Balkan-Orientalismus
Lange Zeit stand „der Balkan“ im Ruf von etwas Fremdem – leicht unheimlich, aber faszinierend. Jedenfalls in der Vorstellungswelt „des Westens“, für den dieses „andere Europa“ zugleich Traum und Schrecken war: wild und ursprünglich, aber von einer faszinierenden Authentizität, die der modernen Welt abhandengekommen war. Und damit Stoff für Abenteuer und Fantasien aller Art.
Ein sehr besonderes Beispiel ist die ruritanische Romanze. Dieses literarische Genre entstand Ende des 19. Jahrhunderts im angelsächsischen Raum, um sich später in ganz Europa auszubreiten. Der Schauplatz Ruritanien ist eine Operettenmonarchie, die für sämtliche Balkan-Klischees herhalten muss. Erfunden wurde das Fantasieland vom englischen Schriftsteller Anthony Hope in seinem 1894 veröffentlichten Roman „The Prisoner of Zenda“, der so erfolgreich war, dass der Stoff mehrfach verfilmt und sogar als Musical aufbereitet wurde.