Tourismus: Am Winter festhalten
Seit fast einem Jahrzehnt kämpft das kleine Glarner Skigebiet Elm um eine Vergrösserung seiner Beschneiungsanlage. Lohnt sich das noch?
Stefan Elmer ist das Gesicht des hintersten Unternehmens im Sernftal. Weiter hinten kommt nur noch der Militärschiessplatz Wichlen. Im Oktober 2023 sitzt er im Büro der Bergbahnen Elm, einem unscheinbaren, länglichen Haus mit tief hängendem Dach aus braunen Glattziegeln, umzingelt von einer Kette aus Gipfeln: Gross Kärpf, Hausstock, Glarner Vorab, Segnes und Surenstock. Es ist 23 Grad warm. An den Felswänden färbt der Herbst zögerlich die Zitterpappeln gelb, und am schattigen Nordhang liegt in der Höhe eine dünne Schicht Schnee. Der Chef der Bergbahnen holt aus: Das Problem mit dem Schnee sei klar. Es hat zu wenig davon.
Wie sich herausstellt, ist das Problem aber doch nicht nur, dass es zu wenig Schnee hat, sondern auch, dass man nicht mehr mit Schnee auf den Winteranfang rechnen kann. Das ist entscheidend. Denn das Weihnachtsgeschäft – also zwei Wochen im Jahr – macht rund ein Viertel des Winterumsatzes der Sportbahnen aus. Und der Winterumsatz generiert achtzig Prozent des Jahresumsatzes.
Können Pisten zur Weihnachtszeit nicht garantiert werden, fällt dem Bahndirektor Elmer der entscheidendste Teil der Kundschaft weg. Das habe Folgen für das ganze Tal, sagt er. An der Strasse zu den Bergbahnen stehen das Hotel Elmer, die Après-Ski-Bar Gitzihimmel, das Hotel Bergführer, das Gasthaus Segnes und das Hotel Sonne. Dazu kommt eine Vielzahl an Gruppenunterkünften im Tal und bei der Mittelstation. Bis auf die Fabrik von Elmer Citro ist fast das gesamte Gewerbe im Sernftal – und mit ihm die Glarner:innen, die dort arbeiten – existenziell abhängig von Image und Auslastung der Sportbahnen Elm.
Weniger Tage, mehr Wasser
2018 hat die Glarner Landsgemeinde deshalb beschlossen, «touristische Kerninfrastrukturen» finanziell zu fördern. Laut Bericht der Landsgemeinde gilt eine Infrastruktur als förderungswürdig, wenn sie «wesentlich für die touristische Attraktivität» der Region ist und deren «Ausfall wirtschaftliche Konsequenzen für die übrigen Akteure der Region» hat. Die Sportbahnen Elm schmieden seither an einem Entwurf für den Ausbau ihrer Beschneiungsanlage. Zusätzlich zu den drei aktuell beschneibaren Pisten sollen die Schlittelstrecke und zwei weitere Pisten beschneit werden. So würde der Anteil der künstlich beschneiten Pisten an den vierzig Pistenkilometern von 23 auf 35 Prozent wachsen.
Diese neue Anlage sollte die Pisten idealerweise in drei bis vier Tagen beschneien können – denn zum Beschneien braucht es kalte, trockene Luft. Dafür misst man die sogenannte Feuchtkugeltemperatur, für die auch die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielt: je feuchter, desto höher. Wirtschaftlich ist das Beschneien laut dem Sportbahnbetreiber Elmer nur an Tagen mit einer Feuchtkugeltemperatur unter minus drei Grad Celsius.
Aber im November und Dezember werden diese Tage rarer. Je kürzer die kalt-trockenen Phasen, desto mehr wird aufs Mal beschneit, desto mehr Wasser muss aufs Mal bereitstehen. Das ist die Faustregel. Um die Beschneiungsfläche abdecken zu können, würden die aktuell 23 Schneeerzeuger durch mehr als 100 weitere ergänzt. Diese würden in rund 200 «Einschneistunden», darunter die erwähnten drei bis vier Tage vor Weihnachten, rund 133 000 Kubikmeter Wasser brauchen – das Volumen eines mittelgrossen Einkaufszentrums.
Bei einer so grossen Wassermenge ist es sinnvoll, bergwärts zu schauen und nicht ins Tal. Würde Wasser oberhalb des Gebiets gespeichert, könnte es Anfang Saison mit kleinem Energieaufwand ins tiefer gelegene Skigebiet geleitet werden. Dafür gibt es seit längerem einen Plan, und zwar vom früheren Leiter der lokalen Elektrizitätswerke, Sämi Hefti. Hefti fand oberhalb des Skigebiets den Chüebodensee, perfekt gelegen für eine synergetische Nutzung als Stromquelle im Sommer und zur Beschneiung im Winter.
Sein Vorschlag «Elmer Hydro» sah vor, die technische Beschneiung des Skigebiets und die Stromproduktion für das Dorf gemeinsam auszubauen. Dafür würde der See «sanft aufgestaut» und sein Wasser nach Bedarf von 2046 Metern über Meer ins Herz des Gebiets auf 1400 Meter heruntergeleitet. Das wäre die effizienteste Lösung. Heftis Idee wurde sogar ausgezeichnet: 2009 wurde ihm für «Elmer Hydro» der Swiss Mountain Water Award überreicht, Bundesrätin Doris Leuthard applaudierte.
Auch der Sportbahnen-Chef Stefan Elmer findet: «Der Chüebodensee wäre für die Beschneiung eigentlich ideal.» Die Frage ist allerdings: Lohnt es sich, für einige Jahrzehnte – die Prognosen für die Laufzeit der Beschneiungsanlage sagen zwanzig bis vierzig Jahre – Leitungsschächte hoch zu einem Bergsee in einem uralten Wildschutzgebiet zu bauen und diesen aufzustauen?
Wie sich herausstellt, liegt das letzte Wort zu dieser Frage nicht bei einer Person aus Elm, sondern bei einem Zürcher Winzer. Ihm gehört die Alp Chüeboden. Sein Name ist Niklaus Zahner. Er ist Weinbauer, ein ausgezeichneter sogar: 2023 hat es sein Rebgut auf die Gault-Millau-Liste der besten 150 Schweizer Winzer geschafft. Zahner wohnt in Truttikon im Zürcher Weinland, und vor ihm gehörte die Alp Chüeboden seinen Eltern. Wie kam es dazu?
«Ein anderes Klima»
«Am Río de la Plata war es topfeben.» Niklaus Zahner erinnert sich: Seine Eltern hatten in den sechziger Jahren in Argentinien gewohnt, der Lebensmittelkonzern Nestlé hatte seinen Vater dorthin versetzt. Als die Familie in die Schweiz zurückkehrte, wo Niklaus auf die Welt kam, absolvierte der Vater eine Managementausbildung und kaufte einen brachliegenden Rebberg in Truttikon. Dann widmeten sich Zahners Eltern der Suche nach einer Alp, die sie übernehmen könnten. So kam es, dass die Familie Zahner die Alp Chüeboden oberhalb von Elm kaufte, auf ihr zwei Hütten baute und begann, Schafe zu sömmern. In Truttikon lief die Weinproduktion gut. Immer besser sogar.
Als Niklaus Zahner Nachfolger des Weingeschäfts wurde, profitierte er von immer wärmeren Jahren. Spätestens ab den Neunzigern sei es merklich wärmer geworden. «92 war ein schöner Sommer; 97, 98, 2000, 2002 …» Der Weinbauer Zahner denkt in Jahrgängen. «2003 war ein anderes Klima. Unsere Trauben erreichten hundert Grad Öchsle, ein unglaublicher Zuckergehalt.» Da habe er gedacht, der Klimawandel sei ja noch gut für den Rebbau.
Die immer wärmeren Jahre brachten schneeärmere Winter, sodass die Talabfahrt in Elm erste Male geschlossen blieb. Mit jeder Skisaison stieg die Unsicherheit darüber, was der Winter bringen würde, und die Sportbahnen Elm bauten etappenweise ihre erste Beschneiungsanlage aus.
Im Sommer liegt der kleine Chüebodensee sanft eingebettet in einer hügeligen Umgebung aus Grün. An seiner hinteren Seite erhebt sich eine Felswand, wo man immer wieder Steinböcke, Murmeltiere und Gämsen beobachten kann. Zwischen den grossen Felsbrocken wachsen Silberdisteln. «Elm ist natürlich ein privilegiertes Wandergebiet», meint Zahner, «alle zwanzig Meter ein Bach, aus dem du trinken kannst.» Er musste sich diese Sache mit dem See gut überlegen. Und kam zum Schluss: «Einige wenige Jahrzehnte Ski fahren sind es nicht wert, den Chüebodensee anzubohren.» Welche Auswirkungen ein Aufstauen für die Alp hätte, könne man schlicht nicht wissen. Das Wasser könnte durch die veränderten Druckverhältnisse andere, tiefer liegende Abflussmöglichkeiten finden. Sänke der Seespiegel, würde das die Wasserversorgung der Alp gefährden.
Auch die Naturschutzverbände Pro Natura, WWF und Birdlife sprachen sich gegen eine Nutzung des Chüebodensees aus. Barbara Fierz, Geschäftsleiterin von Pro Natura Glarus, sagt, dafür gebe es zwei Gründe: «Erstens liegt der See im Jagdbanngebiet Freiberg Kärpf und damit in einem Schutzgebiet. Zweitens würde eine Nutzung des Sees die darunterliegenden Moorgebiete beeinträchtigen.» Das Jagdbanngebiet ist das älteste Europas. 2023 feierte der Kanton dessen 475-Jahr-Jubiläum. Ausserdem sind in den letzten 200 Jahren neunzig Prozent der Moore in der Schweiz trockengelegt worden – dabei sind sie für die Biodiversität und für das Speichern von CO₂ elementar. Dementsprechend sei die Nutzung des Gebiets um den Chüebodensee ein No-Go, so Fierz.
Im September 2023 haben die Sportbahnen unter Stefan Elmer ihren überarbeiteten Gegenvorschlag für eine Ausweitung der Beschneiungsanlage beim Kanton eingereicht. Er trägt den Namen «Futuro». In der Überarbeitung seien auch noch andere Standorte für einen Stausee geprüft worden, sagt Elmer einen Monat später, aber überall sei entweder die Lawinengefahr zu hoch oder die Landschaft zu geschützt. Also sieht der neue Plan vor, das Wasser aus dem Talfluss statt aus dem Bergsee zu beziehen.
Das Geld steckt im Winter
Elm, Oktober 2023. Auf dem Kiesplatz zwischen den Kassen und der Skischule sammelt sich die Tageskundschaft. Eine Gruppe Teenager rasselt auf tiefgelegten Dreirädern den Wanderweg runter, sie kreischen. Über ihnen grummelt die Gondelbahn. Im Hang unter ihr liegen die Geissen im immer noch weichen Gras, weiter oben weiden Kühe mit warm klingenden Glocken und Jungtiere mit verwuscheltem Fell in der Sonne. Ein Plakat prangt über dem Vorplatz: «Auch im Sommer paradiesisch schön.»
Auch wenn der Sommertourismus in verschiedenen Bergregionen Jahr für Jahr wächst, ist seine wirtschaftliche Relevanz im Vergleich zum Wintertourismus immer noch verschwindend klein. Ganze Täler, Gemeinden und Kantone sind abhängig davon, dass im Winter auf den Pisten ihrer Skigebiete Schnee liegt. Das macht die Beschneiung nicht nur zum Thema für voralpine Skigebiete. Wer darf und kann, baut seine Kapazitäten aus: Téléverbier, Betreiber des grössten Skigebiets der Schweiz, hat 2021 seine Anlage so ausgeweitet, dass seine 412 Pistenkilometer nun vollständig gleichzeitig beschneit werden können. Das Skigebiet Zermatt bezieht sein Wasser zur Beschneiung aus fünf Stauseen und einer unterirdischen Wasserfassung.
Das Elmer Bauvorhaben ist im Vergleich winzig: 40 Pistenkilometer insgesamt, 35 Prozent davon sollen beschneit werden. 55 Prozent sind der Schweizer Durchschnitt. Und obwohl die Pistenpräparation und mit ihr die Beschneiung einen steigenden Anteil der Gesamtkosten für alle Skigebiete ausmacht, bleibt sie in der Gesamtenergierechnung pro Kopf und Skitag ein Bruchteil: Laut einem Beitrag von SRF fällt in der Schweiz aktuell nur ein Viertel des Pro-Kopf-CO₂-Ausstosses im Skigebiet selbst an. Drei Viertel entstehen bei der Anreise, da die meisten Tourist:innen weiterhin mit dem Auto ins Gebiet fahren. Und weil gilt «längere Strecken, mehr Abgase», gibt es ein Argument für den Erhalt kleinerer voralpiner Skigebiete.
Anfang Dezember 2023 fällt eine Rekordmenge Schnee in Elm. Darauf folgen zwei passable Winter. Die Glarner Alpen sind bekannt für ihre Schneemengen, das bestätigt nun auch der «Kompass Schnee»: Im Auftrag der Seilbahnen Schweiz und der Tourismusverbände errechnet das Onlinetool wissenschaftlich basierte Schneefallprognosen und Beschneiungspotenziale für die Schweiz, geordnet nach Klimaszenario, Region und Meereshöhe.
Bettina Richter vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat das Projekt wissenschaftlich begleitet. Mit Blick auf den «Kompass Schnee» sagt sie: «Elm dient als Beispiel für ein Skigebiet in mittlerer Lage. Die Daten zeigen: Das Gebiet ist sehr schneereich, jedoch werden die angestrebten hundert Beschneiungsstunden bis Weihnachten in den nächsten zwanzig Jahren nicht mehr jeden Winter erreicht.» Das betreffe vor allem tiefer gelegene Pisten wie die Talabfahrt, die künftig teilweise mehr Aufwand für die Präparation benötigen werde. «Für den Skibetrieb an sich sollte jedoch auch in zwanzig Jahren noch ausreichend Schnee zur Verfügung stehen.»
Barbara Fierz, Geschäftsleiterin von Pro Natura Glarus, sieht das anders. Laut ihr versucht das Projekt immer noch, einen Ist-Zustand möglichst lange in die Zukunft zu retten, ohne Visionen, wie man wirklich mit dem Klimawandel umgehen wolle. Sie hat zusammen mit dem WWF mehrmals erfolgreich gegen frühere Versionen von «Futuro» geklagt: weil ein Teil des Skigebiets im Jagdbanngebiet Freiberg Kärpf lag und deshalb eine einfache Baubewilligung nicht reichte. Und weil wichtige Erhebungen im Umweltverträglichkeitsbericht gefehlt hätten, beispielsweise zum Bestand der Raufusshühner, der Amphibien oder der Libellen.
Der erste Streitpunkt klärt sich im November 2023. Nach langem Engagement der Umweltverbände bewilligt der Bundesrat die Umlegung eines Teilgebiets: Das Jagdbanngebiet wird um die Fläche der Intensivsportzone verkleinert. Die dadurch verlorene Fläche wird mit einem neuen Jagdbanngebiet im Chrauchtal bei Matt kompensiert. Welche Auswirkungen das auf die Tierbestände hat, weiss man nicht wirklich. Der zweite Streitpunkt blieb ungelöst: «Der Kanton hat den ungenügenden Umweltverträglichkeitsbericht akzeptiert», sagt Fierz. «Das war eines der Grundprobleme bei diesem Projekt. Seit das Geld für die ‹touristischen Kerninfrastrukturen› gesprochen worden war, stand die Verwaltung unter grossem politischem Druck, das Projekt zu bewilligen, und konnte nicht mehr unabhängig arbeiten.»
13. Februar 2024. Der Gemeinderat Glarus Süd bewilligt das Bauvorhaben «Futuro». Die Grünen Glarus Süd ergreifen das Referendum, unterstützt von den Umweltverbänden. Sie sammeln dreimal so viele Unterschriften wie nötig. Im Juni des gleichen Jahres finden sich 709 Stimmberechtigte in der Sporthalle Schwanden ein. Redner:innen melden sich zu Wort gegen die Talabfahrt; für einen revidierten Plan; gegen eine Verzögerung des Projekts, um das Risiko von ausbleibendem Schnee vor Weihnachten nicht noch mehr auszureizen. Schliesslich stimmen 242 dagegen – und 420 dafür. Barbara Fierz sagt heute: «Wir hätten uns anderes von der Gemeindeversammlung erhofft, weil wir von vielen Leuten wussten, die diesen Ausbau nicht wollten. Aber an der Gemeindeversammlung die Hand aufzustrecken, das braucht schon mehr Mut, als ein Referendum zu unterschreiben.»
Grünes Licht für «Futuro». Die Sportbahnen schreiben, dass sie schon im folgenden Sommer mit dem Ausbau beginnen möchten, sodass die neue Anlage in der Wintersaison 2025/26 in Betrieb genommen werden könnte – ein Plan im Eiltempo, nachdem die Sportbahnen acht Jahre um diesen Ausbau gekämpft haben. Doch noch bevor es Winter wird, reichen die Umweltverbände eine letzte Beschwerde ein: Es sei «unklar, ob mittel- bis langfristig tatsächlich ausreichend Wasser für die Beschneiung vorhanden ist», schreiben sie in ihrer Medienmitteilung vom 13. September 2024.
Bis die Sportbahnen die nötigen Unterlagen nachreichen, liegt «Futuro» auf Eis. Ein Winter vergeht. Die Sportbahnen reichen die nötigen Wasserprognosen zum Sernf im März 2025 nach, die Umweltverbände ziehen ihre Beschwerde zurück. «An diesem Punkt bedeutet jede Verzögerung dieses Bauvorhabens die Gefährdung unserer Existenz», sagt Stefan Elmer. Ein Sommer vergeht.
Die Entscheidung
Weit hinter Elm fallen der Wichlenbach und der Jetzbach vom Hausstock Richtung Tal, werden zum Sernf, der sich seinen Weg nach Elm bahnt. Von den umliegenden Berghängen fliessen weitere Runsen und Bäche zu: Vom Gross Kärpf rinnt der Erbsbach, von der Bischofalp der Bischofbach, aus dem Skigebiet der Steinibach, vom Surenstock der Raminbach. Ihre Wasserspiegel schwellen im Frühling an, erreichen im Frühsommer ein Hoch, fallen im Herbst wieder ab und in den Wintermonaten auf ihre Tiefststände. Vielen Flüssen wird Wasser für die Stromproduktion entnommen.
Damit Wasserlebewesen bei tiefem Wasserstand nicht gefährdet sind, legt das Gewässerschutzgesetz die sogenannte Restwassermenge fest. Führt ein Fluss nicht mehr Wasser als die Restwassermenge, darf ihm kein Wasser entnommen werden. An der Entnahmestelle im Sernf ist die Restwassermenge 318 Liter pro Sekunde. Die Beschneiungsanlage benötigt an den Einschneitagen im November und Dezember bis zu 250 Liter pro Sekunde, also einen Sernf, der mindestens 568 Liter Wasser pro Sekunde führt. Wird das Wasser in Zukunft ausreichen? Laut dem Bundesamt für Umwelt wird der Klimawandel das Abflussverhalten der schweizerischen Fliessgewässer verändern. Mit den schwindenden Gletschern nehmen die Wassermengen im Sommer langfristig ab. Wo im Winter die Schneefallgrenze steigt, erreicht mehr Regenwasser die Flüsse.
Die nachgereichten Unterlagen und Prognosen reichen aus. Zum Vorwurf von Barbara Fierz schreibt Darko Cetojevic von der Staatskanzlei des Kantons Glarus: «Die Unabhängigkeit der Fachpersonen bei der Beurteilung des Projekts ‹Futuro› der Sportbahnen Elm war jederzeit gewährleistet.» Bei der Erarbeitung des Beschneiungsprojekts sei verschiedensten Forderungen der Umweltverbände entsprochen worden. «So verzichteten die Sportbahnen auf den Einbezug des Chüebodensees für die Wasserentnahme. Weiter wurde in der Baubewilligung eine Umweltbaubegleitung festgeschrieben und wurden verschiedene Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen zur Aufwertung von Flachmooren und Renaturierungsmassnahmen bei der Sernf und dem Mattbächli als Auflagen vorgeschrieben.» Der Sondernutzungsplanung und das Baugesuch seien mittlerweile rechtskräftig.
Knapp zehn Jahre nach den ersten erweiterten Beschneiungsplänen für Elm ist sie da: die Baubewilligung. Baustart für «Futuro» ist im Sommer 2026. Ein aufblasbares Schlauchwehr wird im Fluss hinter dem Parkplatz installiert, im Gebiet werden Leitungen gelegt, vier Pumpstationen in den Boden gebaut, Schneeerzeuger angeschafft. Die neue Anlage soll schon im nächsten Winter in Betrieb genommen werden.