatur war das zuvor allgegenwärtige Porträt Pinochets weitgehend verschwunden. Doch am 14. Dezember 2025 tauchten die Bilder des Generals in Santiago auf einmal wieder auf: bei der Siegesfeier für den neu gewählten Präsidenten José Antonio Kast, der sich mit Stolz auf den toten Diktator beruft.

Vor 14 Jahren gingen Chiles Studierende und Oberschüler:innen auf die Straße. Bei der größten Demonstration seit der Rückkehr zur Demokratie forderten sie „kostenlose und hochwertige“ Bildung, aber auch das Ende des neoliberalen Wirtschaftsmodells, das als Hinterlassenschaft Pinochets in der Verfassung von 1980 verankert ist. Viele der Protestierenden führten das Porträt von Salvador Allende mit. Die Leitfigur des chilenischen Sozialismus war im Oktober 1970 zum Präsidenten gewählt worden. Doch keine drei Jahre später, am 1. September 1973, wurde Allende von General Pinochet gestürzt und in den Tod getrieben.

Einer der protestierenden Studenten machte danach als Politiker Karriere. Gabriel Boric, der sich stets auf Allende berief, wurde 2021 zum Präsidenten gewählt. Im März 2026 löst ihn José Antonio Kast ab, Sohn eines deutschen Wehrmachtsoffiziers und Bruder eines Ministers unter Pinochet.

Der Militärputsch 1973 war von den USA unterstützt worden. „Ich sehe nicht ein, warum wir ein Land marxistisch werden lassen sollen, nur weil die Bevölkerung unverantwortlich ist“, erklärte der damalige Außenminister Henry Kissinger.1 Heute feiert der US-Präsident ganz unverhohlen den Wahlsieg eines Kandidaten, den er zuvor öffentlich unterstützt hatte.2 Nie zuvor hat ein Mann im Weißen Haus seine einseitige Parteinahme in Angelegenheiten des Subkontinents derart dreist zur Schau gestellt.

Mit Interventionen, Erpressung und Dollars

Die Erklärung des US-Präsidenten kommt allerdings nicht wirklich überraschend. In Lateinamerika hat man seit einiger Zeit wohl verstanden, wie sehr der heutige Dienstherr im Weißen Haus an der Region interessiert ist.

So hat Donald Trump vor den Parlamentswahlen im Argentinien vom 26. Oktober deutlichen finanziellen und wirtschaftlichen Druck ausgeübt. Er erklärte, im Fall eines Wahlsiegs der Partei von Javier Milei wolle er Argentinien mit Krediten und Investitionen unterstützen, andernfalls werde er das Land fallen lassen; konkret: die bilateralen Hilfszahlungen aussetzen, die Zolltarife deutlich anheben und den Zugang zum US-Markt erschweren.

Die Umfragen vor den Wahlen hatten Mileis Partei zunächst nur knapp vorn gesehen, doch am Ende gewann die Partei von Trumps libertärem Verbündeten mit klarem Vorsprung vor der peronistischen Opposition, womit sie ihre Position im Parlament festigen konnte.

Noch massiver war der Druck bei den Wahlen in Honduras. Am 26. November äußerte Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social: „Die Demokratie in dem schönen Land Honduras wird bei den nächsten Wahlen am 30. November auf die Probe gestellt.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Wahlkampf – nach den Regeln des Nationalen Wahlrats (CNE) – bereits seit drei Tagen offiziell beendet.

Dennoch wandte sich Trump direkt an Millionen Wählende in Honduras und empfahl ihnen den konservativen Geschäftsmann Nasry „Tito“ Asfura von der Nationalpartei als „den einzig wahren Freund der Freiheit“.3

Zwei Tage danach wurde er noch deutlicher: Einen Präsidenten Asfura würden die USA „sehr unterstützen“. Sollte der richtige Kandidat jedoch nicht gewinnen, „werden die Vereinigten Staaten nicht gutes Geld schlechtem hinterherwerfen, denn ein falscher Führer wird nur katastrophale Ergebnisse produzieren“.

Die wichtigste ständige Militärbasis der USA in Mittelamerika liegt nordöstlich der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Soto Cano ist die Joint Task Force Bravo stationiert, eine gemeinsame Truppe beider Länder. Das ständige Kontingent von 500 US-Soldaten ist mit humanitären Missionen, militärischer Ausbildung und dem Antidrogenkampf beauftragt.

Anfang 2025 drohte die linke Präsidentin Xiomara Castro, diese Zusammenarbeit zu beenden. Sie wollte damit gegen Trumps Politik der verschärften Ausweisung von Migrant:innen protestieren, von der Zehntausende ihrer Landsleute betroffen sind. Die unverblümte Wahlempfehlung des US-Präsidenten dürfte als Reaktion auf Castros Haltung zu verstehen sein.

Um restlos allen Menschen in Honduras klarzumachen, was Trump wollte, wurden zwischen dem 27. und dem 29. November Nachrichten über Handy an mehr als 90 000 Inhaber:innen honduranischer Bankkonten versandt, auf die regelmäßig Remesas – Geldüberweisungen von Verwandten aus den USA – eingehen.

Die Nachrichten enthielten einen Link zu einer Audiodatei, die mitteilte, dass die Kontoinhaber im Fall eines Wahlsiegs von Rixi Moncada, der linken Kandidatin, ab Dezember keine Remesas mehr aus dem USA erhalten würden. Die Überweisungen der etwa zwei Millionen in Nordamerika lebenden Honduraner:innen machen für das Land gut ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.4 Die Wahl ging aus, wie zu erwarten war. Obwohl Trumps Kandidat Asfura in den Umfragen nicht geführt hatte, wurde er nach einigen Verzögerungen zum Sieger über seinen rechtsliberalen Rivalen Nasralla erklärt – mit einem Vorsprung von nur 0,72 Prozentpunkten.

Trump frohlockte. Drei Tage vor den Wahlen in Honduras hatte er gewarnt, „Maduro und seine Drogenterroristen“ könnten „ein anderes Land übernehmen“, wie schon Kuba, Nicaragua und Venezuela.

Die Offensive der USA gegen Venezuela begann bereits im September 2025 – nach Finanz- und Wirtschaftssanktionen und einer Medienkampagne – mit einer schrittweisen Eskalation. Zunächst griff die US-Marine Boote an, die unter dem Verdacht standen, Drogen zu transportieren. Diese wurden nicht etwa durchsucht und die Mannschaften festgenommen, sondern umstandslos versenkt.

Dabei wurden bis Jahresende mindestens 115 Menschen getötet. Volker Türk, Hoher Kommissar für Menschenrechte der UN, sprach von „extrajudicial killing“.5 Ab 16. Dezember erfolgte eine „totale und komplette Seeblockade“: Mehrere Tanker mit venezolanischem Öl wurden beschlagnahmt. Damit will man auch mit Venezuela verbündete Akteure treffen, die angeblich „unter falscher Flagge“ fahren.6 Kurz vor Weihnachten wurde erstmals ein Hafen auf venezolanischem Territorium angegriffen.

Es folgte schließlich die Offensive vom 3. Januar, bei der die wichtigsten Militärstützpunkte des Landes, Häfen und militärische Kommunikationsstruktur zerstört wurden, dazu das Militärmuseum Montana mit dem Chávez-Mausoleum. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels ist die Liste der Ziele und der Schäden noch nicht vollständig bekannt. Präsident Maduro und seine Ehefrau wurden nach New York entführt und sollen dort vor Gericht gestellt werden.

Aus den USA abgeschobene Venezolaner:innen auf dem Rückweg
Aus den USA abgeschobene Venezolaner:innen auf dem Rückweg Foto: EMILIO FLORES picture alliance/Anadolu

Doch die USA verfügen über zahlreiche, auch weniger drastische Instrumente, mit denen sie lateinamerikanische Staaten unter Druck setzen oder für missliebiges Verhalten bestrafen können, um ihren Einfluss auf dem Subkontinent zu verstärken. Nicht immer wurden Interventionen so großspurig angekündigt, wie es Trump auf Truth Social tut, oder so offen praktiziert wie früher gegenüber Kuba und Nicaragua oder heute gegenüber Venezuela. Oft reicht die Androhung beziehungsweise der Einsatz wirtschaftlicher Machtmittel aus, um die Staaten der Region auf die Linie Washingtons zu bringen.

Daher sind die Regierenden dieser Staaten mehr oder weniger bemüht, dem Zorn des US-Präsidenten zu entgehen und darauf zu hoffen, dass sie dem Hegemon die Absenkung oder Abschaffung von Zöllen abhandeln können. Auf diese Hoffnung setzt vor allem Mexiko.

Die USA drohen Mexiko gelegentlich mit einer Intervention im Namen des Antidrogenkampfs. Auch soll das Land 50 Prozent Zoll auf seine Exporte von Stahl und Aluminium zahlen, dazu 25 Prozent auf alle übrigen Exporte, die nicht unter das United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA), das Nachfolge-Abkommen von Nafta, fallen.

Die Regierung von Claudia Sheinbaum ist ständig bemüht, weitere Strafmaßnahmen abzuwenden. Wobei der US-Präsident die unterschiedlichsten Begründungen anführt: Mal geht es um den Kampf gegen illegale Einwanderung, mal um den Drogenhandel, mal um die Forderung, weniger chinesische Produkte im Rahmen des USMCA in die USA zu exportieren oder mehr Süßwasser zu liefern.

Die mexikanische Präsidentin muss vor allem die bestmöglichen Bedingungen schaffen für die Verhandlungen zur Überprüfung des USMCA, die am 1. Juli 2026 anlaufen sollen. Das 2020 geschlossene Abkommen läuft zwar bis 2036, sieht aber nach sechs Jahren eine erste Neubewertung vor. Der Ausgang ist für die mexikanische Wirtschaft, die von der US-Ökonomie direkt abhängig ist, von elementarer Bedeutung, denn es geht dabei auch um eine Verlängerung bis 2042.

Auch Brasilien steht unter Druck. Im Juli 2025 kündigte Trump einen Zolltarif von 50 Prozent an. Damit wollte er verhindern, dass sein politischer Verbündeter, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, seine Haftstrafe wegen seines versuchten Staatsstreichs verbüßen muss. Präsident Lula da Silva knickte jedoch nicht ein. Das Urteil blieb in Kraft und Bolsonaro in Haft. Nach wochenlangen, harten Verhandlungen konnte Brasília die Aufhebung oder zumindest die Senkung von 40 Prozent der Strafzölle auf Agrarprodukte (wie Rindfleisch, Kaffee, Kakao und Obst) erreichen – auch weil Trump zu hohe Verbraucherpreise in den USA befürchtete.

Angesichts der Drohung mit der Zollkeule ist es riskant, dem US-Präsidenten in anderen Fragen die Stirn zu bieten. Was die aggressive Eskalation gegen Venezuela betrifft, wird von lateinamerikanischer Seite zwar verbale Kritik geäußert. So erklärte etwa Brasiliens Präsident Lula da Silva, „die Bombenangriffe auf venezolanisches Territorium und die Gefangennahme seines Präsidenten überschreiten eine inakzeptable Grenze“. Aber die wichtigen Regionalmächte des Subkontinents vermeiden jeden Frontalangriff gegen Trump, von einem gemeinsamen Vorgehen ganz zu schweigen.

Das erbittert vor allem den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro. Auf der Pressekonferenz nach dem US-Angriff auf Venezuela drohte Trump unverhohlen, Petro solle „auf seinen Hintern aufpassen“ („watch his ass“); auch ihm wirft Trump vor, Drogen in die USA zu schmuggeln. Der linke Staatschef übt noch bis März 2026 den Vorsitz der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) aus, in der 33 Länder vertreten sind. „Ich bin Vorsitzender der Celac, und ich möchte sagen, dass das bislang für drei Sachen gut ist: für nichts, nichts und wieder nichts“, erklärte Petro bei einer Pressekonferenz am 11. Dezember 2025. Damit kritisierte er alle Regierungen, die auf die US-Bootsangriffe nicht reagiert hatten.

Worum genau geht es Donald Trump eigentlich bei seiner Offensive in Venezuela und anderswo? Einen Teil der Antwort gibt die neue Nationale Sicherheitsstrategie, die am 5. Dezember 2025 veröffentlicht wurde.7 Washingtons Rückkehr in seinen „Hinterhof“ soll sicherstellen, „dass Amerika in den nächsten Jahrzehnten das stärkste, reichste, mächtigste und wohlhabendste Land bleibt“.

Die imperiale Zielsetzung ist eindeutig: Lateinamerika soll zu Wiederaufbau, Verstärkung und Weiterentwicklung der produktiven, technischen, strategischen und militärischen Kräfte und Kapazitäten der USA beitragen, um ein „Machtgleichgewicht“ mit anderen Akteuren zu bewahren, die als ebenbürtig anerkannt werden – vor allem China, aber auch Russland.

Hier wird ein Konzept internationaler Beziehungen formuliert, das auf dem Primat der Kräfteverhältnisse zwischen den einzelnen Staaten basiert, was Zusammenarbeit zwar nicht ausschließt, aber die Anerkennung der Einflusszonen von Supermächten bedeutet. Es heißt zwar, man wolle die Konkurrenten nicht direkt angreifen, aber auf keinen Fall deren Expansion in die „westliche Hemisphäre“ dulden (die den gesamten amerikanischen Doppelkontinent umfasst). Und weiter: „Das Ziel der Sicherheitspolitik besteht darin, die grundlegenden nationalen Interessen zu schützen, wobei manche prioritären Angelegenheiten regionale Grenzen überschreiten.“ Um die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu garantieren, müsse sich ihre Herrschaft „von Grönland bis Feuerland erstrecken“.

Der Maga-Präsident beruft sich damit auf die altbekannten Grundsätze der Monroe-Doktrin. Präsident James Monroe (1817–1825) hatte 1823 Lateinamerika zum Einflussbereich der USA erklärt und jede koloniale Intervention aus Europa auf dem Subkontinent ausgeschlossen. 81 Jahre später wurde die Doktrin von Präsident Theodore Roosevelt in seiner Rede zum State of the Union 1904 zur konkreten Handlungsermächtigung: „Ständiges Unrechttun (wrongdoing) oder ein Unvermögen, das zu einer Lockerung der Bande der zivilisierten Gesellschaft führt, kann in Amerika wie anderswo das Eingreifen einer zivilisierten Nation erfordern.“

In der westlichen Hemisphäre könne die Erfüllung der Monroe-Doktrin die Vereinigten Staaten dazu zwingen, „in flagranten Fällen solchen Unrechttuns oder Unvermögens, wenn auch widerwillig eine internationale Polizeigewalt auszuüben“. Dieser Zusatz, der als Roosevelt Corollary bezeichnet wird, zog die Lehre aus dem damaligen Venezuelakrieg der USA. Die neue „Trump Corollary“ hat wieder Venezuela im Blick.

Was früher die Bedrohung durch europäische Kolonialmächte war, ist aus Sicht Washingtons heute die Bedrohung durch China. Für den jetzigen US-Präsidenten gelten als „flagrante Fälle solchen Unrechttuns oder Unvermögens“ vor allem die Aktivitäten „kommunistischer“ oder „narcoterroristischer“ lateinamerikanischer Staaten. Wie es in der neuen Sicherheitsstrategie heißt, gilt es „die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre erneut zu etablieren und unser nationales Territorium und unseren Zugang zu geografischen Schlüsselzonen in der ganzen Region zu schützen“.

Obwohl China niemals ausdrücklich genannt wird, ist es der globale Rivale der USA und dessen wirtschaftlicher, finanzieller und technologischer Einfluss in Lateinamerika, der zwischen den Zeilen ständig ins Visier genommen wird. Um dem Einfluss Pekings entgegenzuarbeiten, setzt Trump auf eine neue „Handelsdiplomatie“ gegenüber den lateinamerikanischen Staaten und fordert sie auf, innen- wie außenpolitisch der Linie Washingtons zu folgen.

Laut Strategiepapier verfügt der Subkontinent „über zahlreiche strategisch wichtige Ressourcen“, die die USA benötigen. Rohstoffe wie Öl und Gas, Agrarprodukte, aber auch die Infrastrukturen und geografische Schlüsselzonen könnten zur „Verstärkung der kritischen Lieferketten in dieser Hemisphäre“ beitragen und damit „die Abhängigkeiten verringern und die wirtschaftliche Resilienz Amerikas verbessern“. Deshalb sollten die Regierungen der Region die USA als „Partner erster Wahl“ betrachten. Wer das tut, wird belohnt. Die anderen „werden wir (mit verschiedenen Mitteln) davon abhalten, mit anderen zusammenzuarbeiten“.

Mittlerweile kann sich Washington in Lateinamerika auf zahlreiche Bündnispartner stützen, auch unter den Staaten, deren wichtigster oder zweitwichtigster Handelspartner China ist. Heute regieren konservative, rechtsextreme oder von den USA abhängige Staatschefs in zwölf Ländern: in Argentinien (Javier Milei), Bolivien (Rodrigo Paz), Chile (José Antonio Kast), Costa Rica (Rodrigo Chaves), El Salvador (Nayib Bukele), Ecuador (Daniel Noboa), Honduras (Nasry Asfura), Guatemala (Bernardo Arévalo), Guyana (Mohamed Irfaan Ali), Panama (José Raúl Mulino), Paraguay (Santiago Peña) und in der Dominikanischen Republik (Luis Abinader). Venezuela wird vermutlich bald dazugehören.

Den chinesischen Rivalen ausstechen

Sie alle tun, was Trump fordert, und einige mit besonderem Eifer: El Salvadors Präsident Bukele stellt ihm das berüchtigte „Zentrum zur Eindämmung des Terrorismus“ (Cecot) zur Verfügung, um aus den USA deportierte Migranten in Sicherheitsverwahrung zu nehmen.

An der internationalen Koalition gegen Drogenhandel, die US-Außenminister Marco Rubio ins Leben gerufen hat, beteiligen sich Argentinien, Ecuador (heute wichtigster Umschlagplatz für kolumbianisches Kokain), Guyana, Paraguay, die Dominikanische Republik sowie der Inselstaat Trinidad und Tobago, der nur 11 Kilometer vor der Küste Venezuelas liegt. Sie alle unterstützen auch die Venezuela-Politik der USA; manche stellen ihr Staatsgebiet, ihre Infrastruktur oder ihren Luftraum für die US-Militäroperation „Southern Spear“ gegen Venezuela zur Verfügung, die nach dem 3. Januar keineswegs beendet sein wird.

Die größte Weltmacht verstärkt seit Monaten ihre militärische Präsenz in Lateinamerika; zudem reaktiviert, aktualisiert oder unterzeichnet sie neue Abkommen über militärische Zusammenarbeit.8 Ihre Vorherrschaft in der Karibik stützt sich auf Militärbasen in Guantánamo (Kuba), auf Puerto Rico, den Amerikanischen Jungferninseln, Grenada sowie Aruba und Curaçao (80 Kilometer vor der venezolanischen Küste).

Von Curaçao aus reiste die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado, die mit Hilfe „amerikanischer Stellen“ auf einem Fischerboot aus Venezuela übergesetzt war, zur Verleihung des Friedensnobelpreises nach Oslo. Dort traf sie mit den Präsidenten José Raúl Mulino, Javier Milei, Santiago Peña und Daniel Noboa zusammen, die Machado ihre Solidarität zusicherten und Trump ihre Gefolgschaft gelobten.

In vielen Staaten Lateinamerikas gewinnt die Rechte an Boden. Auch wenn jedes Land seine spezifische politische Landschaft hat, steigt überall der Einfluss rechtsradikaler Parteien, auch wenn sie noch keine Wahlen gewinnen konnten. In Argentinien und Chile wurden die konservativen Staatschefs Mauricio Macri (2015–2019) und Sebastián Piñera (2010–2014 und 2018–2022), die ihr Amt als gute neoliberale Manager ausgeübt hatten, von radikaleren Kandidaten abgelöst, die ideologisch viel eindeutiger ausgerichtet sind.

Die neuen starken Männer der lateinamerikanischen Rechten verkünden, dass die Stunde gekommen sei, der kommunistischen Hydra alle Köpfe abzuschlagen. Dagegen ist die Linke so schwach wie noch nie seit dem Ende der Diktaturen im 20. Jahrhundert. Umso grotesker ist es, wenn die Rechte ständig die „rote Gefahr“ beschwört.

Tatsächlich profitiert die neue Rechte eher davon, dass die Bevölkerung unzufrieden ist mit den linken Regierungen, die sich nach der internationalen Finanzkrise von 2008 und der Coronapandemie noch jahrelang an der Macht gehalten haben. Die Linke hatte diese Krisen innerhalb des bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Gefüges schlecht und recht gemanagt, ohne wirkliche Reformen auf den Weg bringen zu können oder zu wollen.

Diese beiden Krisen trafen die lateinamerikanischen Gesellschaften hart. In mehreren Ländern erzeugten sie starke Ressentiments gegen den Staat und dessen Institutionen, die sich auch gegen das politische Führungspersonal richteten. Auch der Kampf der linken Regierungen gegen die organisierte Kriminalität, die sich in der Region zunehmend ausgebreitet hat, zahlte sich nicht aus, denn in den meisten betroffenen Ländern wurde er als erfolglos wahrgenommen.

Es gibt noch weitere Faktoren, die der Rechten zum Aufstieg verhelfen. Mit der Pandemie entstanden neue Formen der Selbständigkeit, vor allem auf dem Gebiet von Dienstleistungen, die über digitale Plattformen vermittelt werden (Verkehr, Lieferdienste, Import/Export). Dieser Trend entwickelte sich vor allem in Volkswirtschaften, in denen nahezu die Hälfte aller Arbeitskräfte im informellen Sektor tätig ist, und in manchen Ländern – wie Bolivien, Ecuador und Peru – sogar über 70 Prozent.9 Dabei handelt es sich mehrheitlich um Frauen und junge Männer in den Städten.

Die zunehmende Individualisierung der Erwerbsarbeit fördert auch die Tendenz zur Vereinzelung: Jede und jeder ist auf sich gestellt. Das hat gesellschaftliche und politische Folgen, die sich unter anderem in der Fragmentierung der Wählerschaft zeigen. Die Ablehnung der bisherigen Regierungen fällt umso entschiedener und endgültiger aus, je weniger Aussichten auf eine Verbesserung des eigenen sozioökonomischen Status erkennbar sind.10

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Frauen in den lateinamerikanischen Gesellschaften im 21. Jahrhundert immer sichtbarer werden. Demografisch sind sie in der Mehrheit, ihr Zugang zu höherer und Hochschulbildung und zum Arbeitsmarkt hat sich deutlich verbessert, und es gibt auch deutliche Fortschritte hinsichtlich der individuellen und kollektiven Rechte, vor allem, was sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung betrifft.

Dagegen propagieren die konservativen, religiösen und traditionalistischen Kräfte ihre reaktionären Vorstellungen vom Platz der Frauen in der Gesellschaft. Das bedeutet – unter Bedingungen des wirtschaftlichen Niedergangs – zusätzlichen Rückenwind für die rechtsradikalen Parteien.

2026 wird in drei wichtigen Ländern Lateinamerikas gewählt: in Kolumbien (März und Mai), Peru (April) und Brasilien (Oktober). In Brasilien und Kolumbien wollen die linken Regierungen ihre Errungenschaften gegen mächtige revanchistische rechte Parteien verteidigen. Angesichts dessen können wir davon ausgehen, dass Donald Trump demnächst noch viele Botschaften in Richtung Lateinamerika senden wird.

1 Zitiert in Grace Livingstone, „America’s Backyard: The United States and Latin America from the Monroe doctrine to the War on Terror“, New York (Zed Books) 2009.

2 Francisco Sánchez, „Donald Trump reacciona al triunfo de José Antonio Kast en Chile y su mensaje ya da la vuelta al mundo“, chile.as.com, 15. Dezember 2025.

3 Siehe Maurice Lemoine, „Showdown in Honduras“, LMd, November 2025.

4„Honduras ha recibido más de 11.000 millones de dólares en remesas, un 13,9 % más que 2024“, La Prensa, 10. Dezember 2025.

5UN News, 31. Oktober 2025.

6„Venezuela: USA wollen weiteren Öltanker beschlagnahmen“, Deutschlandfunk, 22. Dezember 2025.

7„National Security Strategy of the United States of America“, The White House, 5. Dezember 2025.

8 Siehe Vincent Ortiz, „Testfall Ecuador“, LMd, Dezember 2025.

9„2025 Labour Overview of Latin America and the Caribbean“, Internationale Arbeitsorganisation (ILO), 11. Dezember 2025.

10 Siehe Maëlle Mariette und Franck Poupeau, „Bolivien – Abkehr von der Linken“, LMd, November 2025.

Aus dem Französischen von Sabine Jainski

Christophe Ventura ist Redakteur bei LMd, Paris.