Kost und Logis: Diese Pflanze ist ein Wunder

Nr. 2 –

Bettina Dyttrich wirbt für Süsslupinen

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Wie lässt sich ein bezahlter PR-Artikel stilistisch von einem positiven journalistischen Text unterscheiden? Diese Frage stellte die ehemalige WOZ-Redaktionsleiterin Susan Boos Journalismusstudent:innen regelmässig. Eine Fangfrage – die Antwort lautet nämlich: Es ist unmöglich. Schreibt eine Journalistin enthusiastisch über eine Firma, ein Restaurant oder ein Hilfswerk, weil sie deren Arbeit wirklich überzeugt? Oder weil es Geld dafür gibt? Das lässt sich beim Lesen nicht sagen. Auch darum ist eine Kennzeichnung von Werbetexten so wichtig.

Bei der WOZ kann man zwar Texte wünschen – aber was wir schreiben, entscheiden wir selbst. Und schon gar nicht übernehmen wir fertige «Textbausteine», wie sie Firmen oder NGOs gern zur Verfügung stellen. Auf etwas hinweisen, das wir gut finden – das geht allerdings schon. Die Werbung, die nun folgt, ist tatsächlich auf Anregung einer NGO entstanden. Weil mich das Projekt überzeugt: Die Stiftung Biovision, die in verschiedenen Ländern Afrikas ausgeklügelte ökologische Landbaumethoden fördert, wählt die Süsslupine zum «Superfood des Jahres 2026».

Süsslupine? Nie gehört? Leider fristet diese uralte Kulturpflanze heute ein Nischendasein. Dabei ist sie ein Wunder: Ähnlich wie Soja haben ihre Bohnen einen Proteingehalt von vierzig Prozent, enthalten diverse Vitamine, viele Ballaststoffe, aber kaum Kohlenhydrate. Als Hülsenfrucht düngt sich die Süsslupine selber: Die Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln reichern den Boden mit Stickstoff an. Sie blüht im Juni blau und weiss und gibt Bienen und Hummeln Nahrung. Sie erträgt Kälte besser als Soja und fördert den Humusaufbau.

Eine Degustation zeigt: Lupinentofu hat eine ähnliche Konsistenz und schmeckt auch ähnlich wie Tofu aus Soja. Ausserdem gibt es im Bioladen Lupinenaufstrich, Lupinenbohnen im Glas und Lupinenkaffee. Auch Flocken sind erhältlich, und mit Lupinenmehl lassen sich beim Backen Eier ersetzen. Ein höherer Anteil pflanzlicher Nahrung ist nicht nur gesünder, sondern auch umweltfreundlicher. Vor allem lassen sich viel mehr Menschen ernähren, wenn die Proteine direkt vom Acker im Kochtopf landen, statt zuerst noch an Tiere verfüttert zu werden.

Aber wie lassen sich die Konsument:innen davon überzeugen? Es ist in links-grünen Kreisen verbreitet, über «die Bauern» zu schimpfen, weil die so viele Tiere halten. Doch die Landwirt:innen verweisen zu Recht auf die hohe Nachfrage nach Fleisch und Eiern. Damit die Nutztierzahlen abnehmen, braucht es mehr Pflanzen auf dem Teller. Die Gastronomie könnte hier mehr Verantwortung übernehmen – vor allem auch öffentliche Institutionen wie Mensen, Schul- und Heimküchen.

Und es braucht die Politik: Biovision weist darauf hin, dass es heute kaum möglich ist, in der Schweiz kostendeckend Süsslupinen anzubauen. Grenzschutz wäre nötig – wie es ihn beim Gemüse auch gibt.

Bettina Dyttrich ist WOZ-Redaktorin.