Patriarchale Gewalt: Wenn Worte fehlen

Nr. 6 –

Als in ihrer Nachbarschaft ein Femizid begangen wird, erinnert sich Autorin Maria-Lusie Tzikas an die Gewalt, die sie selbst erlebt hat. Und fragt sich: Wie lässt sich darüber sprechen?

Illustration von Maria Sulymenko: eine Frau steht vor einer schwarzen Wand, im Vordergrund ein bedrohlicher Schatten

Ich liege im Bett und gebe die Schlagwörter «Frau», «Schweiz» und «tot» in die Suchmaschine ein, wie ich das fast jeden Morgen tue – eine Gewohnheit, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Heute folgt darauf ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte: Schock. Denn die «verstorbene Frau», von der die Zeitung berichtet, war meine Nachbarin. Ich springe auf und renne zum Fenster, öffne es, stosse die Storen hoch und starre es an, das Haus gegenüber, und versuche durch blosses Betrachten ihr Fenster ausfindig zu machen. Es ist wieder passiert. Und ich konnte wieder nichts dagegen tun – nicht einmal, wenn es vor meiner Haustür passiert. Ich schliesse das Fenster, zerknautsche die 101 Dalmatiner auf meiner Bettwäsche und starre die Decke an. Ich trauere.

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