Nr. 04/2019 vom 24.01.2019

Im Namen des Vaters

Von Geri Krebs

Sohn hat Sex mit der attraktiven jungen Geliebten des Vaters: Bringt man den neuen Film von Jeshua Dreyfus auf diese Kurzformel, stellt man sich ein derbes Dorftheater oder ein tiefsinniges Beziehungsdrama vor. «Sohn meines Vaters» ist nichts davon und doch auch ein bisschen beides. Der Zweitling des 1985 in Brienz geborenen Autodidakten, der vor sechs Jahren in Solothurn mit seinem Debüt «Halb so wild» verblüffte, markiert seine Ankunft im Mainstream – und zeigt dabei auch die Schwierigkeiten beim Einlösen der Erwartungen an den verflixten zweiten Film.

Dani Levy spielt einen jüdischen Psychiater als schleimigen Kotzbrocken, Dimitri Stapfer seinen zum Hängertum neigenden Sohn. Der dauergrinsende Vater beglückt die Welt gerne mit seinen Weisheiten. So predigt er Radikalität in der Beziehung: «radikale Ehrlichkeit, radikales Vertrauen, radikale Kompromissbereitschaft». Dass der Sohn solche Worthülsen zum Nennwert nimmt und auf seine Weise umsetzt, lässt erahnen, wohin die Reise in diesem Liebeslustspiel geht.

Im Gegensatz zu seinem fulminanten Erstling, einem so beklemmenden wie souverän inszenierten Kammerspiel um fünf junge Grossstadtmenschen in einer Tessiner Berghütte, verlässt sich Jeshua Dreyfus hier nun ganz auf Formeln einheimischer Beziehungskomödien, wie sie so ähnlich etwa Christoph Schaub in seinem rätoromanischen TV-Schwank «Amur senza fin» oder Güzin Kar in der Serie «Seitentriebe» erfolgreich erprobt haben. Allerdings sind die Figuren in «Sohn meines Vaters» noch stärker überzeichnet, und Dreyfus hantiert dabei so lustvoll mit Klischees, dass es eine Freude ist.

In: Solothurn, Landhaus, Fr, 25. Januar 2019, 20.45 Uhr, und Reithalle, Di, 29. Januar 2019, 18 Uhr. Ab 12. März 2019 im Kino.

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