Wichtig zu wissen : Offene Korruption

Nr. 10 –

Ruedi Widmer über Familienpolitik

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Deutschland erlebt gerade die sogenannte Verwandtenaffäre (auch Verwandtenbeschäftigung). Es geht darum, dass viele AfD-Abgeordnete ihre Familien nachziehen – direkt in die Ämter und Schaltstellen der Partei, aber auch der Länder. Da kommt es gerne vor, dass Onkel und Tante des Abgeordneten fleissig mithelfen im Parlamentarierbüro im sachsen-anhaltinischen Landtag und dafür gutes Steuergeld erhalten. Dort zum Beispiel hat der durchschnittliche AfD-Mann bis zu sieben persönliche Mitarbeiter:innen, oft direkte Verwandte (Grosseltern), auf Kosten der Allgemeinheit angestellt, im Gegensatz zur CDU, deren Abgeordnete mit durchschnittlich drei Personen auskommen. Das ist in einem traditionellen kleinbürgerlichen Familienbetrieb wie der AfD auch nicht erstaunlich, da helfen alle in Haus und Hof mit, wo es doch sonst schon keine Arbeit gibt. Kleingewerbe statt Visionen, das erdet den Landtag und auch den Bundestag auf Blut und Boden.

Es geht in der Politik um Wachstum und Gewinn. Sie ist ein Gewerbe, wahrscheinlich das zweitälteste der Welt. Und oft sind die verlässlichsten Player nun mal die Familienbetriebe. Die Familie Trump liefert zum Beispiel der Familie Chrupalla (AfD) die für die Bundestagswahl im Herbst nötige iranische «Flüchtlingswelle», die auch noch der Rassemblement National für 2027 brauchen kann. So funktionieren Familienbande, sie basieren auf gegenseitigem Vertrauen, auf langjähriger Zusammenarbeit.

Korruption ist ja streng genommen auch kein Problem – der Mensch ist das Problem. Es gibt viele, die zum Beispiel gegenüber der öffentlich bekannten Korruption bei der EU ablehnend reagieren. Aber die AfD-Korruption bleibt in der Familie (z. B. Fam. Orbán) und ist somit eine schöne Tradition, die nicht gross Aufsehen in der Öffentlichkeit erheischen möchte.

Diese Harmonie sieht die Schweizer AfD-Parteichefin Alice Weidel gefährdet. Die Sache werde von den Medien aufgebauscht. Diese stellen aus Sensationsgier natürliche Verwandtschaftsbeziehungen infrage. Warum sollte ein Vater seinem Sohn bei der politischen Arbeit nicht helfen? Er kann wertvolle Erfahrungen in den Parlamentsbetrieb bringen, die zum Beispiel steuersenkend wirken. Geld verdienen ist immer gut für die Wirtschaft. Gerade heute müssen doch alle, ob jung oder alt, am gleichen Strick ziehen! Das Modell der Helikopterparlamentarier:in macht in Deutschland die Runde. Mutter Chrupalla schwebt im Bundestag über ihrem Sohn Tino. Herzogin von Storch brütet in ihrem Bundestagsnest Jungnazis aus. AfD-Abgeordnete im Wirtschaftsausschuss bringen stets ihre Vettern mit.

Und warum sollen Ehepaare nicht gemeinsam Politik machen? Das setzt Synergien frei und hat auch einen Spareffekt – die gleiche Wohnadresse zum Beispiel. Das Ehepaar Trump hat die Kontrolle über sämtliche supranationalen Organisationen. Donald mit dem Vorsitz des Weltfriedensrats, Melania als neue Uno-Generalsekretärin. Alles aus einer Hand.

Gerade die Familie Kim in Nordkorea und die Familie Ajatollah im Iran zeigen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Politik geht.

Auch in der Schweiz gibt es Verwandte in der Politik, weitgehend ohne Korruption, wie zum Beispiel die Dynastie Fehr (Mario, Jacqueline, Hans, Hans-Jürg) oder die sich im Familienbesitz befindende Firma Blocher Politik AG (Christoph und Bruder Gerhard). Im Reich der Mitte gibt es die Dynastie Pfister (Martin und Bruder Gerhard).

Verwandtschaft sollte kein Hindernis sein, in die Politik zu gehen. Karin Keller und Karin Sutter teilen sich schon lange eine Stelle als Bundesrätin. Man darf auch Elisabeth Schneider-Schneiter nicht vergessen. Oder, aktuell, Chomeini-Chamenei. Schon fast eineiige Verwandtschaften mit nur leichten Chromosomenverschiebungen.

Chrupallah akbar!

Ruedi Widmer hat sich einst wegen seines passenden Namens bei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf beworben – aber vergeblich.