Der Umbau Kairos: Die Armen in die Wüste
Die autoritäre ägyptische Regierung drückt Kairo ihren Stempel auf: Weit draussen entsteht eine neue Hauptstadt, im Zentrum werden historisch wertvolle Quartiere abgerissen. Deren Bewohner:innen müssen sehen, wo sie bleiben.
Der Nil ist noch derselbe. Aber die leuchtenden Fussgänger:innenbrücken, die futuristischen Wolkenkratzer und all die Kräne, die Kairos Silhouette stören: Sie sind neu. Die ägyptische Hauptstadt, die rund 10 Millionen Einwohner:innen zählt – 22 Millionen, wenn man das Umland mitrechnet –, verändert sich gerade auf dramatische Weise.
Beim Wekala-Kleidermarkt stehen immer noch die alten zusammengebastelten Buden, ohne erkennbare Logik angeordnet, unter einer Hochstrasse. Vor zehn Jahren begann hier das chaotische Labyrinth der schmutzigen Gassen des sogenannten Maspero-Dreiecks, eines zentralen Quartiers hinter dem legendären Tahrirplatz, zwischen dem Gebäude des Staatsfernsehens, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und dem alten Ägyptischen Museum. Doch hier hat sich viel verändert.