Nr. 37/2010 vom 16.09.2010

Die Wörterdeponie

Von Stephan Pörtner

Das Konzept der Mülltrennung war in die südlichen Alpenausläufer vorgedrungen, wo man es argwöhnisch in Empfang nahm und ihm einen Platz im Wald zuwies. Es lagerte dort inmitten eines Haufen Unrats, was seiner zweckmässigen Entfaltung diametral entgegenwirkte. Nachdem ein hoch aufgeschossener Bürgermeister ein paar warme Worte deponiert hatte, wurde es vergessen und verdrängt. So kam es, dass nicht nur der Wald, sondern die ganze Landschaft im Laufe der Jahre verödete und bald einem Vorort von Ulm glich. Da erinnerte man sich endlich des gelungenen Konzepts, aber das hatte sich schon lange der Dichtkunst zugewandt und war dadurch vollkommen nutzlos geworden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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