Literatur: Das Vergehen: Die blosse Existenz

Nr. 13 –

Der ungarische Dramaturg und Autor András Visky erinnert in seinem literarisch grandiosen Roman «Die Aussiedlung» an eine Kindheit in den Lagern des stalinistischen Rumänien der fünfziger und sechziger Jahre.

Dieses Buch ist eine Wucht und zugleich von filigraner Raffinesse. «Die Aussiedlung» führt uns in die fünfziger und sechziger Jahre im stalinistischen Rumänien. Nun gibt es ja einzigartige Bücher in ungarischer Sprache, die aus den Vernichtungslagern der Nazis erzählen: Neben «Roman eines Schicksallosen» (1975) des Nobelpreisträgers Imre Kertész erschien zuletzt auf Deutsch etwa Jószef Debreczenis erschütternder «Bericht aus dem Land namens Auschwitz. Kaltes Krematorium», der vor über siebzig Jahren auf Ungarisch herausgekommen ist. Nun vergegenwärtigt der ungarisch-rumänische Dramatiker und Regisseur András Visky verstörend, welches Leid und Elend die so brutale wie willkürliche Bekämpfung angeblicher «Feinde des Sozialismus» in Rumänien über die eigene Bevölkerung gebracht hat.

Auf über 400 Seiten, in 822 nummerierten Abschnitten, gegliedert ohne Punkt, nur mit Kommata, gestaltet der 1957 geborene Autor sprachgewaltig, was ihm und seiner Familie in seinen ersten Lebensjahren im rumänischen Gulag widerfahren ist – erinnernd, dokumentierend, imaginierend auch.

Um diesen Artikel zu lesen, haben Sie drei Möglichkeiten:

Jetzt die WOZ abonnieren Login (für Abonnent:innen) App laden und Einzelausgabe kaufen