Honigbienen: Schwärmen zum Glück
Der Autor erinnert sich an eine frühere Leidenschaft – und greift sie neu auf. Memoiren eines Kleinimkers.
Am 15. Februar lebt es noch: mein Bienenvolk, ich habe nur eins. Seit November sitzt es eng zusammen und bildet im Stock eine Wintertraube, in deren Zentrum die Königin gewärmt und gefüttert wird. Bienen heizen mit Kontraktionen der Flügelmuskulatur, sie bewegen die Muskeln, ohne zu fliegen, wobei ihr Oberkörper sich erwärmt. An sonnigen Wintertagen fliegen einzelne Bienen hinaus, um die Kotblase zu leeren oder Wasser zu holen. Werden sie krank, dann verlassen sie den Stock oft auch zum Sterben, damit keine Leichen herumliegen. Honigbienen sind sehr reinlich. Es kommt vor, dass ein Imker oder eine Imkerin im Frühjahr den Bienenkasten öffnet und ihn leer vorfindet.
Am 15. Februar fliegt mein Bienenvolk nicht, obwohl schon Haselnuss, Schneeglöcklein und Krokusse blühen und die Weidenkätzchen gerade aus ihren Knospen brechen. Es ist zu kalt. Dass die Bienen überlebt haben, sehe ich durch ein verdecktes Fenster an der Rückseite des Kastens. Ausserdem hinterlassen sie Spuren auf dem herausziehbaren weissen Boden, den man die «Windel» nennt. Früher besuchte der Imker seine Völker am 23. Februar, dem christlichen Petrustag, und klopfte kräftig gegen ihre Behausung. Hörte er ein Aufbrausen, ging er vergnügt nach Hause, wo die Frau schon den Tisch gedeckt hatte. «Bienen wecken» nannte man den Brauch.