Nr. 41/2010 vom 14.10.2010

Nichts wie raus!

Von Bettina Dyttrich

Immer weniger Kinder spielen im öffentlichen Raum. Hier kommt ein Buch, das das ändern will.

«Und wenns zu wenig Kinder sind, wird getrommelt, damits mehr werden.» So empfahl es der Zeichner und Kinderbuchautor Friedrich Karl Waechter 1979 in seinem wunderbaren Buch «Spiele». Damals ging das noch. Heute fänden viele Eltern die wilden Spiele, die Waechter vorschlug, zu gefährlich: auf der Strasse, im Park, zum Teil sogar im Dunkeln!

Dass es heute «überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist, dass Kinder und Jugendliche draussen spielen», wissen auch Anke M. Leitzgen und Lisa Rienermann. Sie haben 31 Jahre nach «Spiele» im gleichen Verlag ein Buch veröffentlicht, das Kinder dazu animieren will, sich den öffentlichen Raum anzueignen: «Entdecke deine Stadt».

Schon beim ersten Durchblättern macht die gelungene Gestaltung Freude. In Interviews mit Fachleuten, Infotexten und einem Glossar erfahren LeserInnen viel über Stadtentwicklung und Kunst im öffentlichen Raum, Verkehrsplanung und Guerilla Gardening. Vor allem aber regt «Entdecke deine Stadt» dazu an, selber aktiv zu werden: Quartiere mit allen Sinnen erforschen, mitten in der Stadt Gemüse pflanzen, im Internet über Städte diskutieren, Mauern und Wände als Sportgerät nutzen, zeichnen, fotografieren und dokumentieren. In Porträts erzählen Kinder und Jugendliche von ihren Stadterfahrungen: ein Einradfahrer, ein Nachtfotograf, eine zukünftige Architektin, die an Modellen tüftelt.

Einiges wirkt etwas bieder, etwa der Vorschlag, Hundekacke als Protest mit Papierfähnchen zu kennzeichnen (oder können wir uns das in der Robidog-verwöhnten Schweiz einfach nicht mehr vorstellen?). Und überflüssig ist die biologistische Behauptung, grosse Gebäude seien uns unangenehm, weil unser Gehirn immer noch in der Steinzeit stecke. Zum Glück wird sie auch gleich widerlegt: von einem im Buch porträtierten Mädchen, das vom Leben im zwölften Stock eines Hochhauses schwärmt.

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