Nr. 04/2014 vom 23.01.2014

Mädchen stärken – jenseits der Klischees

Von Bettina Dyttrich

Selbstbewusst kommt dieses Buch daher: «Wie du vermutlich schon festgestellt hast, hat es ziemlich viele Vorteile, ein Mädchen zu sein.» Die Autorinnen, die das feministische «Missy Magazine» herausgeben, wollen Mädchen in allen Lebensbereichen stärken. Da geht es um Sex und Verhütung genauso wie um Sport und Selbstverteidigung, Mode oder den Umgang mit dem Schlankheitswahn, Wut oder Eifersucht; schade nur, fehlt ein Kapitel über die Berufswahl. Neben den Infotexten stehen Interviews, etwa mit einer Skaterin, einer Schlagzeugerin oder der Autorin Anke Gröner, die selbstbewusst zu ihren Kilos steht.

«Glückwunsch, du bist ein Mädchen» ist ein erfreuliches Buch. Für die Autorinnen ist es selbstverständlich, dass Mädchen ganz verschiedene Bedürfnisse und Pläne haben – ein angenehmes Gegengewicht zu heute wieder modischen Büchern wie dem «Dangerous Book For Boys», in denen plötzlich wieder ganz klar sein soll, welche Tätigkeit zu welchem Geschlecht passt.

In diesem Buch werden Rollen, Klischees und Identitätsfindung hingegen kritisch thematisiert. Der Hinweis, dass rollentypisches Verhalten und Kleider wichtiger sind, um ein Mädchen zu «machen», als der Körper, wird für viele Mädchen hilfreich sein. Aber vermutlich wäre hier ein bisschen weniger Queertheorie mehr gewesen. Die Autorinnen machen nämlich genau das, was bei vielen VertreterInnen der akademischen Geschlechterforschung gang und gäbe ist: Sie präsentieren die Theorie der US-amerikanischen Philosophin Judith Butler nicht als eine Theorie unter anderen, sondern als das Wahre: «Du merkst: Einen Körper jenseits der ‹Rolle›, die er spielt, gibt es eigentlich gar nicht.»

So wichtig die Relativierung der körperlichen Unterschiede ist – es bleibt ein Rest, der sich mit dieser Theorie nicht auflösen lässt. Nachlässigkeit bei der Verhütung, zum Beispiel, kann für Mädchen immer noch ganz andere Folgen haben als für ihre männlichen Altersgenossen …

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