Film: Vive la révolution

Nr. 11 –

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Filmstill aus «Nouvelle Vague»: ein junger Mann und eine junge Frau vor einem Zeitungsverkaufsstand
«Nouvelle Vague». Regie: Richard Linklater. Frankreich / USA 2025. Jetzt im Kino.

Wer sagt denn, dass Revolutionen keinen Spass machen? Besonders wenn sich diese gegen verstaubte ästhetische Formen richten – gegen das «cinéma de papa» beispielsweise, wie die Filmzeitschrift «Cahiers du Cinéma» das gediegene französische «Qualitätskino» der Nachkriegszeit bezeichnete.

Die Autoren der «Cahiers» – sie hiessen François Truffaut, Claude Chabrol, Éric Rohmer, Jacques Rivette oder auch Jean-Luc Godard – hielten dem das US-Genrekino entgegen, in dem sie die Welt besser und vor allem unterhaltsamer widerspiegelt fanden als in der 100. Adaption von Literatur aus dem 19. Jahrhundert.

Die beste Weise, einen Film zu kritisieren, sei allerdings, selber einen zu drehen. So oder ähnlich soll Godard, der 1959 als Einziger unter seinen Kollegen noch nicht ins Regiefach gewechselt war, den Produzenten Georges de Beauregard überzeugt haben, ihm eine Regiearbeit anzuvertrauen. Dem Drehbuch seines Freundes Truffaut um einen grossspurigen Kleingangster traut man spontan zwar nicht zu, die Filmgeschichte verändern zu können, aber für Godard enthielt es alles, was ein Film braucht, gemäss einem weiteren knackigen Zitat: ein «Mädchen» und eine Pistole.

Jetzt hat Richard Linklater, seines Zeichens Meister des «hangout movies», all den Geschichten und Mythen, die sich um die Entstehung von «À bout de souffle» (und der Nouvelle Vague) ranken, einen Film gewidmet, der ebenfalls viel besser funktioniert und vor allem mehr Spass macht, als man erwarten würde. «Nouvelle Vague» ist akribisch recherchiert und extrem unterhaltsam, von den zentralen Figuren des Drehs – Godard, Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg – über die Crew bis hin zu all den Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Nouvelle Vague sind alle präzis mit jungen, mehrheitlich unbekannten Schauspieler:innen besetzt.

Linklater hat mit der gleichen Kamera gedreht wie damals Godards Kameramann Raoul Coutard, und der energiegeladene Schnitt mischt alles zu einem cinephil-nostalgischen Rausch.