Nr. 14/2008 vom 03.04.2008

Ein Mann des Übergangs

Die krisengeschüttelte Bank gerät immer tiefer in den Schlamassel - nun soll der Chefjurist Peter Kurer ihr aus der Bredouille helfen. Nach einer langfristigen Lösung sieht das nicht aus.

Von Elvira Wiegers

Marcel Ospel ist Geschichte. Der Banker mit den grossen Plänen geht. Dafür kommt Peter Kurer, der Mann fürs Kleingedruckte. Was sagt uns das, wenn der Chefjurist der krisengeschüttelten UBS in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Ruder übernimmt? Die Antwort liegt auf der Hand: Er soll die juristischen Probleme aus dem Weg räumen. Denn der Verwaltungsrat muss vielleicht nächstens Sammel- oder Einzelklagen von InvestorInnen begegnen, Massenentlassungen vornehmen oder gar das eigene Unternehmen aufsplitten und Teile davon abstossen. Kurer steht für Krisenbewältigung. Nach der grossen Bereinigung wird er den Chefsessel wieder räumen. Vielleicht findet sich dann schneller ein Nachfolger als zu Ospels Zeit.

Seit Monaten vernichtet das Investment-Banking in den USA gigantische Summen - auch bei der UBS. Fast vierzig Milliarden Franken sind dort schon weg - das entspricht etwa den Ausgaben des Bundes.

Der Schlamassel im Investment-Banking hatte in den USA viel schneller personelle Konsequenzen zur Folge als in den Chefetagen am Paradeplatz. Während hier das grosse Sesselrücken noch im Gange ist, sitzen dort die jetzigen zum Teil nachgerutschten Kader fest im Sattel und sehen grossen Karrieresprüngen entgegen. So wird etwa Phil Gramm, Vize-Verwaltungsratspräsident bei der Tochter UBS Warburg, als möglicher Vize des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain gehandelt. Ein anderes Beispiel ist Robert Wolf, der innerhalb der UBS ebenfalls eine hohe Position im Investment-Banking bekleidet und verantwortlich ist für das USA-Geschäft. Er berät den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Diese Verbandelung mit hohen Politikern sagt viel aus über den Stellenwert des USA-Geschäfts der UBS, aber noch nichts darüber, ob dies langfristig zur Strategie der neuen Grossinvestoren (des Staatsfonds des Staates Singapur und eines unbekannten Investors aus dem Nahen Osten) passt. Diese waren bei der ersten Kapitalerhöhung im Februar bevorzugt worden, während die AltaktionärInnen das Nachsehen hatten. Doch nun braucht die Bank dringend eine weitere Finanzspritze von fünfzehn Milliarden Franken.

In weniger als zwei Wochen hält die UBS ihre ordentliche Generalversammlung ab. Traktandiert sind die Wahl der VerwaltungsrätInnen und die Kapitalerhöhung. Zudem sollen die AktionärInnen am 23. April die Verkürzung der Amtszeit der VerwaltungsrätInnen von drei Jahren auf zwölf Monate absegnen. Nicht gerade ein Indiz für eine langfristige Unternehmenspolitik. Andererseits können die AktionärInnen so aktiver eingreifen und die Verwaltungsratsmitglieder schneller abwählen. Nicht offiziell zur Sprache kommen wird die sogenannte Decharge der VerwaltungsrätInnen, also deren Entlastung. Das ist ein unübliches und seltenes Vorgehen, zuletzt geschehen bei der Swissair.

Am Tag der Rücktrittserklärung Marcel Ospels stieg die UBS-Aktie das erste Mal seit langem wieder. Dies wurde hierzulande als positives Zeichen für die Bank gewertet. Für das US-amerikanische Wirtschaftsblatt «Wall Street Journal» ist dies vor allem ein Zeichen dafür, dass die SpekulantInnen in der grössten Schweizer Bank eine attraktive Übernahmekandidatin sehen.

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