«Es ist beschämend, dass Schwarze den Hass auf Schwarze befeuern» In Südafrika bekämpft die antifaschistische Bewegung der Hüttenbewohner:innen Fremdenhass, Diskriminierung und Unterdrückung.

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WOZ: S’bu Zikode, wie sind Sie Antifaschist geworden?

S’bu Zikode: S’bu Zikode: Ich bin von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen worden, die als Hausangestellte für die weisse Elite arbeitete. Fürs Studium ging ich in die Stadt, konnte meinen Abschluss aber aus finanziellen Gründen nicht machen und landete in einem Slum. Man könnte sagen: Mein Leben war ein Desaster, das hat mich politisiert. Ich entschied, dass ich für Gerechtigkeit kämpfen muss.

WOZ: Stimmt der Eindruck, dass Antifaschismus als Begriff in Südafrika nicht besonders präsent ist?

S’bu Zikode: Ja, der Aufstieg des Faschismus erschien uns lange als fremdes Problem. Aber mittlerweile gibt es eine gut finanzierte Schwarze Rechte, die fremdenfeindliche Kampagnen gegen Einwander:innen macht – vor allem die Partei Operation Dudula, die afrikanische Migrant:innen aus dem Land schmeissen will. Es ist beschämend, dass Schwarze den Hass auf Schwarze befeuern.

WOZ: Und wie steht es mit der Gefahr durch weisse Rechtsextreme?

S’bu Zikode: Die Buren, die sich bei Donald Trump über einen angeblichen «Genozid» an weissen Südafrikaner:innen beschwert haben, leben in einer abgeschotteten Stadt. Sie feiern die Verbrechen der Apartheid. Das ist grauenhaft, aber insgesamt halte ich sie nicht für die grösste Gefahr.

WOZ: Wer steckt hinter dem Schwarzen Rechtsextremismus?

S’bu Zikode: Das ist zwar keine staatliche Politik, aber es gibt wichtige Einzelpersonen in der Regierungspartei ANC, die Migrant:innen aus anderen afrikanischen Ländern zu Sündenböcken für ihre eigene Politik machen wollen; für die schlechte Versorgung im Gesundheitswesen oder den Wohnungsmangel zum Beispiel.

WOZ: Wie versucht Ihre Bewegung der Hüttenbewohner:innen, diese Rechte zu stoppen?

S’bu Zikode: Wir wollen, dass die Bevölkerung für soziale Rechte kämpft, statt sich spalten zu lassen. Also versuchen wir, darüber aufzuklären, woran es liegt, dass die Krankenhäuser überfüllt sind – nämlich nicht an unseren Nachbar:innen, sondern an der Entscheidung der Regierung, bei Sozialausgaben zu sparen, um den Wünschen der Reichen zu entsprechen. Ausserdem mobilisieren wir auf der Strasse. Operation Dudula organisiert immer wieder Kundgebungen, um Migrant:innen den Einlass in Spitäler zu verwehren. Wir organisieren Gegendemonstrationen, nehmen bedrohte Migrant:innen bei uns auf oder bringen diese Fälle vor Gericht.

WOZ: Sie sind wegen Ihrer politischen Arbeit schon häufiger mit dem Tod bedroht worden. Mehrere Mitglieder Ihrer Bewegung wurden umgebracht. Wer war für diese Angriffe verantwortlich?

S’bu Zikode: Für die Morde an Mitgliedern unserer Bewegung sind direkt staatliche Stellen verantwortlich. Oft steckten die Polizei und lokale Behörden dahinter. Die alten Opfer der Apartheidpolitik, die ANC-Führungsmitglieder, sind selbst zu Unterdrückern sozialer Forderungen geworden. Wegen der Mordanschläge auf unsere Bewegung wurden zwei ANC-Stadträte in Durban verurteilt.

WOZ: Was war Ihr wichtigster Erfolg im Kampf gegen rechts?

S’bu Zikode: Letztes Jahr hat Operation Dudula in Johannesburg eine Demonstration gegen die südafrikanische Menschenrechtskommission organisiert. Unser Protest dagegen war grösser als die Demo der Rechten. Das hat uns sehr ermutigt.

WOZ: Arbeiten Sie international mit Gruppen zusammen, die Fremdenfeindlichkeit bekämpfen?

S’bu Zikode: Wenn ich in Nachbarländer reise, bin ich immer etwas beschämt, weil es dort diese Art von Fremdenfeindlichkeit wie bei uns eigentlich nicht gibt. Südafrika ist in dieser Hinsicht leider führend. Aber natürlich arbeiten wir in internationalen Netzwerken, die für soziale Rechte kämpfen. So haben wir etwa Beziehungen zur brasilianischen Landlosenbewegung­ MST.

Unsere Bewegung glaubt an den Geist von Ubuntu: Jedes menschliche Wesen ist, wo auch immer, jedem ­anderen Wesen verbunden – diese Philosophie kennt keine Grenzen. Deshalb sind wir auch mit den Menschen in Palästina, im Sudan, im Kongo und anderswo solidarisch. Wir wollen eine Bewegung der Bewegungen aufbauen, die über alle Grenzen hinweg für die Arbeiter:innen und gegen die Ungleichheit kämpft.

S’bu Zikode lebt in Durban und ist Vorsitzender der südafrikanischen Bewegung der Hüttenbewohner:innen (Abahlali baseMjondolo), die 180 000 Menschen organisiert. Die Bewegung entstand 2005 im Kampf gegen Zwangsräumungen und setzt sich auch für die Rechte afrikanischer Migrant:innen in Südafrika ein.