Zwangspsychiatrie: «Ich bin eine Leiche zwischen Lebendigen»
Der Basler Journalist Julius Süss ist auf dem Weg zum gefeierten Literaten. Im Berlin der Nazizeit gerät er in Not und zurück in der Schweiz in die Mühlen der Psychiatrie. 33 Jahre lang bleibt er interniert, doch er verschafft sich Luft: mit einer Fülle aberwitziger Zeichnungen.
1923 liest der 26-jährige Julius Süss in Basel erstmals aus seinem literarischen Schaffen vor. Die «Basler Nachrichten», das «Basler Volksblatt» und die «National-Zeitung» sind vom Debüt hingerissen. Sie feiern einen neuen Star, vergleichen Süss, der sich Hans Volkmar nennt, mit Georg Büchner und Balzac, loben seine «kühne Paradoxie», den «grotesken Witz», die «derbe Intuition». Die «National-Zeitung» schreibt, Süss’ Werk münde in eine Botschaft: «Haltet euch nicht ans Realistische, sonst stolpert ihr, seht hinter das Wort!» Doch der weitere Weg des aufstrebenden Autors sollte nicht von Triumphen, sondern vom psychiatrischen Räderwerk geprägt werden.