Alternativer Nobelpreis : Globaler Grundkonsens

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Die Nobelpreise genügen nicht, war der schwedische Philatelist Jakob von Uexküll schon in den siebziger Jahren überzeugt. Er schlug dem Nobelkomitee vor, einen Nobelpreis für Ökologie einzuführen, für den er auch selbst einen Beitrag zahlen wollte. Das Komitee lehnte ab. Von Uexküll verkaufte seine Briefmarken dennoch und stiftete 1980 einen eigenen Preis, den Right Livelihood Award, der heute als Alternativer Nobelpreis bekannt ist. Der Preis kann nicht nur an Individuen, sondern auch an Organisationen vergeben werden - 1983 bekamen ihn die 20000 BewohnerInnen des Pazifikstaates Palau für ihr Engagement gegen die Stationierung von Atomwaffen.

«Projekte der Hoffnung» stellt zwölf Alternative NobelpreisträgerInnen vor. Viele sind kritische WissenschaftlerInnen - etwa der deutsche Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, der sich gegen Ronald Reagans «Star Wars»-Pläne engagiert hat, der Amerikaner Pat Mooney, der den NanotechnologInnen auf die Finger schaut, oder die indische Physikerin Vandana Shiva, die mit Bäuerinnen gegen Patente auf Leben kämpft. Viele erreichten mit einfachsten Mitteln Erstaunliches: Die heutige kenianische Umweltministerin Wangari Maathai regte Frauen an, Bäume zu pflanzen - ihre «Grüngürtel-Bewegung» verbesserte das Klima, machte neue Ressourcen nutzbar und brachte nebenbei noch eine Diktatur ins Wanken. Der Norweger Johan Galtung engagiert sich für Frieden auf allen Ebenen und propagiert ein Modell, das Konflikte angeht, bevor es zu Gewalt kommt. Der chilenische Ökonom Manfred Max-Neef hat mit armen Kleinbauern und Slumbewohnerinnen Methoden des solidarischen Wirtschaftens entwickelt.

In den Beiträgen dieser unterschiedlichen Menschen wird eine Art globaler Grundkonsens sichtbar: Es braucht lokale, dezentrale Strukturen, Demokratie in allen Lebensbereichen, Frauenrechte, Respekt vor allen Lebewesen, wirtschaftliche und politische Organisation in einer Grösse, die gesellschaftlich kontrolliert werden kann. Fast alle betonen, dass das heutige Wachstumsmodell keine Zukunft haben kann. «Projekte der Hoffnung» macht tatsächlich Hoffnung: Das Buch zeigt, dass die Gegenmodelle in Theorie und Praxis bereits existieren - aber wie schaffen wir die vorherrschenden destruktiven Modelle ab? Der philippinische Globalisierungskritiker Nicanor Perlas betont, dass es drei Strategien brauche: Widerstand, Aufbau von Alternativen und «einen sinnvollen Dialog mit der Wirtschaft und den staatlichen Institutionen». Doch hier wird es schwierig. Denn «die Wirtschaft» wird alles, was sie infrage stellt, entweder bekämpfen oder - noch lieber - zu kaufen versuchen und als Feigenblatt präsentieren. Wie real diese Gefahr ist, zeigt dieses Buch: Es wurde von der BMW Group mitfinanziert.

Peter Erlenwein und Geseko von Lüpke (Hrsg.): Projekte der Hoffnung. Der Alternative Nobelpreis: Ausblicke auf eine andere Globalisierung. Oekom Verlag. München 2006. 224 Seiten. Fr. 34.80