Literatur: Eintauchen in die Utopie

Nr. 2 –

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Buchcover von «Das Wort für Zuhause ist Feuer»
Trailor Sparks: «Das Wort für Zuhause ist Feuer». Roman. Paranoia City Verlag. Zürich 2025. 253 Seiten.

Überall taucht ein Exemplar eines mysteriösen Buches auf: «The Queerest Beasts and How to Fuck Them». Je nachdem, wer darin liest, enthält es andere Texte – explizite Sexszenen mit Menschen verschiedener Gender, aber auch Schilderungen von politischen Aktionen, von alltäglichen Begebenheiten auf Wagenplätzen, in besetzten Häusern, in autonomen Zonen. Und wer sind überhaupt die Personen dieses mysteriösen Buches, deren Erlebnisse sich teilweise decken mit denen der Romanfiguren in «Das Wort für Zuhause ist Feuer», die dieses Buch im Buch lesen?

Trailor Sparks entwirft in seinem Debütroman eine anarchistische Utopie, die gleichzeitig konterkariert wird durch alltägliche zwischenmenschliche Schwierigkeiten und Zweifel, durch offene Fragen in einer Zeit, die wenig Raum für Hoffnung bereithält. Im Zentrum des Romans stehen die Gespräche zwischen den Romanfiguren Yo, Sum, Juwi, Queen, Tal, Lax, Lila und Kristall. Die Geschlechtsidentitäten der Figuren sind dabei ebenso unbestimmt wie viele ihrer weiteren Merkmale. Das macht das Buch etwas sperrig zu lesen, da die einzelnen Personen nicht klar umrissen und dadurch schwierig zu erinnern sind, wenn sie nach einigen Kapiteln wieder auftauchen.

Dafür kommen die Stimmungen an den jeweiligen Schauplätzen gut zum Ausdruck. Die Leserin hat bald das Gefühl, mit den Figuren am Feuer zu sitzen, durch den Wald zu streifen, Pläne zu schmieden und lange Diskussionen zu führen. Die Einstreuungen aus «The Queerest Beasts» vermischen sich dabei immer mehr mit dem eigentlichen Buchtext.

«Das Wort für Zuhause ist Feuer» vereint Poesie und Prosaisches und ist in einer aussergewöhnlichen Sprache verfasst, durchsetzt mit englischen Begriffen und Sätzen. Es ist das erste Buch aus dem seit Herbst von einem neuen Kollektiv geführten Paranoia-City-Verlag. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, «revolutionäre Geschichten» und «Bücher von und für soziale Bewegungen» zu verlegen. Mit Trailor Sparks’ Roman ist dies zweifellos gelungen.