Literatur : Schimpfen und Fluchen auf der Donauinsel

Nr.  2 –

Ein Dorf und seine Niedertracht: Der ungarische Autor Péter Nádas hat mit «Schauergeschichten» einen grossartig derben Roman geschrieben, der die Wurzeln des Orbanismus freilegt.

Dieses Buch ist eine Überraschung: Vor fünf Jahren erklärte der ungarische Autor Péter Nádas, dass er von der Fiktion Abschied nehme. Nach über fünfzig Jahren des Schreibens von Geschichten und Romanen habe er genug davon. «Die Realität war mir schon immer wichtig», so Nádas in einem Radiogespräch, «und ich pendelte zwischen Realität und Fantasie. Realität hat eine Kontrollfunktion, und Fantasie ist Freiheit.» Damals erschien das Buch «Aufleuchtende Details», in dem er präzis und berührend von seinen ersten zwölf Lebensjahren berichtete sowie von der Geschichte seiner Eltern und des Landes. In jenen «Memoiren eines Erzählers» wollte er quasi dokumentarisch prüfen, «welche meiner Erinnerungen stimmen».

Nun ist Nádas, der vor kurzem achtzig geworden ist, doch wieder zur Fiktion zurückgekehrt. Mit «Schauergeschichten» legt er einen virtuosen vielstimmigen Roman vor, der Mitte der sechziger Jahre in Ungarn spielt, während der Zeit des sogenannten Gulaschkommunismus unter KP-Chef János Kádár als Ministerpräsidenten.

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