Nr. 15/2008 vom 10.04.2008

Die wahren Gefahren

Von Bettina Dyttrich

«Terrorismus ist im 21. Jahrhundert für die freien Demokratien die grösste Bedrohung», sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor knapp zwei Jahren. Von den USA über Russland bis nach Australien - fast alle führenden PolitikerInnen der reichen Staaten behaupteten in den letzten Jahren, dass das so sei. Auch die Diskussionen über die Klimaerwärmung haben daran nicht viel geändert.

Die Oxford Research Group, eine antimilitaristische nichtstaatliche Organisation aus England, widerspricht dieser Behauptung. In ihrem Büchlein «Jenseits des Terrors» legen die drei Autoren dar, dass vier andere globale Entwicklungen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken, viel bedrohlicher sind für die Sicherheit der Welt: die Klimaerwärmung, der Kampf um Ressourcen, die Marginalisierung eines grossen Teils der Weltbevölkerung und die Militarisierung. Terrorismus sei nur ein Symptom grösserer Probleme und militärisch praktisch nicht zu bekämpfen: «Terrorismus ist eine Taktik, ein Mittel zum Zweck. Einer Taktik kann man nicht den Krieg erklären.»

Das ist zweifellos richtig und kann gar nicht oft genug gesagt werden. Die Autoren zeigen auf, dass von Staaten und ihren Armeen immer noch die grössere Gefahr ausgeht als von terroristischen Gruppen. Und dass knappe Ressourcen und Armut nicht nur ein Nährboden für Terrorismus, sondern auch für konventionelle Kriege sind. Die Oxford Research Group fordert deshalb eine verbindliche Abrüstungspolitik, Armutsbekämpfung durch Entwicklungshilfe und Schuldenerlass, die Einbindung gewalttätiger Gruppen in politische Prozesse, die Förderung von Alternativenergien, Energieeffizienz und Recycling.

Während die sicherheitspolitischen Vorschläge relativ konkret sind, wirken die Strategien, die Armut und Ökologie betreffen, leider ziemlich oberflächlich. Das liegt wohl daran, dass die Autoren völlig auf (staatliche) Politik fixiert sind und die Ökonomie mit ihrem Wachstumszwang überhaupt nicht analysieren. Das wirkt seltsam in einer Zeit, in der die Staaten die Kontrolle über die Ökonomie weitgehend verloren haben. Die Vorschläge zur Bekämpfung der ökologischen Krise genügen einfach nicht - auch mit Recycling und Alternativenergien gehen die Ressourcenverschwendung und die Verschmutzung weiter, solange der Zwang zum Wachstum bestehen bleibt.

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