Gefährliche Bücher Was schwule Pinguine und Kanarienvögel in der Kohlemine mit rechtem Kulturkampf zu tun haben
Ein Kulturstaatsminister als Bücherfeind? Wer während der letzten Monate nach Deutschland blickte, kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Wolfram Weimer, stockkonservativer oberster Kulturzuständiger der Regierung Merz, schien ausgerechnet einem der traditionellsten Kulturgüter überhaupt den Krieg erklärt zu haben: dem Buch. Zuerst, indem er eigenmächtig drei linke Buchhandlungen entgegen den Empfehlungen einer Fachjury von einer Preisverleihung ausschloss. Kurz darauf sprach er sich auch noch gegen den Ausbau einer Bibliothek aus: Man könne die Bestände doch einfach digitalisieren. Irrsinn? Gefährliche Ignoranz? Oder doch berechnende Strategie eines eingefleischten Kulturkämpfers?