Nr. 45/2018 vom 08.11.2018

Erkenne deinen D-Faktor!

Von Franziska Meister

Hat Sie Ihr Chef mal wieder so richtig in den Senkel gestellt – und hatten Sie das Gefühl, er habe das auch noch genossen? Nun, Arschlöcher gibts überall. Aber gemäss einer jüngst in der renommierten Fachzeitschrift «Psychological Review» veröffentlichten Studie ist Ihr Chef vielleicht mehr als nur ein Arschloch. Ein potenzieller Krimineller und Gewalttäter zum Beispiel. Statistisch gesehen ist das durchaus wahrscheinlich, wie ein internationales Forschungsteam herausgefunden hat. Des Pudels (Pardon: des Chefs) Kern: der sogenannte D-Faktor, der «dunkle Persönlichkeitskern».

Über 2500 ProbandInnen haben die PsychologInnen schriftlich befragt, und sie haben verschiedene Verhaltensexperimente mit ihnen durchgeführt – darunter das Diktatorspiel, bei dem man Geld an sich selbst oder an unbekannte MitspielerInnen verteilen kann. So untersuchten sie neun spezifische Persönlichkeitseigenschaften: Egoismus, Gehässigkeit, Machiavellismus, moralische Enthemmung, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus, Selbstbezogenheit und übertriebene Anspruchshaltung. Dabei errechneten sie besagten D-Faktor, der all diese Eigenschaften auf einen Nenner bringt. Ein hoher D-Faktor besagt, dass ein Narzisst nicht bloss narzisstisch ist, sondern auch sadistische und psychopathische Tendenzen zeigt. Sein wichtigster Bestandteil ist ein übertriebener Egoismus, eine extreme Form der Nutzenmaximierung, für die man den Schaden anderer bereitwillig in Kauf nimmt.

Mit dem D-Faktor lasse sich egoistisches und unehrliches Verhalten vorhersagen, sind die ForscherInnen überzeugt. Morten Moshagen, einer der Studienleiter, behauptet sogar, «dass, wenn ein Chef genüsslich seine Mitarbeiter herunterputzt, die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er auch seine Geschäftspartner ausnutzt, Steuern hinterzieht oder seine Frau betrügt». Und wir erkennen mit Blick nach Westen: Der D-Faktor steht auch synonym für Donald-Faktor.

Ermitteln Sie Ihren eigenen D-Faktor unter qst.darkfactor.org. Solange der Test noch freiwillig ist.

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