Ein Traum der Welt: Das Zirpen in den Lücken
Annette Hug liest Statistik und Poesie
Siebzehn Prozent: Die Zahl machte in der Weltpresse die Runde. Um so viel ist die Zahl der Geburten in der Volksrepublik China im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Analysen und geplante und geforderte Gegenmassnahmen klingen nach grosser Gesellschaftsmaschinerie: Kinder seien Superkonsument:innen; wenn sie fehlten, sinke die Nachfrage im Inland. Wie soll China vollständige Lieferketten ausbilden – also gegen ausländische Sanktionen immun werden –, wenn der Binnenmarkt nicht wächst? Sind die Familienplanungsbehörden schuld? Haben sie aus Angst, abgeschafft zu werden, lange die Situation beschönigt? Zum Beispiel besteht nach der Einkindpolitik (1980–2016) ein noch grösserer Männerüberhang, ohne Uterus kein Embryo. (Was meint Xi Jinping genau, wenn er von einer «hochwertigen Bevölkerung» spricht? Welche Rolle spielt die – weltweit – abnehmende Spermienqualität?) Wie schnell werden günstige Kinderbetreuungsstätten, Familienzulagen, Beihilfen zum Wohnungskauf und andere Anreize nützen? Endet die Lohndiskriminierung von Müttern? Wann und wo werden junge Frauen überhaupt gehört? Seit Jahren wettert Xi Jinping gegen feministische Aktivistinnen und androgyne Popstars. Politisches Engagement ist gefährlich.