Wichtig zu wissen: Es war ein Eingriff nötig
Ruedi Widmer über Ansprüche
Der medizinische Begriff «Eingriff» (diverse Schweizer Medien) ersetzt den «Angriff» (veraltet). Angriff, das macht vielleicht der böse Russe oder Hunne oder Hitler, aber Donalds geniale Maduro-Festnahme ist nur ein korrigierender Eingriff – eben eine Spezialoperation. Schliesslich ist der amerikanische Norddiktator Goldbarrenpartner der Schweiz, und Rolex-Kunde dazu, da fällt man (der Kunde ist König) diesem auch nicht in den Rücken, er könnte ja wieder kommen (daran zweifelt niemand: schon in wenigen Tagen nach Davos).
In Deutschland ist es ähnlich. Vor lauter Abwägerei (nach den Festtagsschmäusen) äussert sich auch Friedrich Merz (dt. Kanzler) so undeutlich wie möglich zum Fall Venezuela. Er muss sich zuerst noch mit den USA absprechen, bevor er die Aktion richtig einordnen kann.
Stalinorgel Dmitri Medwedew war dafür schneller und drohte bereits damit, Merz zu entführen, was in vielen deutschen Communitys nicht mal besonders schlecht aufgenommen wurde.
Alle Politiker:innen (bis auf einige südamerikanische) betonen bei allem aber doch wie selbstverständlich, Maduro sei ein schlimmer Diktator gewesen. Die venezianische Bevölkerung atme weltweit auf. Man müsse mal zuerst das Positive sehen. Das denken sich auch die Deutschen, deren vieldiskutierte Stadtbilder sich ohne Kanzler Merz auch zum Besseren wenden würden.
Was heisst das für die Schweiz? Ist es vorstellbar, dass amerikanische Helikopter in Bern einfallen und ein Sonderkommando unsere Oberlehrerin Karin Keller-Sutter fasst, um sie dem Donald zum Frass vorzuwerfen? Und dann die ausländischen Zeitungen auch schreiben, es sei vielleicht schon eher unüblich, aber man solle jetzt zuerst mal abwarten? Keller-Sutter sei ja schliesslich schon eine sehr krasse Oberlehrerin gewesen, und das habe vielen Menschen in der Schweiz nicht gepasst, viele hätten sich nicht mehr ins Migros-Restaurant getraut, weil man da immer mit ihrem Auftauchen habe rechnen müssen. Und deshalb geht es der Migros sehr schlecht (nie Aromat-Zweifel-Chips im Regal). Nun soll Trump zuerst mal die Übergangsoberlehrerschaft bilden, und dann sehe man weiter, ob man den Eingriff verurteile. Irgendwann lohnt es sich ja dann auch gar nicht mehr. Das Volksparteirecht sei überdies auch nicht verletzt worden, weil die Zielperson bei der FDP gewesen sei.
Parmelin oder Gantner können mal übernehmen. Wichtig ist, dass Trump das Schweizer Rapsöl vollumfänglich in die USA hinüberpumpen kann. Ansonsten gelte es, zu beobachten, abzuwarten und zu vergessen.
Nun hat Pete Hegseths Frau auf Instagram ein Bild des Aletschgletschers mit der US-Fahne gepostet. Trump wolle den Gletscher haben, aus strategischen Gründen, aber auch, weil darunter viele Rohstoffe schlummern (Walliser Aprikosen, Weisswein, Fondue). Der Walliser Ballkönig Infantino wird ihm den Gletscher persönlich an der WM vorbeibringen.
Ganz anders als der missmutige Ministerpräsident Grönlands, Jens-Frederik Nielsen, und sein sturer König Frederik zu Dänemark. Trump erhebt ja auf Grönland Anspruch. So schreiben das wiederum manche Schweizer Medien. Das klingt wie «Eingriff» sachlich, korrekt und zivilisiert – irgendwie juristisch. Wir Schweizer:innen erheben ja auch Anspruch auf faire Behandlung durch die Behörden etc. Anspruch erheben ist ein Menschenrecht, und ergo darf Trump das, ohne dass man ihm von den auftauenden Gletscherrändern herunterfallende Steine in den Weg legt.
Aber eigentlich ist es ganz einfach wie immer bei Trump: Maduro hat halt einfach das gemacht, was Trump 2021 machen wollte, aber nicht schaffte. Ihm wurde wie Trump «die Wahl gestohlen». Aber Maduro schaffte es, illegal an der Macht zu bleiben. Das fuchst Trump.
Donald Trump wird nie schaffen, was Ruedi Widmer schaffte: Cartoonist in Winterthur zu sein.